Hilden: Feldjäger reisen zum Einsatz in Afghanistan

Hilden : Hildener Feldjäger in Afghanistan im Einsatz

Fünf Soldaten aus der Waldkaserne sind in Camp Marmal in Masar-e-Scharif im Dienst.

Oberstleutnant Ewen hat sein Testament gemacht. So wie seine vier Kameraden auch. Sie fliegen in den nächsten Tagen nach Afghanistan, um dort im Camp Marmal, dem größten Feldlager der Bundeswehr außerhalb Deutschlands, ihren Auftrag zu erfüllen. Sie sollen Kameraden unterstützen, die afghanische Sicherheitskräfte ausbilden.

In Camp Marmal in Masar-e-Scharif sind rund 5000 Soldaten aus rund 20 Nationen stationiert, darunter aus den USA, Norwegen, Kroatien und anderen Nato-Mitgliedern. Seit 2001 sind deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz, der Bundestag hat sie entsandt. Im Land am Hindukusch tobt seit Jahrzehnten ein blutiger Bürgerkrieg. Etwa die Hälfte des Staatsgebietes wird aktuell von radikalislamischen Taliban kontrolliert In den vergangenen vier Jahren sind rund 45 000 afghanische Sicherheitskräfte getötet worden, sagte kürzlich der afghanische Präsident Ashraf Ghani. Laut Bundeswehr sind in Afghanistan bislang 58 deutsche Soldaten zu Tode gekommen: 35 von ihnen sind gefallen, 23 unter anderen Umständen gestorben. Ewen ist stellvertretender Kommandeur des Feldjägerregiments 2. Der 45-Jährige ist verheiratet und Vater von zwei Kindern (16 und zwölf Jahre alt). „Das Testament hat mit dem Einsatz nichts zu tun“, sagt Ewen: „Jeder Familienvater sollte eins machen.“ Es ist sein siebter Auslandseinsatz, der zweite in Afghanistan: „Das ist Teil des Berufs. Das sieht auch meine Familie so.“ Sollte ihnen etwas zustoßen, sei sofort gute Hilfe da. Im Camp gibt es ein deutsches Feldlazarett, das über die Behandlungsmöglichkeiten eines gut ausgestatteten deutschen Krankenhauses verfügt. Und für die Angehörige und Familien in Deutschland gebe es ein soziales Netzwerk.

Hildener unterstützen deutsche Kameraden beim Ausbilden

Die fünf Feldjäger aus Hilden werden im Stab eines Support-Bataillons Dienst tun. Sie unterstützen ihre deutschen Kameraden, die afghanische Sicherheitskräfte ausbilden oder die operativen (Kampf-)Einheiten der internationalen Koalition. Aus dem gut gesicherten Camp werden sie die nächsten fünf Monate wohl kaum herauskommen. Das wäre viel zu gefährlich.

Die Soldaten wohnen in Military-Shelter, geschützten Container, allein oder zu zweit. Der Wäsche-Service ist gratis. Es gibt Sportangebote, Videospiele, Internet-Kontakt nach Hause – und einmal im Monat einen Bingo-Abend. Die Kantine wird von einem italienischen Dienstleister betrieben. „Die Karte ist enttäuschend“, flachst Ewen: „Kantinen-Essen halt.“ Im Ausland sind die Feldjäger rund um die Uhr im Einsatz. Es gibt nur „Ruhezeiten“. Dafür erhalten sie eineinhalb Tage Extra-Urlaub im Monat sowie 110 Euro pro Tag Sold-Zuschlag – unabhängig vom Dienstgrad.

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