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Plakatwand in Büderich: Ein Mahnmal gegen die Mauer in den Köpfen

Plakatwand in Büderich: Ein Mahnmal gegen die Mauer in den Köpfen

Neuanfang und Kontinuität: Jochen Schmitz-Linkweiler zeigt die erste Plakatwand.

Büderich. Der großformatige Werbeträger verschwindet fast vollständig hinter ungezählten Eimern mit Schnittblumen, und auch der Markt-Wagen des Fischhändlers ist ihm seitlich nahegerückt. In solch einer Kulisse hat die Eröffnung der neu gestalteten „Plakatwand gegen Ausländerfeindlichkeit“ am Franz-Schütz-Platz noch nie stattgefunden. Eines war den mehr oder minder irritierten Besuchern allerdings klar: Winfried Schmitz-Linkweiler hätte über die Situation unbändig gelacht.

Der im August vergangenen Jahres verstorbene Künstler war ein Jahrzehnt lang für die Gestaltung des Mahnmals verantwortlich, das zahlreiche Meerbuscher Künstler 1993 nach den Brandanschlägen in Solingen initiiert hatten. Fremdenfeindlichkeit sollte die Stirn geboten werden — demonstrativ und unübersehbar.

Zunächst wurde die Plakatwand an der Dorfstraße in Büderich auf sechs Monate bewilligt. Meerbuscher und auch auswärtige Künstler gestalteten ihre Botschaften eines friedlichen Zusammenlebens sehr unterschiedlich, kontemplativ, anklagend, provozierend. Helmut Martin-Myren sorgte für die Organisation und warb Mitstreiter. Das Land NRW und die Stadt Meerbusch sponserten das Projekt zu Beginn. Nach Martin-Myrens Tod im Februar 2001 übernahm Winfried Schmitz-Linkweiler die Koordination.

Sein Tod sollte nicht das Ende der Plakatwand sein. Am Samstag wurde ein Neuanfang gemacht — der allerdings im Blumenmeer fast unterging.

„Es liegt nahe, die neue Plakatwand Winni zu widmen“, sagt Jochen Schmitz-Linkweiler bei der Eröffnung. Sein Bruder habe sein Leben der Kunst gewidmet. „Fundstücke waren die Basis seiner Bilder.“ Diesen Ansatz hat Jochen Schmitz-Linkweiler bei der aktuellen Gestaltung aufgegriffen: Das Fundstück sei eine Fotografie seines Bruders, die Aufnahme einer Mauer, ganz auf Struktur und Licht konzentriert. Als großformatiger Digitaldruck soll sie aufrütteln, zum Nachdenken anregen, die „Mauer im Kopf“ durchbrechen helfen, die immer wieder den Blick auf das Wirkliche und Wichtige verstelle.

Wie viele der Besucher freut sich auch Kulturdezernentin Angelika Mielke-Westerlage, dass die Plakatwand als Mahnmal erhalten bleibt. Ausländerfeindlichkeit sei ein immer wieder aktuelles Thema. Dagegen setzt auch der Integrationsrat ein Zeichen, dessen Vertreter am Samstag in Büderich waren.