Erasmus plus: Gymnasium Haan erfüllt Auftrag

Haan : Schüler bearbeiten Müll-Problem

Ein Automat für Trinkpäckchen sorgt für Müllberge am Gymnasium. Schüler erarbeiten Lösungen.

Am Gymnasium herrscht ein heikles Müllproblem: Hauptverursacher ist ein Trinkpäckchenautomat, von dem sich die 800 Schüler fast täglich ein Päckchen ziehen. Monatlich entsteht dadurch ein Müllberg von 128 Kilo. Zu viel, findet Schulleiterin Friederike von Wiser, die die Teilnehmer des europäischen Bildungsprojekts „Erasmus Plus“ beauftragte, realisierbare Konzepte für das Problem zu entwickeln.

Unkompliziert und effektiv sehen die Konzepte der insgesamt 21 Schüler – aufgeteilt in vier Schüler-Firmen – aus, die sie innerhalb von einer Woche entwickelt haben und nun am Dienstagmorgen bei der Abschlusspräsentation im CVJM-Haus vorstellten: Weil die meisten Schüler ihre Päckchen in den Fünf-Minuten-Pausen ziehen und dadurch auch noch häufig zu spät zum Unterricht kommen, ließe sich das Problem vielleicht durch eine technische Sperre im Automaten minimieren, war der Vorschlag der Schüler-Firma MiWa (Minimize Waste), bestehend aus fünf Schülern der Klasse zehn und Q1.

„Der Automat könnte so programmiert werden, dass es nur in den großen Pausen Trinkpäckchen gibt“, äußerte Schüler Tim Selber Außerdem würden weniger einen Kakao ziehen, wenn es einen Wasserspender in der Schule gebe. Wer trotzdem auf seinen Kakao bestehe, könne sich den in der Cafeteria, in einer Tasse kaufen, statt am Automaten. „Dauerhaft sollten wir den Automaten also abschaffen“, war sich das Team einig.

Gibt es Wasserspender,
ziehen weniger Schüler Kakao

Aus den bis dahin entstandenen Müll könnte sich ein Upcycling-Projekt für die Unterstufe entwickeln. Als Versuch hatten sie die Fünftklässler im Kunstunterricht aus den leeren Trinkpäckchen bunte Spardosen, hübsche Geschenkboxen und praktische Stiftehalter basteln lassen. Ein wichtiger Baustein ihres Konzepts sei aber auch die Sensibilisierung der Schüler im Unterricht. In Erdkunde könnte der Kakaoanbau thematisiert werden, in Biologie gesundheitliche Aspekte. Auf Aufklärung und Partizipation setzte auch das zweite Schülerunternehmen „Eco Buddha“. Schüler sollten über den hohen Zuckeranteil im Kakaogetränk aufgeklärt werden und über die sklavenähnlichen Anbaumethoden in Südamerika. Als handfeste Lösung präsentierte dieses Team die Installation eines Heißwasserspenders. „Damit können wir Tee statt Kakao anbieten, was auch lecker, gesünder, günstiger und nachhaltiger ist“, warb der 17-jährige Matthias Piegeler. Nichtsdestotrotz, regte das Team Eco Buddha an, sollten Schüler in den weiterführenden Schulen grundsätzlich in der richtigen Mülltrennung geschult werden.

Den Schülern hatte es Spaß gemacht, sich eine Woche, selbstständig mit diesem Problem auseinanderzusetzen und kreative Lösungswege zu suchen, bestätigten Lilly Wulf (15) und Serena Yonan-Adam (16): „Ich fand das Thema interessant und finde es toll, etwas zur Verbesserung beizutragen“, so Lilly. Motiviert durch die Fridays for Future-Bewegung nahm auch Serena teil: „Wir sollten nicht nur über Probleme reden, sondern auch anpacken.“ Im April reisen die Haaner nach Holland, um sich mit niederländischen Projektteilnehmern auszutauschen.

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