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Bauernkaffee der Ortsbauernschaften Kempen und St. Hubert

Kempen : Hitzesommer hat Bauern zugesetzt

Die lange Trockenheit war beim traditionellen „Bauernkaffee“ im Kolpinghaus das Gesprächsthema Nummer eins.

Mit ihren Instrumenten gab das von Georg Lange geleitete zehnköpfige Jagdhornbläsercorps „Kempener Land“ das Signal aus. Es wurde unter anderem zum Frühstück und zur Geselligkeit geblasen. Denn die Ortsbauernschaften von Kempen und St. Hubert mit ihren Verantwortlichen, Peter Josef Coenen auf der einen und Johannes Dörkes auf der anderen Seite, hatten zum traditionellen „Bauernkaffee“ ins Kolpinghaus eingeladen. Seit 1948 gibt es regelmäßig diesen Auftakt in das neue Erntejahr, der zunächst morgens und dann verstärkt in den Abendstunden stattfand und der Kontaktpflege dienen soll. Etwa 170 Gäste, darunter Vertreter von landwirtschaftlichen Organisationen, von der verarbeitenden Industrie, vom Handel oder von den Banken, kamen miteinander ins Gespräch. Mittendrin ließ es sich unter anderem die neue Vorsitzende der Kreis-Landfrauen, Gisela Wolfers, Deula-Direktor Karl Thoer oder in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, Paul-Christian Küskens, Rudolf Platen schmecken.

Die Probleme der Landwirtschaft mit der monatelangen Trockenheit, der ausgiebigen Beregnung vieler Anbauflächen waren beim Dreikönigstreffen der Ortsbauernschaften Gesprächsthema Nummer eins. Eine Bilanz des Vorjahres zog der Vorsitzende der Ortsbauernschaft St. Hubert, Johannes Dörkes. Trotz der durch die Bewässerung erhöhten Produktionskosten sprach Dörkes davon, dass man im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands noch einigermaßen glimpflich davongekommen sei. Die Auswirkungen der langen Trockenheit bekämen in diesem Jahr noch die Milchviehbetriebe zu spüren, da ihnen die Futterreserven bis zum nächsten Schnitt ausgehen würden.

Schweinehalter fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

Für die Schweinehalter sei die Zukunft, so Dörkes weiter, alles andere als rosig. Viele fühlten sich mit ihren Problemen von der Politik im Stich gelassen. Und das zu Zeiten, in denen der Verzehr von Schweinefleisch weiter zurückgehe, und der immer noch drohenden Afrikanischen Schweinepest. Er sprach auch das Thema Nitrat auf den Feldern an. Hier müsse die richtige Dosierung gefunden werden, zumal trotz aller Vorschriften und neuer Düngeverordnung der Nitratgehalt im Grundwasser erst in einiger Zeit sinken werde: „Helfen wird mit Sicherheit auch, dass die Einfuhr von organischem Dünger aus den Niederlanden nun besser kontrolliert wird“, sagte Dörkes.

Auf seinen Einwand, dass jede weitere Reduzierung des Flächenverbrauchs nicht im Sinne der Landwirtschaft sei, reagierte Kempens Bürgermeister Volker Rübo. Er bezeichnete zwar schmunzelnd das Kempener Land als einen „Garten Eden“, sagte aber auch, dass Kempen zur weiteren Stadtentwicklung Wohnraum für neue junge Familien und Baugebiete wie im Westen der Stadt unbedingt brauche. Man werde aber bei der Planung behutsam und verhältnismäßig vorgehen, sicherte der Bürgermeister zu.

Was dem Bürgermeister bei der nahezu achtmonatigen Trockenheit im vergangenen Jahr großes Sorgen bereitet: „Dass unser Bauhof beim Wässern der Bäume gar nicht nachkommen konnte und dass es sicherlich in diesem Jahr massive Schäden an den Bäumen, so an den Straßen oder auf den Friedhöfen, geben wird.“ Grundsätzlich wünschte Rübo den Landwirten, dass sie mit ihren Produkten faire Preise erzielen. Er warnte davor, dass das Gewinnstreben der Konzerne nicht weiter auf dem Rücken der Landwirte, der Erntearbeiter oder der Umwelt ausgetragen werden dürfe.

Rübo und Dörkes waren sich einig, dass durch das gerade im Bau befindliche „Haus der Landwirtschaft“ neben der Deula am Krefelder Weg ein wichtiges landwirtschaftliches Zentrum in Kempen entstehen werde, eingeschlossen das geplante Tagungszentrum mit Gästehaus, das die Deula baut.