Opfer vor Gericht in Mönchengladbach: "Alles war voller Blut"

Landgericht Mönchengladbach : Zeugen sagen zu Attacke nach Borussia-Spiel aus

Das Opfer erlitt mehrere Brüche im Schädel und kann sich nicht an die Tat erinnern.

Im Prozess wegen versuchten Mordes sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung sagte jetzt das Opfer aus. Ein 19-Jähriger soll den Mann, der mit seinem Schwiegersohn und dessen Kollegen nach einem Spiel der Borussia auf dem Heimweg war, angegriffen und ihm mit ausgestreckter Faust ins Gesicht geschlagen haben. Auch als der Geschädigte reglos am Boden lag, soll er nicht von ihm abgelassen haben.

Das Opfer erklärte vor Gericht, sich nicht an den Überfall erinnern zu können. Er habe mehrere Brüche im Schädel sowie eine zur Erblindung führende Verletzung am linken Auge erlitten, sechs Wochen im Krankenhaus und vier Wochen in der Reha verbracht. Auch heute leide er noch unter Schwindel und Kopfschmerzen, traue sich nicht, abends das Haus alleine zu verlassen oder Auto zu fahren. Eine Entschuldigung des Angreifers lehnte er im Prozess ab.

Sein Schwiegersohn konnte die Ereignisse am Tatabend nur schwer zeitlich einsortieren, alles sei „sehr schnell sehr schlimm geworden“. Nach dem Fußballspiel seien sie zu dritt auf dem Heimweg gewesen, als ihnen eine Gruppe junger Männer entgegen gekommen sei. Einer habe ihn um eine Zigarette gebeten, die er mit den Worten, dafür sei der andere zu jung, abgelehnt habe. Daraufhin habe dieser „Ihr Scheiß-Deutsche und eure Scheiß-Vereine“ gerufen und sich „Kopf-an-Kopf“ vor seinen Schwiegervater und ihn gestellt. Sein Schwiegervater hätte den jungen Mann dann weggedrückt, wobei dieser über Steine gestolpert und gefallen sei. Von hinten sei dann ein anderer Mann angelaufen gekommen, habe den Älteren „volles Rohr“ geschlagen. Daraufhin seien weitere Männer angelaufen gekommen, hätten sich um sie herum gestellt. Der Angreifer habe währenddessen nicht von seinem Schwiegervater abgelassen und weiter auf ihn eingeschlagen und getreten. Alles sei voller Blut gewesen. Ein Mann habe auch ihn selbst geschlagen, so dass er gefallen sei. Dann seien ihnen Leute zu Hilfe gekommen, und auf den Ruf „Die Polizei kommt“ seien die Angreifer davongelaufen. Dabei habe er gesehen, dass der Angreifer einen Schlagring getragen habe, ein anderer Mann so etwas wie einen Schraubenzieher.

Auch der junge Mann, der vor dem Angriff um die Zigarette gebeten haben soll, sagte aus. Der 17-Jährige erklärte jedoch, er sei nach seiner Frage erst geschlagen und dann geschubst worden, habe dabei seine Brille verloren. „Ein Kollege hat mir helfen wollen, und dem älteren Mann einen Schlag versetzt.“

Er bestreitet, dass dieser dabei oder am Tattag, den die vier Männer aus seiner Gruppe zusammen verbrachten, einen Ring oder sogar Schlagring getragen habe. „Das hätte er mir gesagt“, erklärte er. Dies widerspricht seiner polizeilichen Aussage, wo er erklärt, dass der 19-jährige Angeklagte „einen normalen Ring mit etwas Schwarzen dran“ trug.

Erst auf mehrmalige Nachfrage der Kammer sowie der Nebenklage gab der 17-Jährige zu, dass es möglich sei, dass er nicht grundlos weggeschubst wurde, sondern „dass ich zuerst gepöbelt“  habe. Auch der Vierte aus der Gruppe der Jugendlichen erklärte vor Gericht, dass der Angeklagte keine Waffe bei sich gehabt habe: „Wir haben ja Fäuste, Waffen brauchen wir nicht“, sagte der 18-Jährige. Der Prozess wird am 13. November fortgesetzt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung