Sebastian Appelfeller: Den Glauben als Kern bewahren

Sebastian Appelfeller: Den Glauben als Kern bewahren

Sebastian Appelfeller ist Verbandschef der evangelischen Gemeinden in Neuss.

Neuss. Geburtstags-Girlanden über dem Eingang zum Pfarrhaus begrüßen den Besucher. Nach kurzem Klingeln öffnet ein gut gelaunter Sebastian Appelfeller die Tür. „Meine drei Kinder haben zum Glück alle hintereinander Geburtstag, so können wir die Deko einfach hängen lassen“, sagt er lachend und geht voraus durchs Wohnzimmer in den Garten. Der evangelische Kindergarten grenzt an den Gartenzaun, wenige Minuten entfernt ist die Kreuzkirche — der Arbeitsplatz von Sebastian Appelfeller und Ehefrau Nadine.

Seit etwas mehr als einem Jahr leben sie nun in Neuss und teilen sich in Gnadental die Stelle des Gemeindepfarrers. Anfang des Jahres kam für den 32-jährigen gebürtigen Gladbacher noch eine Aufgabe hinzu. Seit Februar ist er Vorsitzender des Verbands der evangelischen Gemeinden in Neuss.

Eine Aufgabe, die gleich zu Beginn vor allem Kalkulation mit knapper werdenden Finanzen und personelle und räumliche Umstrukturierung erforderte. Eine erste Maßnahme war die Schließung des Paul-Schneider-Hauses in Erfttal. „Das war vielleicht auch meine Chance als Neu-Neusser, dass ich kritischer fragen konnte: Macht es noch Sinn, das zu erhalten — oder eben nicht? Bei diesen ganzen Umbaumaßnahmen den Kerngedanken Glauben zu bewahren und nicht wie ein BWLer zu wirken, das ist mir wichtig.“

In Neuss evangelisch zu sein heißt für den Theologen, der in Wuppertal und Heidelberg studiert, in Remscheid die Ausbildung und in Mönchengladbach seine Probezeit absolviert hat, vor allem, sich bemerkbar zu machen. „Wir gelten sicherlich immer als die kleine Schwester der katholischen Gemeinde. Aber wir leisten gute Arbeit und werden durchaus gesehen.“ Wichtigstes Ziel innerhalb des Verbands: die Gemeindegrenzen ein Stück auflösen und übergreifend denken und handeln.

„Viele wissen sowieso nicht mehr, zu welcher Gemeinde sie gehören und wo die Grenzen sind“, sagt Appelfeller. Kirche heutzutage interessant zu machen bedeutet für den Pfarrer einerseits zu verdeutlichen, dass „jeder Mensch wertvoll ist. Nicht weil er etwas geleistet hat, sondern allein, weil er von Gott geschaffen ist.“

Andererseits — und ganz irdisch — als Gemeinde zu versuchen, Bedürfnislücken zu stopfen. „Nach den Ferien starten wir mit einer Loslösgruppe“, nennt er ein Beispiel. „Wir haben gemerkt, dass es zu wenig Betreuung für Kinder unter einem Jahr gibt.“

Und obwohl er anfangs mit dem Schützenwesen wenig anfangen konnte, freut sich Appelfeller jetzt auf den Eröffnungsgottesdienst und das Schützenfest. „Es wird auch wieder ein ökumenisches Morgenlob geben.“