Haaner rast im Regen zum Meistertitel

Haan : Haaner holt Titel mit Modellauto

Robert Franicevic ist neuer Deutscher Meister im Rennen der Miniaturautos (Maßstab 1:5).

Ein nasskaltes Wochenende im September in Bad Breisig: Dort, wo normalerweise Kurgäste in den Römer-Thermen planschen – ein Wellness-Bad mit Saunalandschaft und römischem Ambiente – sind diesmal Ohrstöpsel gefragt. Der Motorsportclub MCC Rhein-Ahr hat zur deutschen Tourenwagen-Meisterschaft in der Kategorie Modellautos im Maßstab 1:5 eingeladen. Ein besonderes Event in der Szene.

Aus ganz Deutschland sind Teilnehmer gekommen – allein in der Standardklasse starten 48 von ihnen. Darunter befindet sich auch ein Haaner: Der 45-jährige Robert Franicevic, im Beruf Angestellter eines Hildener Raumausstattungs-Unternehmens, hat bei verschiedenen regionalen Rennen in den vergangenen Jahren Erfahrungen sammeln dürfen. Dennoch ist ihm nach eigener Aussage vor dem Wettbewerb völlig klar: „Du bist hier krasser
Außenseiter.“

Franicevic schätzt den Zusammenhalt im Fahrerlager

Franicevic ist ein „Hobby-Pilot“, der gerne Erfahrungen sammelt und den Zusammenhalt im Fahrerlager schätzt. Eine Platzierung auf dem Treppchen ist nach seiner Einschätzung normalerweise für ihn soweit entfernt, wie das Auspuff-Ende vom Frontscheinwerfer. Doch dann passiert etwas Entscheidendes: Es fängt an zu regnen. Und bei diesem Wetter fühlt sich Franicevic ungefähr so wohl, wie Fritz Walter früher bei der Fußball-Nationalmannschaft.Runde um Runde geht ins Land, und der Haaner bleibt vorne dabei. Als in Runde 33 Hauptkonkurrent Thomas Staab, der von der Pole-Position gestartet war, plötzlich mit Motorschaden ausfällt, wird Robert Franicevic erstmals klar: „Ich kann heute ganz vorne landen.“ Der Rest ist Routine und Disziplin: „In so einer Situation ist es wichtig, dass man keinen Fehler macht“, erläutert der Fahrer. Jeder Ausrutscher kann das Ende bedeuten.

Das Ende für ihn ist an diesem Tag ein Happy End: Franicevic wird Deutscher Meister. Die Stunden nach der Siegerehrung erlebt er, wie in einem Traum. Da ist der Anruf bei seiner Frau und seiner Tochter in Haan, die beide aus allen Wolken fallen: „Normalerweise kommen die beiden öfter auch schon einmal mit“, sagt der Modellauto-Freak, der verschiedene Chassis (auch für Formel eins) besitzt und seine (Rasenmäher-) Motoren selbst in Form bringt.

Diesmal jedoch hätten sich die beiden von den schlechten Wetteraussichten abhalten lassen. An Einstellungen tüfteln, die Motorleistung verbessern, die Reifen präparieren – Robert Franicevic weiß, dass es auf die technischen Details genauso ankommt, wie auf das fahrerische Können, wenn man ganz vorne mitmischen möchte.

Das war auch als Kind schon so, auch wenn der kleine Robert damals noch nicht mit der Fernbedienung Modell-Autos steuerte, sondern selbst am Steuer saß. „Ich bin mit Begeisterung Kartrennen gefahren“, erinnert er sich. Irgendwann sei dann jedoch der Punkt gekommen, an dem sein Vater richtig viel Geld hätte in die Hände nehmen müssen, um dem Sohn die weitere sportliche Karriere finanzieren zu können, die zudem auch nicht ganz ungefährlich geworden wäre. „Wer weiß, wozu es gut ist, dass wir damals nicht weitergemacht haben“, sagt Franicevic heute. Immerhin hat er einen guten Beruf, eine Familie, die er liebt – und Hobbys. Gitarrespielen etwa.

Mehr von Westdeutsche Zeitung