Stadt sieht kaum Potenzial Wenig Chancen auf Schulstraßen in Hilden

Hilden · Die Verwaltung hat die einzelnen Schulstandorte bewertet und geschaut, ob dort die Einrichtung einer Schulstraße infrage kommt. Mit einem eindeutigen Ergebnis: Die Politik möchte Ergebnisse aus Düsseldorfer Pilotprojekten abwarten. Die Stadt Bonn berichtet von durchweg positiven Ergebnissen.

 An der Grundschule am Elbsee herrscht morgens teilweise Chaos, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

An der Grundschule am Elbsee herrscht morgens teilweise Chaos, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Ob in Hilden Schulstraßen eingerichtet werden oder nicht, steht noch in den Sternen. Ein entsprechender SPD-Antrag wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vertagt. Denn die Nachbarstadt Düsseldorf hat Pilotprojekte angestoßen, deren Ergebnisse die Hildener Kommunalpolitik erst einmal abwarten möchte. Eine Bewertung der Hildener Standorte kommt aber schon jetzt zu einem eindeutigen Ergebnis.

Mit Absperrbake und Hinweisschild „Anlieger frei“ wird morgens vor Schulbeginn der Paul-Gerhardt-Schule in der Neustraße in Bonn die Schulstraße eingerichtet.

Mit Absperrbake und Hinweisschild „Anlieger frei“ wird morgens vor Schulbeginn der Paul-Gerhardt-Schule in der Neustraße in Bonn die Schulstraße eingerichtet.

Foto: Sascha Engst/Bundesstadt Bonn

Doch von Anfang an: Grundsätzlich dürfen die Kommunen in Nordrhein-Westfalen seit einigen Monaten die Straßen im näheren Umkreis einer Schule zeitweise für den Autoverkehr sperren, um Kinder und Jugendliche vor Unfällen zu schützen und um zu verhindern, dass massenhaft Eltern ihren Nachwuchs mit dem Auto bis direkt vors Schultor bringen. Diese Möglichkeit sieht ein neuer Erlass des Landesumwelt- und Verkehrsministeriums vor. Ausgenommen davon sind jedoch Bundes-, Landes-, und Kreisstraßen, erklärt die Verwaltung.

Seit dem Wegfall der Schulbezirke 2008 hat sich das Elterntaxi-Problem in Hilden verschärft. Für viele Kinder ist dadurch der Schulweg länger geworden, weil sie nicht mehr zu der Schule gehen, die am nächsten liegt, sondern die sich ihre Eltern ausgesucht haben. „Die bringenden Eltern gefährden nicht nur ihre eigenen Kinder, die teilweise im fließenden Verkehr schnell rausgelassen werden, sondern auch deren Mitschülerinnen und Mitschüler; das heißt, sie bringen andere Kinder insbesondere in der dunklen Jahreszeit und bei Regen zusätzlich in Gefahr, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen und dort zwischen die Autos geraten“, erklärt die Stadt.

Die Stadt hat bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um dem Problem Herr zu werden. „So wurden Schulwegpläne und auch der sogenannte Walkingbus getestet. Letztlich haben sich diese Anläufe nicht durchgesetzt oder die Wirksamkeit wurde von geänderten Rahmenbedingungen negiert“, heißt es. Die relativ junge Aktion „Bye, bye Elterntaxi“ sei zwar sehr erfolgreich gewesen. „Allerdings konnte der Autoverkehr im Umfeld der beteiligten Schulen nicht nachhaltig reduziert werden, sodass der Ursprungszustand kurzfristig zurückkehrte.“ Darüber hinaus gebe es weitere Maßnahmen: Tempo 30 auf Straßen im Umfeld von Schulen, Teilnahme an kreisweise Kampagnen zur Sensibilisierung für allgemeine Verkehrssicherheit, Schulbushaltestellen im Nahbereich der Schulen sowie Elternhaltestellen im Nahbereich der Schulen zum Beispiel an der Gerresheimer Straße und am Kalstert.

Im Zuge der neuen Schulstraßen-Möglichkeit hat die Stadt die Umfelder der Hildener Schulen bewertet. Allerdings nur „grob“, wie es ausdrücklich heißt. Die Dokumentation der Bewertung erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein paar Beispiele: Für die Grundschule am Elbsee kommt die Stadt zu folgendem Ergebnis: „Keine zusätzliche Sperrung der Straße sinnvoll, da Straße an einer Sackgasse. Gute Möglichkeiten, die Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Wer morgens einmal am Schalbruch vorbeikommt, erlebt teilweise Chaos: Stau auf den Zuwegen, genervte Eltern, die auf der engen Straße auf den Gegenverkehr warten müssen, Kinder, die auf ihrem Weg zur Schule auch mal unvorsichtig die Straße überqueren oder langsamere Schüler über die Fahrbahn überholen.

Am Schulzentrum an der Gerresheimer Straße sei keine Sperrung möglich, „da die Straße eine Hauptverkehrsstraße und wichtige Nord-Süd-Verbindung ist“. Weitere Kriterien, die laut Stadt dagegen sprechen: „Busverkehr der Rheinbahn. Gute Möglichkeiten, die Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Wilhelm-Hüls-Schule, Augustastraße: „Keine Sperrung möglich, da Fahrradstraße. Gute Möglichkeiten, die Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Grundschulverbund Schulstraße: „Keine Sperrung möglich, da Anliegerstraße. Gute Möglichkeiten, die Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen.“ Auf diese Weise werden alle Schulstandorte abgehandelt – lediglich beim Förderzentrum Mitte an der Lortzingstraße kommt die Verwaltung zu dem Schluss: „Sperrung der Straße grundsätzlich möglich – zwischen Mozartstraße und Lortzingstraße.“ Die Stadt erklärt: „Zusammenfassend bleibt nach dieser groben Bewertung zunächst festzuhalten, dass das Instrument Schulstraße zur Erhöhung der Schulwegsicherheit sehr wahrscheinlich den erwarteten Zusatznutzen nicht bringen wird beziehungsweise für das Hildener Stadtgebiet ungeeignet ist.“ Trotzdem wolle man die Erfahrungen der Düsseldorfer Kollegen abwarten und die Situation dann neu einordnen.

Es gibt aber bereits andere Städte, die Schulstraßen eingerichtet haben. Seit Ende September 2023 beispielsweise Bonn. Mittlerweile werden dort vor mehreren Schulen zeitweise Straßen gesperrt. „Dabei wird vonseiten der jeweiligen Schule mithilfe engagierter Eltern und Lehrkräfte in der Zufahrtstraße mittels mobiler Absperrbaken nur noch berechtigter Verkehr zugelassen. So wird das Verkehrsaufkommen vor der Schule deutlich reduziert“, erklärte ein Stadtsprecher. Die Ergebnisse seien eindeutig: „Die Erfahrungen an den drei Schulen Marktschule, Grundschule Om Berg und Gottfried-Kinkel-Schule, die bereits Schulstraßen eingerichtet haben, sind durchweg positiv. Das zeigt, dass wir hier den richtigen Hebel ansetzen“, erklärte Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne).

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