Ursache noch ungeklärt Autofahrerin rast durch die Hildener Fußgängerzone bis vor ein Geschäft

Hilden · Eine Frau ist am Donnerstagabend mit ihrem Auto in die Fußgängerzone gerast und hat dabei laut Zeugen mehrere Menschen gefährdet. Die 57-jährige Fahrerin sei offenbar verwirrt gewesen, berichtet die Polizei. Sie wurde nach der Irrfahrt festgenommen.

 Am Donnerstagabend raste eine Frau mit ihrem silbernen Opel in die Hildener Fußgängerzone.

Am Donnerstagabend raste eine Frau mit ihrem silbernen Opel in die Hildener Fußgängerzone.

Foto: Tobias Dupke

Die Mittelstraße ist um kurz vor halb sieben am Donnerstagabend noch gut besucht: Menschen sitzen bei mehr als 25 Grad im Schatten in Cafés, schlendern durch die Fußgängerzone, Kinder sitzen auf den Spielgeräten und wippen. Die geschäftige Idylle wird plötzlich durch quietschende Reifen gestört: Ein Auto fährt von der Mühlenstraße am Rathauscenter aus deutlich zu schnell in die Fußgängerzone Richtung Gabelung. Menschen springen zur Seite, ein Vater zieht seine Tochter gerade noch rechtzeitig aus dem Weg, berichtet er. „Das war wie im Film“, werden Zeugen später sagen.

„Um kurz vor 18.30 Uhr meldeten sich mehrere Passanten aus der Hildener Fußgängerzone telefonisch bei der Polizei. Hierbei gaben die Anrufer durch, dass gerade eine Frau in einem Opel Astra über die Mittelstraße im Bereich der Fußgängerzone gerast sei“, erklärte ein Behördensprecher am Abend.

Weil die Polizei die Gefahrenlage zu dieser Zeit noch nicht einschätzen kann, schickt die Leitstelle gleich mehrere Einsatzkräfte in die Mittelstraße. Am Ende stehen sieben Polizeiautos in der Hildener Fußgängerzone.

Die Autofahrerin fährt mit ihrem Opel bis zu einem Telekommunikationsgeschäft, hält an und steigt aus. Die Menschen, die gerade noch zur Seite gesprungen sind, reden auf sie ein. Die Frau betritt das Geschäft.

Wenige Minuten später steigt die Frau wieder in ihr Auto. Zeugen wollen sie hindern, wieder loszufahren. Sie postieren sich um das Auto herum. Die Frau fährt trotzdem los. Sie will über die Mittelstraße in Richtung Gabelung fahren. Doch ein Mann läuft hinter ihr her, öffnet die Tür. Auf der anderen Seite macht eine Frau dasselbe. An der Gabelung biegt in diesem Moment ein Polizeiauto mit Blaulicht um die Ecke, fährt in die Fußgängerzone und versperrt der Frau den Weg. Die kurze Fahrt ist vorbei. Der Polizist beruhigt die aufgebrachte Menge und nimmt der Frau nach einem kurzen Gespräch den Autoschlüssel ab.

„Ich habe sofort an die Amokfahrt von Trier gedacht“, sagt eine Passantin. Passiert ist aber zum Glück nichts, bestätigt die Polizei. „Augenscheinlich befand sich die Fahrerin, eine 57-jährige Hildenerin, in einem verwirrten Zustand. Glücklicherweise hatte sie bei ihrer Fahrt durch die Fußgängerzone aber weder sich, noch Passanten verletzt – auch ein Sachschaden war nicht entstanden“, erklärte der Polizeisprecher weiter. Die Polizei nahm die Frau vorläufig fest und brachte sie zur Polizeiwache nach Hilden. Kriminalbeamte befragten noch am Abend Zeugen des Vorfalls.

Die Autofahrerin ist allerdings einige Stunden später schon wieder freigelassen worden. Das bestätigte ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Gegen sie werde nun wegen Nötigung im Straßenverkehr ermittelt, hieß es weiter.

Es bleibt weiterhin unklar, warum sie mit quietschenden Reifen von der Mühlenstraße in die Mittelstraße gefahren ist. Eine Amokfahrt wie in Trier schließt die Polizei offenbar aus, sonst wäre die Autofahrerin nicht wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen laufen weiter.

Die Mittelstraße ist an den meisten Zufahrten mit einer Polleranlage versperrt. Nur Autofahrer mit einem entsprechenden Transponder können die Poller herunterfahren. Von der Mühlenstraße aus allerdings können Fahrzeuge ungehindert in die Fußgängerzone fahren – ebenso an der Schwanenstraße und am Axlerhof.

Die Stadt hat inzwischen erklärt, warum die Zufahrt zur Fußgängerzone dort nicht gesperrt ist: „Im Vorfeld der Erneuerung der Polleranlagen hat sich die Feuerwehr dafür eingesetzt, dass die offenen Zufahrten über den Axlerhof sowie die Mühlenstraße beibehalten bleiben, um notwendige Rettungswege sicherzustellen“, erklärt Baudezernent Peter Stuhlträger.

Bei dieser Entscheidung seien Erfahrungen berücksichtigt, die mit Fußgängerzonen gemacht worden seien, die vollständig mit Pollern gesperrt waren. „Rettungsfahrzeuge aus anderen Städten sollen im Einsatzfall ungehindert in die Fußgängerzone fahren können.“

Auf die Frage, ob die Stadt angesichts des Vorfalls am Donnerstag über eine Sperrung der Zufahrten nachdenkt, schreibt Stuhlträger: „Im Vorfeld der Installation der Polleranlage wurden intensive Abstimmungsgespräche zwischen Tiefbau- und Grünflächenamt, Feuerwehr und Ordnungsamt geführt, und der Stadtentwicklungsausschuss hat am 20. November 2019 auf Grundlage der Sitzungsvorlage WP 14-20 SV 66/161 den Umfang der Ausführung der Polleranlagen beschlossen.“

Das dürfte wohl „Nein“ bedeuten.

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