Kulturfabrik: Magie ohne Effekthascherei

Magie : Magie ohne Effekthascherei

Drei Künstler begeistern das Krefelder Publikum mit Zauberei in der Kulturfabrik.

Keine Nebel wallen über die Bühne der Kulturfabrik, weder aalglatte Zauberkünstler noch Illusionisten mit Starallüren sind am Werk – und dennoch zündet die Show der Magier 2.0, die vom Publikum mit viel Beifall bedacht wird. Das liegt an den angenehm uneitlen aber überzeugenden Darstellern, die derzeit mit ihrer zweiten Show durch Deutschland touren, und an ihrem abwechslungsreichen Programm, das einer Achterbahnfahrt magischer Unterhaltung gleichkommt. Dafür sorgen Moderator Christopher Köhler („Der Lustige“), Sam Cole („Der verrückte Charmeur“), Lars Ruth („Der Seher“) und Swann („Der Maskierte“). Die überraschende Aufklärung kommt erst am Schluss, als Swann die Maske lüftet und sich als Sam Cole in einer Doppelrolle outet.

Der Rheinländer und Moderator Christopher Köhler ist der Gründer der magischen Gruppe, der frech erste Improvisationen mit dem Publikum aufführt. Sein Versprechen, dass niemand auf der Bühne vorgeführt wird, hält er ebenso wie seine Kollegen strikt ein. Im Gegenteil — er macht die Helfer aus den Zuschauerreihen selbst zu den Stars der Show. Die baut auf dem Prinzip des Mitmacheffekts auf.

Lars Ruth übernimmt die Rolle des Mentalisten auf der Bühne

Der TV-geübte Moderator sorgt mit spaßigen Tricks zu Beginn des Programms und nach der Pause für das nötige Warm-up. Sam Cole im knallgelben Frack mit Hut swingt und tanzt zaubernd über die Bühne. Er, der angeblich durch einen Unfall in einer radioaktiven Magnetfabrik in Chicago den Verstand verlor, soll dadurch aber magische Kräfte entwickelt haben. Spielerisch leicht lässt er Kugeln hinter Tüchern verschwinden und wiederauftauchen. Dann zaubert er aus einer vermeintlich leeren Tüte zum Staunen der jungen Helferin aus dem Publikum Blumengestecke hervor. Verblüffend sein magischer Zeichenblock, auf den er ein Gesicht aufmalt, das mit den Augen rollt und die Lippen bewegt.

Lars Ruth führt in die Welt des Übersinnlichen — eine Expedition ins Reich der Wahrsager und Visionäre, der Hypnotiseure und Traumdeuter. Ein Mentalist wie einst Uri Geller, der mit seinen Tricks Menschen in die Irre führt. Ein ums andere Mal verblüfft er mit seinen Experimenten. So liest er in den Gedanken seiner Probanden, die sich geometrische Formen, Land und Hauptstadt sowie eine Bankverbindung vorstellen sollten. Die Treffer Island und Reykjavik wie auch die Bankverbindung sind für viele Zuschauer unfassbar und in der Pause Anlass für lebhafte Diskussionen. Sophie aus St. Hubert soll sich Zahlen ausdenken, die „Der Seher“ richtig wiedergiebt und angeblich an ihrer Körperhaltung ablesen kann.

Der maskierte stumme Swann schafft es, seinen jungen Helfer völlig entgeistert zurückzulassen. Der Illusionist lässt ihn zunächst feststellen, dass eine Glasscheibe fest und unversehrt ist, um dann die Hand des Jungen durch die Scheibe zu führen. Rätselhaft für das Publikum ebenso, wie ein Feuerstab freischwingend durch die Luft schwebt. Der Kölner Illusionist würzt seinen Auftritt mit einer Verschmelzung verschiedener künstlerischer Elemente aus Musik und Schauspiel, Licht und Tanz, mit denen er sein Publikum schon seit 20 Jahren auf der ganzen Welt begeistert.

Alle Akteure verfügen über reichlich professionelle Erfahrung, auch wenn sie als Gruppe erst auf ihrer zweiten Tour gemeinsam auftreten. Die fast spartanische Bühnenausstattung stört keineswegs. Im Gegenteil – sie lenkt nicht, wie in dieser Branche üblich, durch Effekthascherei von den spannenden Aktionen ab. Schade nur, dass der noch nicht so hohe Bekanntheitsgrad nur 150 Zuschauer in die Kufa lockte. Aber das sollte sich bald ändern.

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