Kaugummis pflastern den Weg an den Rathausarkaden

Kaugummis pflastern den Weg an den Rathausarkaden

Die Beseitigung stellt die Stadt vor Probleme. Die Reinigung mit einer Spezialmaschine wäre durch einen Dienstleister zu teuer und in Eigenregie zu zeitaufwendig.

Neuss. Als Petra Hollender vor Kurzem an den Rathausarkaden auf eine Bekannte wartete, traute sie ihren Augen kaum. „Der Boden ist übersät mit plattgetretenen Kaugummis“, sagt die Neusserin: „Das ist eine echte Sauerei — und eine schlechte Visitenkarte für unsere Stadt.“

Mit diesem Ärgernis steht Petra Hollender nicht alleine da. Die Rathausarkaden sind in den vergangenen Jahren immer mehr zur „Kaugummiallee“ geworden. Ärgerlich ist das nicht nur für all jene, die in die frisch ausgespuckte, klebrige Masse hineintreten, sondern auch für die Stadt. Sie kriegt das Problem mit der „Kaugummiallee“ nicht in den Griff — und das Entfernen festgetretener Kaugummis ist teuer. „Wir haben bereits einen Testversuch mit einer externen Firma gemacht“, sagt Miriam Hartig vom städtischen Presseamt: „Es würde pro Kaugummi zwei Minuten dauern, um es mit einer Spezialmaschine ganz zu entfernen. Das ist auf Sicht für die Stadtkasse zu teuer.“

Auch Plan B hat seine Tücken. Er sieht vor, eine solche Spezialmaschine auf städtische Rechnung anzuschaffen. Die Kosten sind zwar noch überschaubar. Die Stadt geht von rund 2500 Euro für die Anschaffung aus. Allerdings würde zusätzliches Personal benötigt, denn der Hausmeister alleine könnte die Reinigung in seiner Arbeitszeit nicht stemmen. „Wenn wir von 250 Kaugummis, die pro Woche entfernt werden müssen, ausgehen, und die zwei Minuten, die für das Entfernen eines Kaugummis benötigt werden, betrachten, reden wir von acht Stunden Mehrarbeit pro Woche“, sagt Hartig: „Das ist im Grunde genommen ein ganzer Arbeitstag.“ Und für diese Zeit würde der Hausmeister an anderer Stelle fehlen. Zusätzliches Personal einzustellen, ist wiederum mit Blick auf die Haushaltslage schwierig — zumal derzeit ein Sparkonzept erarbeitet wird.

Zurzeit setzt die Stadt auf eine Kombination, um dem Problem halbwegs Herr zu werden. „Zum einen wird der Bereich jeden Morgen mit einem Hochdruckreiniger gesäubert“, sagt Hartig. Die Kaugummis allerdings werden eben nicht gesondert angegangen. Viele kleben so fest, dass der Hochdruckreiniger nur bedingt für Abhilfe sorgt. Das sieht man dem Boden an den Rathausarkaden an.

Zweiter Punkt im Maßnahmenkatalog sind Kontrollen durch den Kommunalen Sicherheits- und Ordnungsdienst (KSOD). „Wer dabei erwischt wird, ein Kaugummi auf den Boden zu spucken, muss mit einem Verwarngeld ab zehn Euro rechnen“, sagt Hartig. Am meisten wäre der Stadt jedoch geholfen, wenn sich die Bürger auf ihre gute Kinderstube besinnen — und Kaugummis in Mülleimern entsorgen.

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