Straßentausch wird jetzt Realität

Der Haaner Kreisstraßenverkehr soll nach dem Ausbau in einem Ring über Turn-, Kaiser- und Martin-Luther-Straßeführen.

Haan. Der rechtliche Rahmen ist gesteckt, jetzt können die Planer ihre Stifte spitzen, um künftig den überörtlichen Verkehr zwischen Haan und Solingen auf der Kreisstraße 5 abzuwickeln. Die Aufgabe übernehmen künftig Turn- und Martin-Luther-Straße gemeinsam, erstere aus Richtung Ittertal in die Stadtmitte, die Martin-Luther-Straße in Gegenrichtung. Der Bau- und Planungsausschuss des Kreistages hob gestern, fast genau sechs Jahre nach dem ersten Votum über den „Straßentausch“ diesen Beschluss auf und folgte der Stadtratsentscheidung auf Grundlage der Empfehlungen von Verkehrsgutachter Runge.

Der hatte in seinen Untersuchungen den nunmehr angestrebten Plan als einzig machbare Variante gefunden. Weil auch die Bezirksregierung das so sieht, bleibt Stadt und Kreis keine Wahl mehr. „Wir haben wenig Platz, aber eine Fülle von Vorgaben zu erfüllen“, erklärte Kreisdezernentin Ulrike Haase. Aus diesem Grund warnte sie davor, die Planung in einem aufwendigen Bürgerdialog-Verfahren zu entwickeln. Vielmehr sollten nach Abschluss der Vorplanung drei oder vier Varianten zur Diskussion gestellt werden. Haaner könnten dann noch Anregungen machen. Und: Die Informationsveranstaltung soll professionell durch externe Kommunikationsfachleute vorbereitet werden. So soll verhindert werden, dass der Abend — bestritten von Kreis, Stadt und Straßen NRW — andere Ergebnisse hat als die Verantwortlichen sich das im Vorfeld vorstellen.

Maximilian Recht (SPD) war zufrieden, dass „die Kuh nach Jahren vom Eis ist“. Dieter Donner (beratendes Mitglied) fand, die Lärmprognosen seien „sehr auf Kante genäht“. Ein Wert von 57 Dezibel nachts löse Lärmschutzverpflichtungen aus. Schon bei der Konzeption des Vorhabens will der Kreis darauf achten, dass Emissionen etwa durch die Art des Asphalts oder die Gestaltung des Straßenraums reduziert werden. Harald Giebels (CDU) machte auf das Risiko aufmerksam, dass künftig im engen oberen Teil der Turnstraße vor der Ampel an der Kaiserstraße wartende Lastwagen zu Lärmproblemen führen könnten. Der bauliche Aufwand kann derzeit noch nicht beziffert werden. Seit Jahren hat der Kreis — gewissermaßen als Merkposten — einen Betrag von 250 000 Euro im Haushalt stehen für die fällige Sanierung der Turnstraßen-Fahrbahn.

Schon jetzt aber haben Kreis und Stadt vereinbart, dass der Kreis sich über das vorgeschriebene Maß hinaus auch an der Gestaltung von Bordsteinen und Parkbuchten beteiligt. Noch nicht gelöst scheint das Problem Tempo. Zur Zeit gilt in Höhe Bismarckstraße (wegen der nahen Kita) Tempo 30, später auch vor den Serpentinen ins Ittertal. Der Verkehrsgutachter empfiehlt auf den beiden künftigen Einbahnstraßen Tempo 40. Ein Antrag auf Tempo 30 — unter anderem wegen Lärmschutz fand im Rat nur drei Ja-Stimmen. Kreisordnungsdezernent Nils Hanheide betonte gestern in der Sitzung, in Kreisausschüssen werde eigentlich nicht über Tempo auf Straßen gesprochen. Zuständig seien nämlich die Städte als Straßenverkehrsbehörden. Tempo 30 gelte zur Zeit auch wegen des schlechten Bauzustandes.

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