In Reuschenberg dürfen bald auch Frauen mitmarschieren

In Reuschenberg dürfen bald auch Frauen mitmarschieren

Dass das Schützenwesen sich für Frauen öffnet, finden nicht alle gut.

Reuschenberg. Durchbruch oder Dammbruch? Die Reuschenberger Bürgerschützen öffnen sich für Frauen als aktive Mitglieder. Den Anfang macht das mit nur noch neun Mann in seiner Existenz gefährdete Reiterkorps, das im Ort sogar plakatiert und aktuell vier Anfragen von Frauen vorliegen hat. „Wir wollten nicht Auslöser einer Bewegung sein“, sagt Reiterchef Thomas Tiling. Doch genau das ist passiert.

Frauen im Schützenwesen: Das gab es bisher nur in Erfttal, wo sich sogar ein Amazonenkorps gebildet hat. Als „Sonderfall“ wurde das von den anderen Vereinen mit leichtem Naserümpfen zur Kenntnis genommen. Sie akzeptierten Frauen nur in den Musikkorps und vereinzelt bei den Reitern — „mit Sondergenehmigung“, wie Reiner Kivelitz, Präsident der Grefrather Bruderschaft, betont. Und ausschließlich auf diese Korps begrenzt, wie Dieter Moll, Präsident des Bürgerschützenvereins Weckhoven, ergänzt. Doch in Reuschenberg hält man wenig von solchen Versuchen einer „Einhegung“. Die Öffnung gilt ohne Einschränkung. Und Präsident Hardi Nottinger sagt: „Da kommt keiner mehr drumherum.“

Auf der Generalversammlung am Wochenende wurde eine Satzungsänderung beschlossen. Allerdings nur für die neuen Datenschutzbestimmungen. Das Anliegen der Reiter, Frauen die aktive Mitgliedschaft zu geben, fanden die Verantwortlichen des Komitees durch die Satzung schon gedeckt. „Zum Eintritt in den Verein ist jeder unbescholtene Bürger berechtigt“, heißt es dort neutral. Von einem bestimmten Geschlecht ist nicht die Rede.

Das heißt: Frauen hätten auf dieser Basis längst Mitglied werden können. Das sei wohl so, sagt Geschäftsführer Daniel Schillings. „Wir haben in der Vergangenheit aber keine Werbung für die Aufnahme von Frauen gemacht und werden dies auch nicht anstreben“, sagt er. Man werde sich aber auch nicht verschließen. Schon um nicht den Verlust der Gemeinnützigkeit zu riskieren, sagt er mit Blick auf eine im Vorjahr geführte Debatte, die durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes ausgelöst worden war und reine Männerbünde um dieses Steuerprivileg fürchten ließ — und offenbar noch fürchten lässt. Als Verein werde man keine Frau abweisen, sagt Schillings. Doch ob die im Regiment aktiv wird, hänge davon ab, ob sie Anschluss an ein Korps findet. Ein Damenkorps jedenfalls wird es nicht geben. Ganz ähnlich denkt man aktuell in Grefrath, wo eine Öffnungsklausel mit dem Hinweis verbunden werden soll, dass am Ende nur die Korps über Frauen in ihren Reihen entscheiden, sagt Kivelitz.

Reuschenbergs Reiter wollen aber auf jeden Fall die Vollmitgliedschaft für Frauen und ihre Reihen nicht, so Tiling, „mit Mädels aus dem Reitstall auffüllen“. Aber wer in Korps und Regiment aktiv ist, das Jahresprogramm mitmacht und Beitrag zahlt — darf auch auf den Königsvogel schießen. In Weckhoven wäre den Amazonen das schon jetzt möglich. Aber, sagt Moll, „wir wollen da keine schlafenden Hunde wecken.“

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