Mönchengladbach: Diamant Metallplastic entwickelt Kitt für Brückenbau

Unternehmen in Mönchengladbach : Giesenkirchener Unternehmen klebt Brücken

Diamant Metallplastic entwickelt und produziert Verbundstoffe und Kleber.

In Giesenkirchen klebt sozusagen der Diamant zwischen Einfamilienhäusern. Das Familienunternehmen Diamant Metallplastic GmbH hat zwar seinen Sitz an der Hontzlarstraße, allerdings ist die Umgebung als Mischgebiet ausgewiesen. Erst hinter der Firma beginnt das Industriegebiet. Der ganze Firmenkomplex wirkt wie ein aus den Fugen geratenes Wohnhaus. Dabei: Hinter dem unauffälligen Firmenschild an der Hauswand verbirgt sich Hochtechnologie.

Die rund 30 Beschäftigten verbindet ein Thema: Wie schaffe ich die perfekte Verbindung zwischen zwei Werkstoffen? Vereinfacht gesagt handelt es sich bei den Produkten von Diamant Metallplastic GmbH um Zweikomponentenkleber. Damit kann man zum Beispiel auch Stahlträger mit Beton verbinden, erklärt Geschäftsführer Carsten Kunde: „Wir stellen Verbundmaterialien her, indem wir Basisprodukte der chemischen Industrie miteinander kombinieren, etwa Keramik mit Klebstoff. Wir bringen damit zwei Welten zusammen.“ So einfach kann das sein. Und so erfolgreich. Denn die Ursprünge des Unternehmens reichen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. „Wir haben in der Tat gerade erfolgreich den Übergang in die 4. Generation geschafft.“

Jüngstes Beispiel für das Knowhow und den Einfallsreichtum der Giesenkirchener Experten ist die so genannte „Lego-Brücke“ über der Autobahn 46 bei Hagen. In einer Mitteilung der Firma liest sich das so: „Die Brücke besteht nahezu vollständig aus vorgefertigten Bauteilen. Bei der klassischen Methode werden Betonteile erst an der Baustelle gegossen und müssen dann lange aushärten. Fester Faktor beim Verbinden der Stahlträger mit den Auflageflächen in den Betonbausteinen war das spezielle Metallpolymer MM1018.“

Bei Diamant Metallplastic wird keine Massenware hergestellt

Dabei handelt es sich, erläutert Carsten Kunde, „um ein Zweikomponenten-Reaktionsharzsystem mit hohem metallischen Füllstoffanteil. Dieser erlaubt es nicht nur, Spalte zwischen Stahl-Stahl-Verbindungen dauerhaft und sicher zu schließen, sondern auch solche von Stahl-Beton-Verbindungen.“

Für das Verkleben der Stahlträger waren kaum mehr als 200 Kilogramm dieses Klebers nötig. Das klingt wenig angesichts der Dimensionen einer Brücke. Geht man durch die Produktionsräume von Diamant Metallplastic wird jedoch schnell klar: Hier wird keine Massenware hergestellt. Hoch effiziente Technik aus den 1960er Jahren, darunter Knetmaschinen, vermittelt eher den Eindruck einer Manufaktur als eines Produktionsbetriebes. Man denkt unwillkürlich an eine Backstube. Mehrere Tausend Kunden weltweit können unter Gebinden wählen, die zwischen 30 Gramm und 200 Kilo liegen. Carsten Kunde nimmt eine Spritze aus dem Regal, die auch in einer Klinik verwendet werden könnte: „Auch diese Größe verkaufen wir.“

„Wir“ – das sind nicht nur die weltweit rund 40 Handelsvertreter unter anderem in Indien und den USA, die die Produkte für Gießereien und die Automobilbranche, für den Stahl-, Brücken-, und Maschinenbau sowie die Schiffsindustrie, vertreiben. „Wir“, das sind auch die Beschäftigten im firmeneigenen Labor. „Sie sorgen für die Produktüberwachung, aber treiben auch Forschung und Entwicklung an“, so Carsten Kunde. Die Arbeit an neuen Produkten oder an der Verbesserung bestehender, sei „für ein Unternehmen, das in einer Nische arbeitet, von höchster Bedeutung“. So ist es nicht verwunderlich, dass die Giesenkirchener seit Neuestem Mitglied sind im „RWTH Aachen Campus.“ Näher an der Forschung gehe kaum.

Wissen und Einsatz werden beim Schleusenbau gebraucht, in der Kraftwerkstechnik, dem „Rapid Prototyping“ – sprich 3D-Drucker-Bereich –, oder der Nachbehandlung von Metallgehäusen die nicht 100-prozentig dicht sind. Die sieben Techniker des Unternehmens sind mit ihrem Kleber auch schon mal auf der höchsten Eisenbahnbrücke der Welt im Nordwesten Indiens unterwegs.

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