Warum so viele Sozialwohnungen fehlen

Hilden/Haan : Wie der Mangel an Sozialwohnungen entsteht

In den Kreisstädten geht die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen seit Jahren zurück.

5,75 Euro kalt verlangt die Wohnungsbaugesellschaft Hilden (WGH) für eine öffentlich geförderte Neubauwohnung in Hilden. Davon können Mieter auf dem freien Wohnungsmarkt nur träumen. In allen kreisangehörigen Städten gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Warum ist das so? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wie viele Sozialwohnungen
gibt es im Kreis Mettmann?

Ende 2018 waren es 15 104 Sozialwohnungen, 199 weniger als ein Jahr zuvor. In Hilden sank ihre Zahl um 81 auf 1170, in Haan blieb sie unverändert bei 1071. In den vergangenen Jahren hat sich der Bestand jährlich um etwa 340 Sozialwohnungen im Kreis verringert (durchschnittlich 2,25 Prozent), 2018 nur um 1,32 Prozent. Damit sei der negative Trend zwar gebremst, aber nicht kompensiert, stellt die Kreisverwaltung fest.

Wie sieht der Blick
in die Zukunft aus?

Die NRW Bank hat eine Modellrechnung angestellt. Danach stehen im Kreis bis Ende 2030 noch 10 480 öffentlich geförderte Wohnungen zur Verfügung. Das sind fast ein Drittel (minus 30 Prozent) weniger als heute. In Hilden wird sich der Bestand nach der Prognose um fast die Hälfte (minus 47,9 Prozent) auf 61 Wohnungen verringern, in Haan um 27 Prozent auf 780.

Warum sinkt die Zahl öffentlich geförderter Wohnungen?

Viele Eigentümer, die bis 2001 gefördert wurden, zahlen die Fördermittel vorzeitig zurück, berichtet die Kreisverwaltung im Kreissozialausschuss. Das ist lukrativer, als Erspartes für Minizinsen auf die Bank zu legen. Die vorzeitige Rückzahlung löse zwar in der Regel eine zehnjährige Nachwirkungsfrist aus, in der der Status „geförderte Mietwohnung“ erhalten bleibt. Das schreckt die Eigentümer aber offensichtlich nicht ab. Ende 2018 befanden sich im Kreis 3933 Sozialwohnungen in der Nachwirkungsfrist, 215 mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht gut einem Viertel (26 Prozent) des gesamten geförderten Bestandes.

Wie ist die Nachfrage
nach Sozialwohnungen?

2166 Haushalte suchten Ende 2018 nach einer öffentlich geförderten Wohnung im Kreis, 77 mehr als ein Jahr zuvor. Dafür braucht man einen Wohnberechtigungsschein Die meiste Nachfrage gab es in Hilden (359 Parteien, 40 mehr als ein Jahr zuvor). Haan verzeichnete mit 133 Wohnungssuchenden den größten Zuwachs (plus 77) gegenüber 2017. In Hilden machen die Sozialwohnungssuchenden 30,7 Prozent des Bestandes aus. Das ist nach Monheim (44,5 Prozent) der zweithöchste Wert im Kreis. Die Situation und die sich Entwicklung entsprächen im Wesentlichen den Verhältnissen in ganz NRW, so die Kreisverwaltung.

Wie fördert der Kreis Sozialwohnungen?

2018 hat der Kreis Mettmann den Neubau von 53 Mietwohnungen in Heiligenhaus und Langenfeld mit Darlehen in Höhe von 6,7 Millionen Euro gefördert. Auffallend ist: In 50 Fällen wurde Familien der Bau oder Kauf von neuen oder gebrauchten Eigenheimen oder Eigentumswohnungen mit sieben Millionen Euro gefördert. Dafür gelten bestimmte Einkommensgrenzen. Insgesamt hat der Kreis Mettmann im vergangenen Jahr 15,7 Millionen Euro für die Wohnraumförderung bewilligt.

Wie sieht es für 2019 aus?

Bislang wurden Anträge für 50 Mietwohnungen gestellt, darunter zwölf in Hilden. Anfragen für weitere 116 Mietwohnungen in Hilden, Erkrath, Langenfeld und Monheim liegen vor. Der Kreis geht davon aus, dass sie positiv beschieden werden. Das Förderprogramm mit günstigen Konditionen sei bis 2022 verlängert worden. Deshalb gebe es ein reges Interesse bei Investoren, preisgebundene Mietwohnungen zu bauen. Allerdings sei Bauland in vielen Kommunen knapp und die Bauwirtschaft ausgelastet. Beides werde sich so bald nicht ändern.

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