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Oberst Heiner Sandmann im Interview

Oberst Heiner Sandmann im Interview

Heiner Sandmann führt seit zwölf Jahren das Regiment. Es ist stark wie nie.

Neuss. Sie sind am Samstag zum 12. Mal zum Obersten des Regiments gewählt worden. Das war zu erwarten. Überwiegt der Stolz, oder ist alles Routine?

Heiner Sandmann: Der Stolz überwiegt. Vor allem, weil wir entgegen des allgemeinen Trends so ungeheuer viel Zulauf haben. Es gibt natürlich Routine beim Ablauf. Aber beim Einmarsch in den Saal zum Oberstehrenabend habe ich einfach dieses Gänsehautgefühl. Immer.

Sie führen wieder einmal ein Rekordregiment an. 7259 Aktive: Wann ist Schluss?

Sandmann: Wir hoffen, dass nie Schluss ist. Jemanden abweisen? Das wollen wir ausschließen, das wäre das Schlimmste. Natürlich gibt es die Probleme, dass der Zug sich in den Schwanz beißt.

Wird es einen neuen Schlenker beim Zugweg geben?

Sandmann: In diesem Jahr nicht. Wir haben ja seit zwei Jahren für den Dienstagnachmittag eine neue Variante gewählt, das hat sich bewährt. Ob wir das auch mal für den Sonntag brauchen werden — man soll nie nie sagen.

Grob geschätzt: Wieviel Aktive kennen Sie persönlich?

Sandmann: Was heißt schon kennen? Ich will es mal so sagen: Mindestens die Hälfte würde ich auf der Straße wiedererkennen. Allein korpsintern habe ich ja schon etwa 150 Termine im Jahr.

Auf welchem Pferd werden Sie die Parade leiten? Zum wievielten Mal ist es dabei?

Sandmann: Zum zweiten Mal mit dem Apfelschimmel Pozzino. Mein Adjutant reitet auch seinen Apfelschimmel. So haben wir im zweiten Jahr wieder ein Paar wie vorher unsere Füchse. 2010 gab’s eine Plakette für meinen „Bandit“, da war er zehn Jahre dabei. Und dann hat er sich das Bein gebrochen und musste eingeschläfert werden.

Noch knapp drei Wochen bis zum Schützenfest. Was ist für Sie der bewegendste Augenblick?

Sandmann: Das ist dieser Moment, wenn ich nach dem Totengedenken am Samstagnachmittag mit dem Kommando „Marsch“ die 16 Tambourcorps zum Spielen bringe. Wenn alle gleichzeitig das „Freut Euch des Lebens“ anstimmen, nach dem Totengedenken — bei diesem Übergang läuft mir immer ein Schauer den Rücken herunter.

Wann können Sie durchatmen?

Sandmann: Am Dienstagabend! Nach dem letzten Vorbeimarsch, beim Absacker im Zeughaus mit altem und neuem König: Da trinke ich dann so gegen Mitternacht mein erstes Bier ganz entspannt.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Neuss ist die Stadt der Schützen und des Schützenfestes, und der Oberst . . .

Sandmann: . . . hat in Neuss seine Heimat gefunden. Wie Sie wissen, bin ich kein gebürtiger Neusser. Ich komme aus Kiel . . .

Warum steht eigentlich kein General an der Spitze des Regiments?

Sandmann: Das hat in Neuss Tradition, seit es das Schützenfest gibt. Der Oberst ist der höchste Rang. Mir wurde einmal die Beförderung angeboten. Ich habe abgelehnt. Man darf das Amt nicht zu wichtig nehmen. In meiner Amtszeit jedenfalls wird es keinen General geben.