Starkregen: Langenfelder sind besorgt

Rund 400 Bürger kamen jetzt in die Schützenhalle Richrath, um sich über die ungewöhnlichen Regengüsse am 1. und 10. Juni dieses Jahres auszutauschen.

Langenfeld. Die Schützenhalle platzte am Montagabend aus allen Nähten, die Sitzplätze reichten nicht. Mehr als 400 Besucher folgten der Einladung der Bürgergemeinschaft Langenfeld (B/G/L) zur Informationsveranstaltung „Starkregen“. Nach den ungewöhnlich starken Regenfällen in Langenfeld am 1. und 10. Juni, die 250 Feuerwehreinsätze erforderten und an 400 Stationen 120 Tonnen Sperrmüll verursachten, waren — wie aus Gesprächen hervorging — viele Betroffene gekommen.

Foto: Martin Mönikes

In zwei praxisorientierten Fachvorträgen erfuhren die Zuhörer, ob und wie man die Risiken von Starkregen und Hochwasser generell verringern, seine eigene Immobilie wirksam schützen und sich gegen den Restrisiken ausreichend versichern kann. Aus den ursprünglich geplanten 90 Minuten wurden interessante drei Stunden.

In der Begrüßung bedauerte der BGL-Fraktionsvorsitzende Gerold Wenzel, dass keine Vertreter der Verwaltung und der Feuerwehr der Einladung gefolgten seien. Er dankte den Rettungskräften für ihren enormen Einsatz in den letzten Wochen. Wenzel machte deutlich, dass die BGL das Thema „Starkregen und Hochwasser“ bereits seit 2002 verfolge. 2005 habe der Fachausschuss Nachfragen an die Verwaltung verwehrt, 2014 wurden entsprechende BGL-Fachaufsichtsbeschwerden gegen Bebauungspläne abgelehnt. Erst der aktuelle BGL-Antrag auf Sofortmaßnahmen nach den Juni-Ereignissen sei von der Ratsmehrheit beschlossen worden.

Diplom-Ingenieur Matthias Ufer vom BUND erläuterte Ursachen (mehr warme Luft speichert mehr Regenwasser) und Lösungsansätze bei Starkregen. Die am 10. Juni gemessenen 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in einer Stunde sei für die Meteorologen ein sogenanntes „100-jähriges Ereignis“, für das die kommunale Kanalisation mit Grenzwerten um 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter nicht ausgelegt sei. Ufer nannte technische, topographische und wirtschaftliche Gründe, warum eine umfassende größere Dimensionierung der (überforderten) Kanalisation keinen Sinn macht. Notwendig sei allerdings die Optimierung von Engpässen. Vorbeugend gelte es vielmehr, Versickerungsflächen zu erhalten und neue Rückhalteflächen schaffen.

„Dabei ist jeder einzelne zum Umdenken aufgefordert“, so Ufer und nannte Beispiele: Pflasterungen sollten regendurchlässig sein, und auch die Unkrautfolie im Garten erschwert das Versickern von Regenwasser. „Die Risiken bleiben“, ist Ufer sicher. Für jedes Gebäude sei eine konkret Gefährdungsanalyse notwendig. Wo sind die kritischen Öffnungen, Stichwort: Tiefgaragen. Fatma Öksüz, Leitung des Projekts Haus- und Grundstücksentwässerung der Verbraucherzentrale NRW beschrieb zunächst die Risiken, wenn wegen fehlender Sicherungen das Wasser aus den Abwasserrohren ins Gebäude dringt. „Für alle Schäden durch Rückstau haften Grundstückseigentümer selbst!“ Technisch verständlich nannte die Juristin die Schwachstellen, die möglichen Installation von Schutzventilen und die Notwendigkeit, diese Technik dauerhaft qualifiziert warten zu lassen. Abschließend gab sie einen Überblick über die Möglichkeiten, die wirtschaftlichen Risiken durch eine Elementarversicherung zu reduzieren. Info: Viele weiteren Informationen gibt es im Netz; beispielhaft „HochwasserKompetenzCentrum“ (HKC). Die am Abend vergriffene Broschüre der Verbraucherberatung ist auch bei der Geschäftsstelle am Rathaus erhältlich. Eine kostenlose Beratung zu Themen der Grundstücksentwässerung erhalten Interessierte unter Telefon 0211/3809 300.

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