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Mettmann: Was hat der Weihnachtsklaus mit Pupsschleim zu tun?

Mettmann : „Weihnachtsklaus“ hört Wünsche

Auf dem Mettmanner Blotschenmarkt waren die ehrenamtlichen Helfer bei Kindern sehr gefragt.

Als sich das erste Kind von Reinhard Kaufmann „Pupsschleim“ wünschte, da musste er erst einmal nachdenken. Was bitteschön ist Pupsschleim? Der ist in diesem Jahr bei den Kindern total angesagt. Eine glibbrige Knete in Neonfarben, die Pups-Geräusche von sich gibt, wenn sie ihre Finger hineinstecken. Reinhard Kaufmann, der sich erst einmal erkundigen musste, was das denn ist, wirkt noch immer befremdet. „Wie kann man mit Schleim spielen?“, fragt der 59-Jährige. „Wir haben früher mit Ritterburgen gespielt“, fügt er noch nachdenklich hinzu. Aber was soll’s. Reinhard Kaufmann ist schließlich der „Weihnachtsklaus“. Und als solcher hat er die Wunschzettel der Kinder für Heiligabend möglichst wertungsfrei entgegenzunehmen. Dank seines Einsatzes bleibt wohl auch der Wunsch nach Pupsschleim nicht ungehört: Ein kurzes Nicken in Richtung Eltern reichte, und irgendeines der Mettmanner Kinder wird an Heiligabend wahrscheinlich eine Dose mit Pupsschleim unterm Weihnachtsbaum finden. Was tut man nicht alles.

Reinhard Kaufmann war einer von in diesem Jahr sieben „Weihnachtskläusen“, die auf dem Mettmanner Blotschenmarkt ihren Dienst versahen. Am ersten Adventswochenende war er dran, bis zur Unkenntlichkeit in rote Robe und Bart verkleidet. Kaufmann muss schmunzeln, wenn er daran denkt, dass ihn selbst Bekannte und Nachbarn darin nicht vermuteten. Hauptberuflich ist er Redakteur und Medienberater bei der Gewerkschaft der Polizei. Aber seit zwölf Jahren setzt er sich während des Blotschenmarktes auch ins Häuschen des Weihnachtsmanns und wartet auf seine kleinen Besucher. Dabei wird er flankiert von zwei Engeln, die den Kindern schon mal Äpfel zustecken. „Weihnachtsklaus“, diese Bezeichnung hat sich bei den Blotschenmarkt-Helfern so eingebürgert, nachdem man sich nicht auf eine der beiden Bezeichnungen „Weihnachtsmann“ oder „Nikolaus“ einigen konnte, erzählt Kaufmann. Schließlich ist die Anleihe vom „echten“ Heiligen Nikolaus nur gering, es geht ja irgendwie mehr um Spaß.

Sieben „Weihnachtskläuse“ gab es diese Jahr. Einer davon ist Reinhard Kaufmann. Foto: Privat

Doch Reinhard Kaufmann pflegt den Ausgleich: Als Nikolaus ist er auch an der Katholischen Grundschule Neanderstraße unterwegs – und wirkt dann eher ehrwürdig, mit Bischofsstab und Mitra, der für Bischöfe üblichen
Kopfbedeckung.

Innerhalb von zwei Stunden kamen 67 Kinder vorbei

Aber zurück zum Blotschenmarkt. Die Weihnachtskläuse sind zunehmend beliebt, berichtete der Sprecher des Organisationsteams, Florian Peters. Und das kann auch Reinhard Kaufmann bestätigen: An seinem ersten Einsatztag, einem Samstag, kamen innerhalb von zwei Stunden 67 Kinder. Am zweiten, einem Sonntag, immerhin noch 54. „Das geht in einem durch bis zur letzten Minute“, erzählt er.

Doch für jeden einzelnen seiner kleinen Besucher nimmt sich der Mettmanner Zeit. Kaufmann hat selbst zwei Töchter, heute im Alter von 18 und 15 Jahren. Er weiß also, wie man auf Kinder eingeht. „Das macht unendlich viel Spaß, wenn man den Kindern in die Augen schaut“, erzählt er. Manche kommen eher ängstlich in die Hütte, dicht an Vater oder Mutter gedrängt. „Wenn man diesen Kindern die Angst nehmen kann, ist das ein großes Geschenk.“ Dann zählen die Kinder ihre Wünsche auf, und der Weihnachtsklaus hört zu. „Vor fünf Jahren hat sich jedes Kind noch Elektronik gewünscht“, erzählt er. Smartphones, Notebooks oder Playstations. „In diesem Jahr waren es nur ein einziges Handy und ein Nintendo. Der Rest waren Playmobil, Carrera und Lego.“

Bei den Mädchen ist nach wie vor die Eiskönigin „in“. Die Namen „Anna“ und „Elsa“ hat Kaufmann -zig mal gehört, lachend winkt er ab. Manche wünschen sich auch lebende Tiere, „aber dann erkläre ich den Kindern, dass die nicht vom Weihnachtsmann kommen, denn für die ist es viel zu anstrengend, mit ihm auf die Reise zu gehen. Ich rate den Kindern, das besprichst du lieber mit Mama und Papa.“ Nicht immer kommen die Kinder mit leeren Händen. „Ein kleiner Junge gab mir ein Tütchen, da waren zwei Kekse drin, die er mit seiner Mutter gebacken hat“, erzählt Kaufmann. Über Geschenke freut sich eben auch ein Weihnachtsklaus.

Reinhard Kaufmann hört aber auch Geschichten, die ihn sehr bewegen. Viel möchte er nicht davon berichten. Diskretion ist ihm wichtig. Kinder, deren Eltern sich keine Geschenke leisten können. Kinder, deren Eltern ständig streiten oder deren Wünsche den Eltern egal sind.

„Ich verstehe mich nicht als jemand, der Geschenke verteilt“, sagt Kaufmann. Er verschenkt vielmehr Zeit und ein offenes Ohr. Jetzt hofft er, dass sich viele Wünsche dieser Kinder an Heiligabend erfüllen.

(arue)