Porträt von Jürgen Tüffers von der Nabu-Gruppe Nettetal

Unsere Naturschützer : Naturschützer wünscht mehr Engagement der Jugend

Der Lobbericher Nabu-Chef Jürgen Tüffers bemüht sich auf vielen Ebenen um die Tier- und Pflanzenvielfalt.

Klein, unscheinbar und doch faszinierend: „Wenn man Insekten und Spinnen beobachtet, merkt man schnell, wie schön sie sind, wie beeindruckend ihre Lebensweise ist“, schwärmt Jürgen Tüffers aus Lobberich. Um Tiere, kleine wie große, und ihre Lebensräume zu schützen, engagiert er sich im Naturschutzbund Deutschland (Nabu), ist Leiter, offiziell Ansprechpartner genannt, der Nabu-Gruppe Nettetal. Dabei ist Tüffers nicht nur Funktionär, sondern packt auch mit an, „zum Beispiel bei der Brutröhren-Aktion für Steinkäuze“.

In die Natur zog es ihn immer schon: „Als Kind bin ich mit der Familie oft zum Hariksee gefahren, Tiere im und am Wasser haben mich von jeher fasziniert“, erzählt Tüffers. Da lag es nahe, dass er einen Beruf ergriff, bei dem er auch mit Natur zu tun hat: Gärtner mit dem Schwerpunkt, wen wundert es, „naturnahes Gärtnern“. Wie sowas geht, davon zeugt sein Garten in Lobberich.

Üppig die Stauden, Gräser und Gehölze, dazwischen Insektenhotel und Feuchtbiotop. Breit die Fugen zwischen den Steinplatten auf Terrasse und Weg, Moose und Pflänzchen sprießen aus den Ritzen: „Manche mögen das als Unkraut bezeichnen, aber hier in den Fugen bauen Grabwespen Höhlen für ihre Eier, legen mit einem Giftstich gelähmte Spinnen als Futter für die schlüpfenden Larven rein“, so Tüffers. Als er im Garten Blattschneiderbienen entdeckte, die ihre Nester in Löchern zwischen Steinen mit abgeschnittenen Blattstückchen auskleiden, baute er ihnen eine Trockenmauer als Wohnstätte.

Steingärten nehmen nach Ansicht Tüffers’ Tieren den Lebensraum

Mit seinem naturnahen Garten setzt Tüffers ganz bewusst einen „Gegenpol zu grauen Schottergärten“. Der 61-Jährige: „Wir alle kriegen doch die drastischen Klimaveränderungen, zum Beispiel mit extremer Trockenheit, mit, was muss denn noch passieren, dass diese Leute endlich umdenken?“ Obwohl er sich offensichtlich aufregt, redet er ruhig und sachlich, schüttelt allerdings heftig den Kopf. Wer seinen Garten oder Vorgarten zupflastere, der verschlechtere dort das Kleinklima, raube Tieren und Pflanzen Lebensräume: „Beton und Schotter tun weder dem Menschen noch der Natur gut.“

Für Natur- und Klimaschutz zu werben, das gehört zu den Aufgaben des Nettetaler Nabu-Chefs, der in seiner Freizeit „gerne Fachliteratur über Natur und Garten“ liest: „Ich tue, was ich kann, aber ich bin ja berufstätig, da hab ich nur begrenzt Zeit, darum bin ich dankbar, dass Heinz Tüffers sich weiterhin um vieles kümmert, auch ständig im Gespräch mit der Politik ist.“ Sein Namensvetter Heinz Tüffers, mit dem er nicht verwandt ist, gilt als Gründervater des Nettetaler Nabu, ist auch Mitbegründer des Naturschutzhofes, war Vorgänger von Jürgen Tüffers als Ansprechpartner des Nabu Nettetal.

Dem jetzigen Nabu-Chef kommt es vor allem darauf an, von den mehr als 1230 Nabu-Mitgliedern in Nettetal noch mehr für den aktiven Naturschutz in der Seenstadt zu motivieren – Tüffers: „Viele engagieren sich ehrenamtlich, aber es könnten noch mehr sein, vor allem jüngere Leute.“ Heranwachsende für die Natur zu interessieren und zu begeistern, ist ihm ein Herzensanliegen, weshalb er versucht, auch Jugendliche zur Brutkastenpflege für Steinkäuze hinzuzuziehen: „Wenn man dabei einem Kauz in die Augen schauen kann, das ist ein prägendes Erlebnis, so etwas möchte ich gern mehr Jugendlichen vermitteln“, sagt der Naturschützer.

Einen ganz jungen, engagierten Naturfreund hat Tüffers oft bei sich zu Hause: Seine Enkeltochter hilft ihm gern im Garten. Ihr zeigt er die Insekten und Spinnentiere, natürlich auch „die faszinierenden Blattschneiderbienen“.

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