Draht wird zur gefährlichen Falle

Draht wird zur gefährlichen Falle

Quer über einen Weg im Park war der Draht gespannt. Die Stadt erstattet Anzeige.

Grevenbroich. Auf der Fahrt zum Brötchenholen am frühen Morgen hat er ihn im letzten Augenblick gesehen — den Draht, der in etwa 50 Zentimetern Höhe quer über einen Weg im Stadtpark gespannt worden war. Robert Wirtz bremste sein Fahrrad sofort ab und kam kurz vor der gefährlichen Falle zum Stehen. „Das hätte böse ausgehen können“, sagt der 35-Jährige. Nachdem der Grevenbroicher vergeblich versucht hatte, das fest verzurrte Metallstück mit der Hand zu lösen, fuhr er wieder nach Hause, um eine Zange zu holen. „Das konnte ja so nicht bleiben“, sagt Wirtz. „Schließlich wird der Weg auch von Müttern genutzt, die mit Kindern auf dem Fahrradsitz unterwegs sind. Nicht auszudenken, was da passieren könnte.“

Simon Schubert, Landschaftsarchitekt

Foto: D. Staniek

Der Draht gehört zu einer Umzäunung, die auf beiden Seiten des Weges dafür sorgen soll, dass Radfahrer oder Fußgänger keine Abkürzung durch die Beete nehmen. Irgendjemand hat das Metallteil durchgeknipst, es etwa auf Kniehöhe quer über den Pfad gespannt und mit dem Draht auf der gegenüberliegenden Seite fest verknüpft. Wohl wissend, dass andere dadurch zu Schaden kommen können. „Mit Müll und Sachbeschädigungen haben wir es im Stadtpark leider öfter zu tun“, bedauert Landschaftsarchitekt Simon Schubert von den Stadtbetrieben. „Diese Stolperfalle aber ist eine neue, darüber hinaus sehr gefährliche Dimension.“

Die Stadtverwaltung wird auf diese Attacke reagieren. „Wir werden Anzeige wegen versuchter Körperverletzung erstatten“, kündigt Rathaussprecher Stephan Renner an. Darüber hinaus werden die Stadtbetriebe den Draht in den nächsten Tagen komplett entfernen. „Um ähnliche Taten zu verhindern“, argumentiert Simon Schubert. Die Holzpoller sollen erst einmal stehen bleiben, um Radfahrern und Spaziergängern weiterhin zu signalisieren, wo die Anlagen beginnen. „Sollte das nicht funktionieren, müssen wir uns etwas anderes überlegen“, sagt der Landschaftsarchitekt.

Auf Initiative des Stadtpark-Fördervereins ist in der „grünen Lunge“ schon einiges getan worden. Viele Bereiche, die in den vergangenen Jahren zugewachsen sind, wurden bereits freigeschnitten. Ziel ist es, den Park bis 2020 wieder in den Zustand zur Zeit der Landesgartenschau 1995 zu versetzen. Doch nicht jeder weiß dieses Engagement zu schätzen. An vielen Ecken wird nach wie vor achtlos Müll hinterlassen, in den Teichen schwimmen Bierflaschen mit dem Hals nach oben. Vor Ostern wurde sogar ein Baum in der Nähe der Villa Erckens gefällt, aktuell haben Unbekannte einen stattlichen Trieb einer alten Eibe von seiner Rinde befreit. Ob der Baum noch gerettet werden kann, ist fraglich. In diesem Fall wird die Stadt Anzeige wegen Sachbeschädigung erstatten. Außerdem werde die Grünkolonne ein wachsames Auge auf den gesamten Stadtpark richten, betont Stephan Renner.

Zum 1. Juli soll zudem das von Bürgermeister Klaus Krützen initiierte Handlungskonzept für das Bahnhofsumfeld in Kraft treten, das auch den Bereich des Stadtparks umfasst. Dort sind künftig regelmäßige Kontrollen — auch nachts und an den Wochenenden — geplant. „Die jüngsten Ereignisse machen deutlich, dass es dringend notwendig ist, die dafür erforderlichen personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen“, sagt Stephan Renner.

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