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Debatte über die Gestaltung des Neubaugebietes "Kempener Westen"

Bauen in Kempen : Wie hoch soll’s im Westen werden?

Die Politik diskutiert, wie im Neubaugebiet im Kempener Westen gebaut werden soll. Die Geschosshöhe ist ein Knackpunkt.

Der Kempener Westen beschäftigt zurzeit die Politik. Und nicht nur die. Planungsbüro, Verkehrsgutachter, Bürgerforum, Planungswerkstatt – zum neuen Baugebiet wird bereits seit zweieinhalb Jahren diskutiert, beraten, geplant. In letzter Zeit hat die Frage, wie das Gebiet erschlossen wird und was mit dem Verkehr der neuen Anwohner passieren soll, die Debatte dominiert.

Nun werden die Überlegungen der Fraktionen im Stadtrat konkret, wie gebaut werden soll. Im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz hatten die CDU und die Grünen eigene Anträge eingebracht. Im Prinzip schienen die Fraktionen gar nicht so weit von einander weg zu sein. Streitpunkte sind die erlaubten Geschosshöhen und die genaue Verteilung von Ein- und Mehrfamilienhäusern.

CDU will 100 Wohnungen
in Mehrfamilienhäusern 

Die CDU-Fraktion hat schon konkrete Vorstellungen: je Viertel für jede Bauform. Bei rund 400 Wohneinheiten im ersten Bauabschnitt sollten es also 100 Einfamilienhäuser, 100 Doppelhäuser, 100 Reihenhäuser und 100 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sein. Die CDU wünscht sich eine Begrenzung der Geschosshöhe auf drei Ebenen plus Dachgeschoss und mehr preisgedämpften oder sozial geförderten Wohnraum. Dazu soll die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft des Kreises Viersen (GWG) ins Boot geholt werden. Eine ressourcenschonende und nachhaltige Bebauung solle unterstützt werden.

Dieser Idee der Höhenentwicklung des Baugebiets stimmt die Verwaltung zu: „Es erscheint nicht sinnvoll, am Stadtrand neue städtebauliche Maßstäbe zu schaffen.“

Die Grünen wollen dagegen etwas höher hinaus. Mindestens vier Geschosse seien notwendig, um aus dem Flächenverbrauch das Maximale herauszuholen, so Michael Rumphorst (Grüne). Nur ein Viertel der Wohnheinheiten in Mehrfamilienhäusern zu schaffen, ist Rumphorst viel zu wenig. Bei diesem „Flächenfraß“ könne seine Fraktion nicht mitgehen. Zudem beantragen die Grünen, einen „angemessenen Anteil der Baufläche als stadteigenen Grundbesitz für preisgebundene Wohnungen“ zu kaufen. Die Fraktion spricht von mindestens 200 der geplanten 1000 Wohneinheiten, die im Besitz der Stadt bleiben sollten.

Bürgerinfo zum Verkehr
und Workshop für die Politik

Stadteigenen Wohnungen würde man nicht im Wege stehen, sagte Gerd-Wilhelm Stückemann für die CDU-Fraktion. Auch der Technische Beigeordnete Marcus Beyer konnte der Idee Positives abgewinnen. Es sei eine Frage des Umfangs.

Die Förderung von sozialem Wohnungsbau könne man laut Beyer am besten mit Hilfe von Auflagen bei der Grundstücksvergabe und Verträgen mit Grundstückseigentümern erreichen.

Doch Beyer dämpfte in seiner Vorlage für die Sitzung die Erwartungen, dass es schnell losgehen könnte. Bislang habe die Stadt weder die notwendigen Flächen kaufen noch das städtebauliche Rahmenkonzept zu einem Abschluss bringen können. Dazu sind Fragen zum Verkehr – in diesem Monat soll es eine erneute Bürgerinformation geben – und zur Entwässerung nicht abschließend beantwortet. Bis ein Bebauungsplan steht und gebaut werden kann, werde noch einige Zeit vergehen.

Für konkrete Überlegungen will die Stadtverwaltung das beauftragte Stadtplanungsbüro „Pesch und Partner“ einbinden und vielleicht einen fraktionsübergreifenden Workshop anbieten. Auch die Idee der Grünen, ein ressourcenschonendes Wohnquartier zu entwickeln, solle im Workshop und zusammen mit Pesch und Partner erarbeitet werden.

Eine Absage erteilte Marcus Beyer bereits in der Einwohnerfragestunde der Idee der Bürgerinitiative Fahrradstadt Kempen, die sich dafür einsetzt, dass der Kempener Westen auto- und CO2-frei geplant wird. Dass die neuen Bewohner dort komplett aufs Auto verzichten, könne man mit den heutigen Strukturen nicht durchsetzen, so Marcus Beyer.