Mütter gegen Kita-Abzocke

Die Aktiven der gleichnamigen Plattform im Internet wollen ihren Forderungen Jugendhilfeausschuss Nachddruck verleihen.

Grevenbroich. Im April diesen Jahres gegründet, zählt die Plattform „Kita-Abzocke Nein danke!“ mittlerweile 1500 Mitglieder. Der Name ist Programm, die Gruppe setzt sich unter anderem dafür ein, die Kita-Gebühren zu senken. „Wir wollen konstruktiv in der Sache bleiben“, erklärt Nina Kunze, eine der Engagierten. „Aber die bislang sehr langsame Umsetzung der Verantwortlichen bringt uns in Rage.“ Deshalb planen die Netzwerkerinnen jetzt, im Jugendhilfeausschuss (JHA) vorzusprechen. Der tagt am Dienstag, 12. Juni.

Auf ihrer Agenda haben Sprecherin Nina Kunze, Netzwerkgründerin Rebecca Siebert sowie die Mitstreiterinnen Jasmin Schroers, Nadja Gladyszewski und Vera Banmann vor allem zwei Punkte: Die Elternbeiträge sollen gesenkt und der sogenannte Stichtag geändert werden.

Nina Kunze, engagierte Mutter

Zur Erklärung: Eltern leisten für die Kindergartenbetreuung einen Kostenbeitrag, der vom Alter des Kindes, der Einkommenshöhe der Eltern sowie der Betreuungsstunden abhängt. Ungerecht und zu hoch sei dieser Schlüssel in Grevenbroich, wogegen sich die Mütter wehren. „Es gab viele Gespräche mit Politikern im Vorfeld, wir sind in Kontakt mit Mitarbeitern aus der Verwaltung. Wir sind im Thema“, fassen die Frauen zusammen. „Selbst Nicht-Eltern unterstützen uns“, verweisen die Frauen auf ihre Unterschriftensammlung, die sie jenseits virtueller Welten mit Stift auf Papier gesammelt haben.

„Wann immer wir die Zeit dazu finden, gehen wir in Fußgängerzonen und auf Events, um für unsere Sache zu werben“, sagt Nina Kunze. Die Resonanz sei „immer die gleiche: Das Thema ist in der Gesellschaft angekommen, wir finden viele Unterstützer“. Aber diese resonanz „bloß auf dem Papier zu haben, reicht einfach nicht“, fordern die Frauen nun endlich Aktivität seitens der Grevenbroicher Politiker sowie der Verwaltung. Lippenbekenntnisse habe es mehr als genug gegeben, die Parteien schöben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, warum bislang keine der Forderungen umgesetzt wurde.

„Wir möchten endlich unsere Anträge durchsetzen und erreichen, dass es spürbare Veränderungen gibt“, sagt Nina Kunze stellvertretend für die Gruppe Ziele. Auch das Argument, die klamme Kasse der Stadt ließe Gebührenerlässe im Rahmen des Haushaltskonzeptes nicht zu, wollen die Plattformerinnen nicht gelten lassen. „Die Stadt wirbt mit ihrer Familienfreundlichkeit — nun kann sie beweisen, wie familienfreundlich sie tatsächlich ist“, sagen sie.

„Bestens gerüstet“ für ihren Besuch im Jugendhilfeausschuss fühlen die Netzwerkerinnen sich. „Wir haben im Vorfeld so oft mit verschiedenen Menschen über die diversen Aspekte zur Kita-Situation gesprochen und debattiert“, skizziert Nina Kunze die vergangenen Wochen. Unterschriften wollen die Mütter weiter sammeln. Und je nachdem, wie ihr Vorsprechen beim JHA ausgeht, werden sie weiter aktiv sein. „Zur Not gehen wir für unsere Anliegen auch auf die Straße“, könnten sie sich eine Demonstration vorm Rathaus vorstellen.

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