Wie Zauberer Dan Berlin seine Tricks versteckt

Magischer Moment : Die Trickkiste des Zauberers Dan Berlin

Der Hildener (34) lebt seit Jahren von seinem Beruf als Profi-Magier – und verblüfft Gäste.

Das haben wir uns doch gleich gedacht: Wer ein echter Zauberer sein will, der trägt kein Sakko mit lediglich zwei Innentaschen. Dan Berlin hat derer gleich sechs – man kann sich also ungefähr vorstellen, wo er seine Requisiten verschwinden lässt oder eben wahlweise hervorholt.

Der 34-jährige Hildener ist Profi-Zauberer und in dieser Eigenschaft zu Besuch gekommen, um einem kleinen, aber besonders kritischen Publikum – allesamt interessierte Laien – die Chance zu geben, herauszufinden, wo sich die Verstecke seiner magischen Utensilien befinden Es muss ja nicht gleich das weiße Kaninchen sein.

Aber auf das Sakko geben wir nun besonders acht. Bereits wenige Minuten später steht fest: Wir hätten auch auf das Display des Telefons oder einfach aus dem Fenster gucken können und hätten ebenso viel über die Tricks von Dan Berlin herausgefunden, wie auf dem Beobachtungsposten.

Nämlich nichts. Der Zauberer ist viel zu schnell und zu fingerfertig, als dass es auch nur die geringste Chance gäbe, ihm auf die Schliche zu kommen.

„Ein enorm wichtiger Punkt ist die Ablenkung“, verrät der Profi, der mit dem gewinnenden Charme eines Schwiegermuttertyps Kunststück auf Kunststück hervorzaubert. Eine Spielkarte, die einer der Zuschauer mit seinem Namen und seiner Kontonummer versehen und zurück in den Stapel gesteckt hat, taucht plötzlich in der Hülle seines Mobiltelefons wieder auf.

Nicht einmal davon, dass sein Publikum direkt um ihn herum sitzt und ihm quasi auf die Finger schaut, lässt sich Dan Berlin beeindrucken. „Ich hatte das beste Training, das es gibt“, sagt der Hildener: „Ich habe für die Gäste eines Restaurants am Tisch gezaubert, während sie auf ihr Essen gewartet haben. Näher kannst du deinem Publikum nicht kommen.“

Riesenpaß habe das gemacht – und der Koch sei selbstverständlich sein bester Freund geworden: „Der konnte sich entsprechend mehr Zeit lassen, seine Gäste waren ja abgelenkt.“

In der Schule war der große Magier eher ein Außenseiter

Die Geschichte Dan Berlins hält einige solcher Überraschungen bereit: Nach der Schule ging der Hildener zwei Jahre lang auf Weltreise, wollte raus aus den Alltags-Zwängen. „Ich war nie besonders selbstbewusst, in der Schule eigentlich sogar eher der Außenseiter“, erinnert er sich. Selbstvertrauen habe er erst durch den Kontakt mit der Zauberei entwickelt.

„In Australien habe ich mich zum ersten Mal getraut, mit meinen Tricks aufzutreten“, sagt Dan Berlin. Auf der Straße sei das gewesen – und so gut gelaufen, dass er gleich mehrere Monate damit verbracht habe.

Zurück in Deutschland begann der Hildener sofort, Netzwerke zu knüpfen oder eben auch auf Netzwerk-Events von Plattformen wie Xing aufzutreten. Mittlerweile ist er bestens im Geschäft, aber immer noch auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, seine Kunst anzuwenden.

Der nächste Schritt steht auch schon fest: „Ich will als Coach jungen Leuten Selbstvertrauen vermitteln – Magie kann für sie genauso entscheidend werden, wie für mich“, kündigt er an.

Große Illusions-Shows, wie sie beispielsweise die Ehrlich Brothers vollführen, sind seine Sache dagegen nicht: „Vor den Tricks ziehe ich meinen Hut“, lobt Dan Berlin, aber der Glamour drumherum und der Comedy-hafte Umgang mit Assistenten und Zuschauern gefalle ihm nicht so sehr.

Auf die Frage, womit er sein Publikum denn beeindrucke, antwortet er spontan, während er ein Portmonee aus der Tasche zieht: „mit meinem Geld“. Dann klappt er die Börse auf, und eine Flamme schießt nach oben. Das Feuerchen prasselt so lange, bis er das Portmonee wieder zuklappt. Den Trick wiederholt Dan Berlin mehrmals auf Anfrage und immer wieder lodert das Feuer – bis einem der Teilnehmer auffällt, dass der Zauberer direkt unter dem Feuermelder steht.

35 Minuten sind vergangen – und keinem ist gelungen, einen Trick zu durchschauen.„Vielleicht klappt es ja, wenn ihr eine meiner Shows besucht“, muntert der Hildener auf: „Ruft mich an. Ach, jetzt habe ich dummerweise keine Visitenkarten dabei.“

Spricht’s – und schon fängt sein Handy an, Druckergeräusche von sich zu geben. Am Ende zieht Dan Berlin eine Visitenkarte scheinbar mitten aus dem Apparat heraus. Und die Zuschauer schwören insgeheim, es nie mehr mit einem echten Zauberer aufzunehmen.

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