Ein Ritt durch die Schützenzeit

Ein Ritt durch die Schützenzeit

Seit 1986 gibt es die Reitergemeinschaft Kaarst. Höhepunkt ihres Alltags ist die Zeit der Schützenfeste.

Kaarst. Reiten macht glücklich. Diesen Eindruck vermitteln die gut gelaunten Mitglieder der Reitergemeinschaft Kaarst beim Gespräch — locker und entspannt erzählen sie in ihrem zweiten Zuhause, dem Reitstall der Familie Bierewitz, von ihrem Hobby. Formiert hat sich die Gemeinschaft im Jahr 1986. „Damals gab es zwar schon ein Reiterkorps in Kaarst, doch die Altersstruktur war kein Anreiz für junge Leute“, erinnert sich Gründungsmitglied Christoph Demuth. Man wollte etwas Eigenes — und es sollte alles nichts kosten.

So entstand eine Gemeinschaft von zunächst neun Männern, die in ihren Turnierreiteruniformen auftraten: maisfarbene Hosen und grüne Jacken, respektive Röcken. Somit unterschieden sie sich vom Reiterkorps Kaarst, das in roten Jacken unterwegs ist. Die neu gegründete Reitergemeinschaft ritt fortan jedes Jahr beim Kaarster Schützenfest mit und gewann weitere Mitglieder. Doch es menschelte auch gewaltig — schließlich schrumpfte die Zahl der Reiter auf acht und die Zukunft des Vereins war in Gefahr.

Der Aufbruch zu neuen Ufern kam vor zehn Jahren mit Michael Starre — er sorgte als Schriftführer für eine andere Zusammensetzung durch die Rekrutierung „frischer“ Reiter und gab der Gemeinschaft ein anderes Gesicht — mittlerweile sind alle Alters- und Sozialschichten zwischen 20 und 68 Jahren vertreten. Außerdem wurde ein Beitrag von 160 Euro pro Jahr eingeführt.

Michael Clarke ist seit fünf Jahren dabei. „Das ist eine tolle Gemeinschaft“, sagt er. Der Zusammenhalt sei gut, das gemeinsame Interesse an Pferden und dem Reitsport schaffe eine sehr tragfähige Verbindung. Fast jeden Tag treffe man sich im Reitstall — die Pferde müssen schließlich bewegt und gepflegt werden. Denn die meisten Vereinsmitglieder besitzen ein eigenes Pferd. Diese zwanglosen Treffen stärken das Miteinander der Männer zusätzlich. Derzeit gehören 20 aktive Reiter zur Gemeinschaft, außerdem mehrere Gastreiter. Tom Straßburger (24) ist derzeit Anwärter auf eine Mitgliedschaft: „Ich bin von zwei Leuten vorgeschlagen worden, ob ich als Turnierreiter nicht mitmachen möchte — sie sind jetzt sozusagen meine Paten“, erzählt er. Nun wird er als Gastreiter beim Schützenfest mitmachen. In der Gemeinschaft fühlt er sich jetzt schon wohl: „Ich habe hier viel Spaß“, sagt er.

Im Jahreslauf ist die Begleitung bei Schützenfesten der Höhepunkt — neben dem Kaarster Event nimmt die Reitergemeinschaft auch an Festen in der Nähe teil. Dass ein Pferd durchgeht, ist übrigens noch nie vorgekommen. „Die Tiere sind gut trainiert. Wir haben immer einen Notfallhänger dabei — wenn wir merken, dass ein Pferd unruhig wird, bringen wir es dahin“, erklärt Stefan Kaumanns, Reitersieger des Jahres 2003. Denn Reiter und Pferd seien immer das schwächste Glied im Zug und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.

Zum dreißigjährigen Bestehen wurden eigens gestaltete Nadeln zu je fünf Euro verkauft und durch zusätzliche Spenden kam ein Betrag von insgesamt 21 000 Euro zusammen. Das Geld ging an das Marienheim Hospiz und den Verein Kinderwünsche.

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