Wettkampf wirbt für Berufsausbildung

Politiker und Wirtschaftsleute traten bei der Spedition Battefeld im Rahmen der „Azubi-Challenge“ in Theorie und Praxis gegeneinander an.

Wülfrath. Als Laie ohne Vorkenntnisse einen Gabelstapler zu bedienen, klappt besser als man denkt. Bewiesen haben das jetzt sechs Teilnehmer bei der „Azubi-Challenge“. Dieser von der Industrie- und Handelskammer (IHK) ins Leben gerufene spielerische Wettbewerb fand im Wülfrather Gewerbegebiet Dieselstraße statt, auf dem Firmengelände der Spedition Battefeld. „Gemeinsam mit der IHK möchten wir die Möglichkeiten und die Chancen von Berufsausbildungen aufzeigen“, erläuterte der Geschäftsführer der Spedition, Dirk Battefeld.

Aktuell seien im Kreis Mettmann etwa 900 Lehrstellen unbesetzt. „Angesichts des Bildungskanons, der immer mehr jungen Menschen ein Studium schmackhaft macht, kommt die Rolle der klassischen Berufsausbildung leider zu kurz“, kritisierte er.

Die in Wülfrath ausgerichtete Azubi-Challenge bewarb die Ausbildungen zum Lastkraftwagenfahrer sowie Speditionskaufmann. Sechs Vertreter aus Politik und Wirtschaft bildeten zwei Teams. Es sollte herausgefunden werden, wer die Ausbildungsinhalte der zwei Berufe schneller erfassen und umsetzen kann. Dem Team „Politik“ gehörten Elisabeth Müller-Witt (SPD) und Martin Sträßer (CDU), beide Abgeordnete im NRW-Landtag, sowie Stefan Merrath (FDP) vom Wülfrather Stadtrat an. Sie traten gegen das Team „Wirtschaft“ an, bestehend aus Julia Niederdrenk (IHK-Vizepräsidentin), Hans Werner Fritze (Kreissparkasse Düsseldorf) und Mike Richter von den Wirtschaftsjunioren Niederberg.

Die erste Challenge — Herausforderung — betraf geografisches Grundwissen, ein absolutes Muss für Lastkraftwagenfahrer. Zwei Postleitzahlkarten standen bereit. Die Teams hatten die Aufgabe, auf Zuruf des Spielleiters mit Stecknadeln Städte zu markieren. Hier gewann das Team „Wirtschaft“ — die Politiker hingen 0:1 zurück.

Die nächste Challenge betraf das, worauf sich Teilnehmer und Organisatoren zweifellos am meisten gefreut hatten: das Gabelstaplerfahren. Ziel war es, einen Stapel Europaletten Stück für Stück vom hinteren Ende eines Parcours nach vorne zu verfrachten. Jedes Mal, wenn eine Palette abgeliefert wurde, sprang ein anderes Teammitglied auf den Sitz des Fahrzeugs.

Dirk Battefeld, Geschäftsführer der Spedition Battefeld

Innerhalb des vorgegebenen Zeitraums brachte das Team „Wirtschaft“ sechs Paletten zum Zielpunkt, die „Politik“ nur fünf — 2:0 für die Wirtschaftsvertreter. Julia Niederdrenk stieg mit einem breiten Lächeln vom Fahrersitz: „Das hat Spaß gemacht.“ Das Fahrgefühl sei „schwerfällig beim Gas geben“ und „sehr wendig in den Kurven“. Mit der Bedienung der Gabel hatte sie zuerst Probleme. Auch Hans Werner Fritze hatte Spaß: „Wie Autoscooter auf der Kirmes.“

Die dritte und letzte Challenge war ein Quiz. Neben Fragen wie „Wie viele Einwohner hat Wülfrath?“ ging es etwa um „Wie hoch ist der Frauenanteil unter Berufskraftfahrern?“ Die Politiker gewannen, doch reichte dieser eine Punkt nicht für den Gesamtsieg. Team „Wirtschaft“ erhielt von der Spedition Battefeld und der IHK somit einen glänzend-silbernen Pokal. Die Verlierer strahlten dennoch über das ganze Gesicht, besonders Elisabeth Müller-Witt: „Ich habe einen interessanten Einblick in das Speditionsgewerbe bekommen“, sagte die SPD-Politikerin: „Ein sehr schöner Ansatz, um im praktischen Sinne Politik und Wirtschaft zusammenzubringen.“ Vor Menschen, die tagtäglich Gabelstapler fahren und all die Hebel und vielen Knöpfe zu bedienen wissen, hat die Politikerin großen Respekt gewonnen.