Kempener Altstadt-Geflüster : Abschied von der „Altstadt“-Theke

Horst Kockers hat seine Kneipe an der Neustraße geschlossen – für immer. Außerdem erinnert der Altstadt-Flüsterer an die 68er im Gymnasium Thomaeum.

Die urigen Kneipen steuern ohne Frage einiges zum Flair der Kempener Altstadt bei. Nun ist es aber so, dass es mal wieder eine Kneipe weniger gibt. Denn zum Jahreswechsel hat Horst Kockers die Tür der Gaststätte „Zur Altstadt“, Neustraße 25, für immer geschlossen. Nach 15 Jahren lässt Kockers das Wirtsleben Wirtsleben sein und wechselt nun endgültig in seinen Job bei einer Speditionsfirma. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, berichtet der 53-Jährige. Zum einen freue er sich darauf, mal nicht am Wochenende hinterm Tresen stehen zu müssen. Zum anderen sei es aber eine „wunderschöne Zeit“ gewesen. Deshalb sei der Abschied von vielen Stammkunden, aus denen echte Freunde geworden seien, schwer gewesen. „Weil ich aus St. Tönis stamme, basieren meine Kempener Freundschaften eigentlich alle darauf, dass ich die ,Altstadt’ hatte“, so Kockers. Aber letztlich habe er sich mit dem Ende des Pachtvertrags dazu entschlossen, nicht mehr weiterzumachen. „Denn der Betrieb einer Kneipe ist in den letzten Jahren nicht einfacher geworden“, sagt Horst Kockers.

Zukunft soll noch offen sein

Wohl unter anderem deshalb sieht es auch danach aus, dass es an der Neustraße 25 keinen gastronomischen Betrieb mehr geben wird. Das zumindest berichtet Horst Kockers dem Flüsterer. Es habe zwar durchaus Interesse an einer Nachfolge gegeben. Der Eigentümer der Immobilie sei aber nicht an einem Fortbestand der Kneipe interessiert, berichtet der Ex-Wirt. So konkret will sich der Eigentümer, der nicht genannt werden möchte, im Gespräch mit dem Flüsterer aber noch nicht festlegen. Zunächst sei eine Sanierung des denkmalgeschützten Hauses, in dessen Obergeschoss auch Wohnungen sind, geplant. Dazu liefen derzeit Gespräche mit dem Denkmalamt der Stadt. Die Wohnungen sollen in jedem Fall erhalten bleiben. Was aus dem Gaststätten-Bereich im Erdgeschoss wird, stehe noch nicht fest.

Immer weniger Kneipen

Blicken wir noch einmal zurück in die Horst-Kockers-Ära. Denn während seiner Zeit an der Neustraße führte er auch eine zeitlang parallel mit seiner damaligen Frau die Gaststätte „Zur alten Wache“ an der Kerkener Straße 9. Nach rund drei Jahren funktionierte die Doppelbelastung aber nicht mehr. „Insgesamt war es aber eine tolle Zeit als Wirt“, so Kockers. Die letzten Tage in der Kneipe hätten ihm das bestätigt. Es gab noch einmal viele persönliche Gespräche und letztlich ein schönes privates Silvesterfest mit rund 50 Leuten. „Viele werde ich in Kempen wiedersehen“, ist sich Kockers sicher. Die Beteiligten an den Abschiedsfeierlichkeiten seien aber auch durchaus nachdenklich gewesen, weil eine weitere „klassische Eckkneipe“ ausgestorben ist. Bierchen trinken, Knobeln oder Kartenspielen – das sei an immer weniger Orten in der Altstadt möglich. So wird es ja auch in der „Alten Wache“ keine Kneipe mehr geben. Dort ist eine neue Wohnbebauung geplant.

Die 68er aus dem Thomaeum

Ganz schön stattliche Kerle waren diejenigen, die im Mai 1968 am Kempener Thomaeum das Abitur gemacht haben. Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim Blick auf das Abschlussfoto von damals. 18 Schüler der Klasse OIb legten 1968 ihr neusprachliches Abitur ab. Nun kamen zwölf Ehemalige kurz vor Weihnachten zum Klassentreffen und ließen sich von Agnes Regh, der heutigen Schulleiterin, durch das Thomaeum führen. „So manches kam den älteren Herren noch bekannt vor, der letzte Klassenraum der Oberprima im „neuen Pavillon“ (Baracke durfte man damals nicht sagen) musste allerdings vor etlichen Jahren schon dem neu erbauten Naturwissenschaftsgebäude weichen“, flüstert einer der Teilnehmer. Nach einem Erinnerungsfoto vor der alten Kastanie auf dem Schulhof ging es dann gemeinsam durch die Innenstadt von Kempen zum Kaffeetrinken und zum Abendessen ins Restaurant  „Ercklentz“. Wo man sich dann noch über die alten Zeiten und das, was jeder danach erlebt hat, austauschen konnte. Der Gast mit der weitesten Anreise kam aus Berlin, der größte Teil der Ehemaligen wohnt jedoch immer noch im Rheinland. Auf das nächste Klassentreffen wollen die Herren nicht mehr so lange warten. In fünf Jahren soll es ein Wiedersehen geben.