Katholischer Priester in Mönchengladbach wegen Missbrauchsverdacht angeklagt.

Schwere Vorwürfe gegen Mönchengladbacher Geistlichen : Pfarrer unter Missbrauchsverdacht

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat einen Gladbacher Geistlichen angeklagt. Er soll 2003 in Düren einen Zwölfjährigen sexuell missbraucht haben. Das Bistum stellte den Priester daraufhin von seinen Ämtern frei.

Die katholische Kirche in Mönchengladbach wird von schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester erschüttert. Das Bistum Aachen hat in dieser Woche einen leitenden Pfarrer bis auf weiteres von seinen Ämtern freigestellt. Dabei handelt es sich um einen Geistlichen aus einer Mönchengladbacher Gemeinde, wie ein Bistumssprecher am Freitag unserer Redaktion bestätigte.

Die Staatsanwaltschaft Aachen hatte zuvor Anklage gegen den 55-Jährigen erhoben. Sie wirft ihm sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen vor, wie Staatsanwältin Golriez Litterscheid sagte. Dabei geht es den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge um zwei Fälle aus dem Jahr 2003. Der Priester soll damals in einer Gemeinde in Inden im Kreis Düren einen damals Zwölfjährigen in zwei Fällen missbraucht haben. Angaben zur Schwere des Missbrauchs machte die Staatsanwaltschaft nicht. Ein Bistumssprecher sagte, die Vorwürfe seien sehr konkret.

Der damals Zwölfjährige wandte sich im Herbst vergangenen Jahres an die Staatsanwaltschaft. Darauf begannen Ermittlungen, die Anfang dieser Woche zur Anklageerhebung führten. Noch ist nicht klar, ob das zuständige Amtsgericht Jülich die Anklage annimmt und damit ein Prozess eröffnet wird. Dennoch schickte die Staatsanwaltschaft die Anklage Anfang dieser Woche auch an das Bistum Aachen. In solchen Fällen, insbesondere bei Geistlichen habe die Staatsanwaltschaft eine entsprechende Mitteilungspflicht. Daraufhin bestellte das bischöfliche Generalvikariat den Priester zu einem Gespräch ein und stellte ihn von seinen priesterlichen Ämtern frei.

Wie Bistumssprecher Stefan Wieland mitteilte, werden die betroffenen Gemeinden in den Gottesdiensten am Sonntag mit einer entsprechenden Mitteilung des Bistums informiert. Generalvikar Andreas Frick wird auch selbst dabei sein und eine Messe übernehmen. „Wir sind erschrocken über die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft in ihrere Anklageschrift erhebt“, sagte Margherita Onorato-Simonis, die Leiterin der Hauptabteilung Pastoralpersonal im Bistum. „Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen.“

Vor einigen Jahren erste Hinweise auf ein grenzwertiges Verhalten

Wie aus der Mitteilung des Bistums hervorgeht, habe es in den vergangenen Jahren Hinweise gegeben „auf ein grenzwertiges Nähe-Distanz-Verhalten, das nicht auf sexualisierte Gewalt schließen ließ“. Dem sei in Personalgesprächen mit „konkreten Verhaltensauflagen gemäß Präventionsordnung begegnet“ worden, sagte Margherita Onorato-Simonis. Was damit konkret gemeint ist und ob es auch Missbrauchsfälle in Mönchengladbach gegeben haben könnte, das war laut Staatsanwaltschaft nicht Gegenstand der Ermittlungen. „Von Amts wegen haben wir dazu keine Erkenntnisse gehabt“, sagte Staatsanwältin Golriez Litterscheid.

Ein Informationsschreiben aus dem Bistum ist nach Informationen unserer Redaktion in den betroffenen Gemeinden bereits eingetroffen. „Wir waren wie vom Donner gerührt, als wir davon gehört haben“, sagt ein Katholik aus einer der betroffenen Gemeinden. Man habe sich schon gewundert, warum der Priester von einen auf den anderen Tag nicht mehr im Dienst gewesen sei. „Aber man muss vorsichtig sein: Es gilt die Unschuldsvermutung.“ Die betonte das Bistum auch in seiner Mitteilung.

Für die betroffenen Gemeinde laufe nun die Suche nach einem Pfarradministrator, sagte Bistumssprecher Stefan Wieland. Der Priester selbst war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ob er bei den Ermittlern zu den Vorwürfen ausgesagt hat, dazu machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

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