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Neue Regel der Stadt in Grevenbroich: Kein Bargeld mehr in Kitas erlaubt

Dienstanweisung der Stadt : Grevenbroich schafft Bargeld in Kitas ab

Eltern der Kita „Pusteblume“ in Kapellen sind verärgert. Stadt verteidigt die Maßnahme.

Eine Anweisung der Stadt sorgt für großen Unmut bei Eltern. Die Verwaltung hatte angeregt, dass in Kitas keine privaten Girokonten und kein Bargeld mehr erlaubt sind. Das behindert allerdings den Alltag in der Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Kapellen. Dort sammelten Erzieher Geld für das Frühstück oder für Ausflüge von den Eltern, zahlten es auf ein Konto und entnahmen es nach Bedarf. Die Änderung traf die Eltern unvorbereitet. „Wir hatten überhaupt keine Chance, darauf zu reagieren“, sagt Ariane Seebach, stellvertretende Vorsitzende des Elternbeirats. Sie kritisiert, dass die Stadt ihr Vorhaben von jetzt auf gleich und ohne Übergangsfrist umgesetzt hat.

Die Dienstanweisung ist nicht neu, sondern wurde nun auf private Konten ausgeweitet, erklärt die Stadt hingegen. „Sie dient zum Schutz der Mitarbeiter“, so Sprecher Stephan Renner. Erzieher sollen so nicht in Verdacht geraten können, Gelder, die sie in bar erhalten haben, zu veruntreuen. Außerdem diene die Anweisung dem Schutz vor Diebstählen. „Wir haben schon einige Einbrüche in Kitas gehabt“, sagt Renner.

Die Eltern schlagen eine einheitliche Lösung für alle 16 Kitas in Grevenbroich vor, weil alle gleich betroffen seien: Eltern sollen Geld auf ein städtisches Konto zahlen. Davon sollen dann die Kosten – so wie es beim Mittagessen und bei Getränken schon üblich sei – für das Frühstück gedeckt werden. Die Lebensmittel sollen geliefert werden. Der Supermarkt soll im Anschluss eine Rechnung an die Stadt stellen. „Die Stadt will diese Lösung nicht“, sagt Seebach.

Die Stadt gibt an, dass die von den Eltern favorisierte Lösung keine Alternative sei. Frühstück und sonstige Kostenstellen, die von der Dienstanweisung betroffen sind, seien freiwillige Leistungen und könnten daher nicht über den städtischen Haushalt abgerechnet werden. Zudem würde ein Bearbeitungsaufwand „in nicht geringer Höhe entstehen“, so Renner. Die Stadt rechnet mit einer halben Stelle: „Das ist nicht vertretbar.“

Seebach und die anderen Eltern verstehen das Vorgehen nicht. „Wir sind bereit, die Kosten zu tragen“, sagt sie. „Doch die Stadt zeigt keine weiteren Alternativen mehr auf.“ Es müsse nicht die von den Eltern bevorzugte Lösung umgesetzt werden. „Die Stadt darf sich aber nicht aus ihrer Verantwortung ziehen“, so Seebach. „Wir waren eigentlich guter Dinge, dass wir mit der Stadt eine  Lösung finden“, sagt sie. „Nun stehen die Eltern alleine da.“

Die Fronten sind verhärtet. Die Verwaltung will deshalb für eine Lösung mit einem Förderverein werben – so wie es in 15 der 16 Kitas gemacht wird. „Das Modell funktioniert und ist übertragbar“, sagt Renner. Spätestens bei einer Elternversammlung im März will die Stadt das Gespräch mit den Eltern suchen und die Vorteile dieser Lösung aufzeigen. Die Eltern der Kita „Pusteblume“ zeigen laut Seebach bis jetzt allerdings kein Interesse daran, einen solchen Verein zu gründen. Auf einer außerordentlichen Elternversammlung am 26. Februar meldete sich niemand.

In der Kita „Pusteblume“ belässt man es derzeit bei einer kreativen Übergangslösung: Die Eltern teilen sich die benötigten Lebensmittel auf und spenden sie. Das wurde notwendig, weil das bereits eingesammelte Geld nicht mehr lange ausreicht – wahrscheinlich nur noch bis Mitte März. Dabei unterstützen die Eltern sogar den Vorstoß der Stadt, Konten und Bargeld in Kitas abzuschaffen. „Es ist nur nicht bis zum Ende durchdacht“, sagt Seebach. Doch nun sei nicht nur das Frühstück für die Kinder gefährdet. Auch Ausflüge, vor denen Erzieher häufig Geld von den Eltern eingesammelt hat, stünden auf der Kippe.