Wo sollen sie rollen?

Wo sollen sie rollen?

Die Rollbrettunion muss weiter um ihre Zukunft fürchten — obwohl bereits ein neuer Ort für den Skatesport in Aussicht steht. Denn trotz der Wiedereröffnung des Rollmarkts bleibt die Frage der Finanzierung noch immer ungeklärt.

Nach einer Woche des Bangens gab es eine kleine Entwarnung: Der Rollmarkt, die Skaterhalle an der Hauptstraße in Rheydt, ist ab Montag wieder geöffnet. Eine Woche zuvor hatte der Verein Rollbrettunion, der Mönchengladbachs Skaterszene im vergangenen Jahr eine neue Heimat beschert hat, die Halle schließen müssen. Das Ende der von vorneherein befristeten Untermiete in der ehemaligen Kik-Filiale am Beginn der Rheydter Fußgängerzone schien besiegelt.

Doch der Verein hat sich erfolgreich um eine Verlängerung bemüht, bis Ende Februar können die Skater weiter im Rollmarkt über Rampen und Hindernisse fahren und spektakuläre Sprünge vollführen. Damit ist die Frage nach einer langfristigen Bleibe für die Sportler nicht beantwortet.

„Wir haben gezeigt, dass wir etwas aufbauen können. Doch wir wussten, dass wir in Rheydt nur für eine begrenzte Zeit unsere Spielwiese haben. Jetzt hängen wir komplett in der Schwebe“, sagt Christian Brass, Vorstandsmitglied der Rollbrettunion. Am Donnerstag schaute er sich mit seinem Vorstandskollegen David Suhari schon einmal die mögliche neue Heimat an: Die SMS Meer GmbH hat in ihrem Businesspark City an der Blumenberger Straße Lagerflächen im ehemaligen Casino zur Verfügung gestellt, die der Verein mieten könnte.

„Es war ein interessanter Termin. Mit der Halle könnten wir unsere Kapazitäten mehr als verdoppeln. Doch auch dort ist die Frage, wie wir das finanziell gestemmt bekommen können“, sagt Suhari. Mit seinen Vorstandskollegen hat er ausgerechnet, dass der Verein für sämtliche Kosten wohl einen knapp sechsstelligen Betrag pro Jahr benötigt. Da reichen die Jahresbeiträge der aktuell 192 Mitglieder in Höhe von 60 Euro ebenso wenig aus wie das Geld von der Stadt.

„Wir unterstützen Sportvereine mit vereinseigenen Hallen mit 4800 Euro im Jahr. Das ist das, was wir zusteuern können“, sagt Harald Weuthen. Der Fachbereichsleiter Schule und Sport war auch bei dem Termin an der Blumenberger Straße dabei, da er den Kontakt zu SMS Meer hergestellt hatte. Zudem ist der Verein im Gespräch mit dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familie, da die Rollbrettunion zugleich einen großen Beitrag zur Sozialarbeit in der Stadt leistet. Denn das im Dezember 2016 gestartete Projekt ist eine echte Erfolgsgeschichte.

„Seitdem wir im vergangenen Mai den Rollmarkt geöffnet haben, hatten wir 17 800 Gäste bei uns. Und in fast 6000 Fällen haben wir Skateboards verliehen. Es kommen beileibe nicht nur Jugendliche zu uns, die mit dem Sport groß geworden sind“, sagt Suhari.

Zudem geht das Angebot der Rollbrettunion weit über den sportlichen Aspekt hinaus: Im Rollmarkt spielen Musik und Lifestyle eine Rolle, zudem gibt es BMX- oder Longboardkurse sowie Workshops zum Thema Rampenbau oder Graffiti — alles kostenfrei.

David Suhari, Rollbrettunion

„Bei uns ist jeder willkommen, und wir wollen die Hürde so gering wie möglich halten. Wir haben eine Atmosphäre geschaffen, die wir nicht mehr missen möchten. Damit steht und fällt alles“, betont Brass. Doch um das Angebot aufrechterhalten zu können, braucht der Verein Geld. „Wir werden um Unterstützer werben, um Sponsoren und passive Mitglieder“, sagt Suhari.

Sollten alle bauordnungsrechtlichen Vorgaben umgesetzt werden können und die Finanzierung stehen, könnte die Rollbrettunion im Frühsommer zur Blumenberger Straße umziehen. Und die Hoffnung, ein paar Tage länger an der Hauptstraße bleiben zu können, hat der Verein auch noch nicht aufgegeben. Das Zeitfenster, in dem der Rollmarkt geschlossen hat, soll möglichst klein bleiben. Die Woche Pause war Mönchengladbachs Skatern jetzt schon viel zu lang.

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