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Demographie: Kampf um die Einwohner

Demographie: Kampf um die Einwohner

Die Stadt will die Bevölkerungszahl bis 2050 halten. Das fordert Konzepte.

Neuss. Weniger, älter, bunter: Die Schlagworte des Demographiewandels in den Jahren bis 2050 treffen auch auf Neuss zu. Dem zu begegnen, unter Umständen gegenzusteuern, Entwicklungen in Gang zu setzen und vor allem Infrastruktur bezahlbar zu halten wird zur immer drängenderen Aufgabe für Politik und Verwaltung. Einen Handlungsrahmen dazu hat jetzt nach 15 Monate langer Arbeit die Enquetekommission Demografie vorgelegt.

Bundesweit einmalig sei die Einrichtung einer solchen Kommission auf kommunaler Ebene, sagte Wilfried Kruse am Dienstag. Der frühere Neusser Beigeordnete, jetzt Chef eines Instituts für Mittelstandsforschung und Zukunftsplanung, leitete die Kommission, die sich aus Vertretern der Fraktionen, Verwaltung und externen Experten zusammensetzt. Ihr Votum fiel einstimmig aus: Die umfangreichen Analysen und Handlungsempfehlungen sollen — und müssen, geht es nach der Kommission — die Politik der nächsten Jahre bestimmen.

Handfestes Ziel ist es, die Einwohnerzahl von 150 000 bis zum Jahr 2050 zu halten. Das ist kein Selbstzweck: Nur dann könne die Infrastruktur weiter finanzierbar sein, heißt es in dem Bericht. Möglich wird das, wenn Abwanderung weitgehend verhindert und außerdem Zuwanderung, vor allem aus Düsseldorf, gefördert wird.

Als eine der wenigen Städte im Land habe Neuss die Chance, das zu erreichen — wenn denn ziemlich viel geändert wird. Denn die Struktur der Bevölkerung wird sich ändern. Teilnehmer listeten am Dienstag Schwerpunkte auf. Immer mehr Neusser werden künftig ihr Haus am Stadtrand im Grünen verlassen und in die Innenstadt ziehen wollen: Dort muss für sie attraktiver Wohnraum geschaffen, außerdem für die freien Häuser ein Zuzug erreicht werden — etwa aus Düsseldorf, der wachsenden Stadt mit teurem Wohnraum. Oder die größer werdende Gruppe der Ältesten, der Hochbetagten: Für sie sollten die sogenannten Großraumwohnungen für Wohngemeinschaften sehr viel stärker ausgebaut werden — von derzeit zehn auf etwa 400.

Dass diese und zahlreiche anderen Empfehlungen keine freundlichen Empfehlungen, sondern Notwendigkeiten sind, machte etwa Achim Rohde deutlich: „Wir sind nicht mehr im Status der Unschuld.“

Unbequeme Beschlüsse werden notwendig sein. Auch vor der Kommunalwahl? Man sei sich im Ziel einig und werde in der Sache bei unterschiedlichen Ansätzen bleiben, betonten die Ratsvertreter. Vielleicht werde sich ja bei bestimmten Themen ein Art „Demographiefraktion“ herausbilden, vermutete Wilfried Kruse. Zunächst einmal soll eine Art Stabsstelle bei der Verwaltung eingerichtet werden.