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Hilfsbereiter Hildener wäre fast auf miese Masche hereingefallen

Hilden : Hildener wird durch falschen E-Mail-Absender betrogen

Als ein vermeintlicher Freund Hilfe benötigte, wollte er 1850 Euro überweisen. Aber im letzten Moment fiel der Betrug auf.

Karl Meier (Name geändert) hat schon viele Male von solchen Fällen gelesen. Er ist Akademiker, gebildet, weltgewandt, belesen. Er hat sich gefragt, warum Ältere scheinbar so leicht auf Trickbetrüger hereinfallen: „Ich hätte nie gedacht, dass mir mal so etwas passiert.“ Und dann passiert es ihm doch – und er bemerkt nichts. Wie kann das sein? Das beschäftigt ihn immer noch. Dass Karl Meier nicht zum Opfer wird, hat er auch dem aufmerksamen Mitarbeiter eines Geld-Transfers-Büros in Monheim zu verdanken. „Ich möchte andere warnen“, sagt Karl Meier. Deshalb hat er uns seine Geschichte erzählt.

Vor einigen Tagen geht bei ihm eine Mail ein. „Ich hoffe, dass dieser Brief dich rechtzeitig erreicht“, schreibt sein Freund Jockel. „Ich bin nach Sumy, Ukraine verreist und habe meine Tasche verloren, Leider waren mein Reisepass und meine Kreditkarte auch in der Tasche. Die Botschaft ist bereit, mich ohne meine Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch mein Flugticket und die Hotelrechnung zahlen. Ich habe schon Kontakt zu meiner Bank aufgenommen, aber sie brauchen mehr Zeit, um mir meine neue zu schicken, Ich wollte dich fragen, ob du mir 1850 Euro leihen kannst. Ich warte auf deine Antwort.“ Karl antwortet sofort: „Lieber Jockel, was muss ich dafür tun?? Dein Pech bedauere ich sehr, und möchte Dir gerne helfen!“ Neun Minuten später antwortet Jockel: „Danke für deine Antwort. Moneygram ist die beste Möglichkeit. Der Service ist ein telegrafischer Service für Geldüberweisungen. Das zu versendende Geld wird bei einer Moneygram-Agentur in bar eingezahlt. Du kannst auf Google suchen, um das nächste Büro zu finden. Die Informationen unten sind meine Daten das Geld zu übertragen. (...) Ich brauche die Referenz-Nummer sobald du das Geld geschickt hast. Danke. LG Jockel.“

Meier findet im Internet eine Moneygram-Filiale am Axlerhof in Hilden. stellt aber vor Ort fest, dass sie nicht mehr existiert. Er schreibt Jockel, dass er eine andere Filiale in Monheim gefunden hat. Dort stellt er fest, dass er nur 1000 Euro abheben kann, weil er nicht Kunde der Bank in Monheim ist: „Zusammen mit dem Geld, was ich noch hatte, komme ich jetzt auf 1500 Euro, könnte den Rest dann heute Nachmittag schicken, wenn ich in Hilden Nachschub geholt habe. Die Referenznummer lautet 762554640. LG.“ Jockel antwortet: „Danke für deine Hilfe. Ich melde mich, sobald ich das Geld abgeholt habe.“

30 Minuten später meldet sich Jockel erneut: „Hallo Karl, ich fürchte, ich habe eine schlechte Nachricht für Dich. Ich bin gerade von der Post zurückgekommen. Die Dame von der Post hat mir gesagt, dass aufgrund technischer Schwierigkeiten steht das Portal für Moneygram derzeit leider nicht zur Verfügung. Würdest Du bitte zurück zur Post gehen und das Geld zurück bekommen. Du kannst mir helfen, das Geld durch Ria Geldtransfer zu senden. Der Service funktioniert ähnlich wie Moneygram. Du kannst auch Ria Filiale in Monheim finden. Danke.“

Karl Meier: „Lieber Jockel, das war Pech, weil ich den Vorgang gerade abgeschlossen hatte. Zum Glück gibt es RIA auch hier im selben Laden. Die neue Referenznummer lautet jetzt 12988638243. Hoffentlich klappt alles..“

25 Minuten später meldet sich Jockel: „Hallo Karl, Danke für deine Hilfe. Ich bin auf der Post, um das Geld zu erhalten, aber es war nicht da. Die Dame von der Post hat mir gesagt, dass der Transfer von RIA storniert wurde. Einen Grund dafür konnte man mir nicht sagen. Mir wurde außerdem gesagt, dass du kannst die Transaktion durch Anruf bei RIA verifizieren. bitte halte mich auf dem Laufenden.“

Karl schreibt zurück: „Lieber Jockel, ich wurde eben angerufen von einem RIA-Mitarbeiter, der mich auf verschiedene Betrugsfälle hinwies, die in Zusammenhang mit Geldüberweisungen in die Ukraine stehen. Er hält es für sinnvoll, dich zu bitten, mir ein Handyfoto von deinem Ersatzausweis oder -pass zu schicken. Außerdem würde ich als persönliche Sicherheit dich bitten, mir den Vornamen unseres Hildener Kantors zu nennen, der viele Jahre in unserer Gemeinde tätig war. In der Hoffnung auf schnelle Antwort grüße ich dich herzlich, Karl.“

„Dann herrschte Funkstille“, erzählt Karl: „Da war ich mir sicher, dass es sich um Betrug handelt.“ Weil die Transaktion früh genug storniert wurde, bekommt er sein ganzes Geld (1850 Euro) zurück. Er versucht noch einmal, seinen Freund per Mail zu erreichen. Der echte Jockel antwortet: „Ich bin nicht in der Ukraine. Es ist eine Betrugsmail, bin gehackt worden. Jetzt habe ich ein neues Passwort. Dann ist hoffentlich erst mal Ruhe. Herzlich Jockel.“