Alter Keller hält Überraschungen bereit

Auf der Baustelle des alten Rathauses und der ehemaligen Post laufen derzeit die Arbeiten am Fundament der beiden Gebäude.

Neviges. „Wann gehen die Arbeiten am alten Rathaus und der alten Post weiter?“, fragen sich viele Autofahrer, die über die Wilhelmstraße fahren. Passanten, die zu Fuß unterwegs sind, hören Maschinengeräusche aus dem Keller des ehemaligen Verwaltungsgebäudes. Pawel Zielinski lockert mit einem Bohrhammer den Fels unter dem Bruchsteinfundament. „Wir legen unter dem Fundament einzelne Abschnitte in einer Länge von 1,50 Meter frei, die anschließend mit Beton ausgefüllt werden. Die Verfestigung des historischen Bauuntergrundes ist die Voraussetzung dafür, dass wir eine Haus-in-Haus-Lösung umsetzen können“, sagt Polier Michael Charles.

Michael Charles, Bauleiter, über die momentanen Arbeiten

Hinter dem historischen Mauerwerk werden im Inneren neue Mauern aus Kalksandstein und Porenbeton hochgezogen, auf denen die künftigen Zwischendecken ruhen, die bestehenden Außenmauern sind später im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Fassade. „Wir können nur in kleinen Schritten vorgehen, die außerdem eng mit der Statikerin eines Ingenieurbüros abgestimmt werden“, schildert der Bauleiter das behutsame Vorgehen in dem alten Gemäuer, das für die Fachleute immer wieder Überraschungen bereithält. „An der Struktur der Steine und des Putzes kann man sehen, dass einige Außenwände ursprünglich mal Innenwände von benachbarten Bauten waren, die dann abgerissen wurden“, beschreibt Polier Werner Dunzel die Ergebnisse von zahlreichen Umbauten in den vergangenen 100 Jahren und zeigt auf die Überreste einer Wendeltreppe. „Keiner weiß, wo die mal hinführte.“

Andere Kuriositäten waren die Arrestzellen, daneben wurde im Keller ein versteckter Raum ohne jegliche Tür oder Fenster entdeckt, keiner weiß warum dieser geschaffen wurde. Ebenso staunen die Bauexperten über hölzernen Decken, deren Brandschäden aus dem Krieg unzureichend beseitigt wurden. Die Bodenbretter wurden teilweise mit Zementsäcken und alten Zeitungen abgedichtet. Gedanken machen sich die Bauleute darüber, ob überhaupt ein großer Turmkran aufgestellt werden kann. „Dafür brauchen wir Platz. Die Wilhelmstraße als Hauptverkehrsachse wird sich nicht sperren lassen. Der Innenhof geht auch nicht. „Wenn dort die Tiefgarage fertig ist, kann man den Kran nicht mehr demontieren. Bauherr André Grimmert ist indes zuversichtlich, dass trotz mancher Überraschungen und des kleinteiligen Vorgehens der Maurer die barrierefreien Mietwohnungen in zwei Jahren bezogen werden können. „Wir haben bereits eine große Liste mit Interessenten.“ Die Lücke zwischen früherer Post und Rathaus wird mit Aufzug und Treppenhaus versehen, das beide Gebäude erschließt. Die frühere Post, die als nächstes angegangen wird, erhält ein neues Dach, das Platz für zwei Maisonettewohnungen bietet. „Das ist alles mit dem Denkmalschutz abgesprochen“, versichert der Velberter Bauunternehmer. Er geht davon aus, dass die Belastung eines Kellers an Elberfelder Straße mit viel Wasser verschwindet, wenn der Innenhof mit Tiefgarage und Boardinghouse geschlossen wird. „Dann kann hier nichts mehr versickern.“