Auswanderer hat Musik im Gepäck

Der Haaner Martin Neeb lebt seit 30 Jahren in Israel. Zum Besuch in der Heimat gibt er ein Konzert.

Haan. Er hat sich gleich wieder zurechtgefunden. Vor 30 Jahren ist Martin Neeb ausgewandert. Er wählte Israel zu seiner neuen Heimat. Jetzt war er wieder in Haan und gab zusammen mit seiner Frau Riki und dem schwedischen Violinisten Thomas Sagstroem ein Konzert mit israelisch-jüdischer Musik im großen Saal der Freien Evangelischen Gemeinde an der Ellscheider Straße 46. Das Trio hat in dieser Konstellation erst zweimal auf der Bühne gestanden. Und vorerst wird es auch keine weiteren gemeinsamen Auftritte geben. Ein besonderer Abend also für die Zuhörer. Der Saal war aber leider nur gut zur Hälfte gefüllt. Vielleicht lag es an dem speziellen Programm. Die Texte wurden im Original auf eine Leinwand projiziert und auf Deutsch übersetzt.

Martin Neeb verbindet viel Persönliches mit der Gemeinde. Sein Vater war hier von 1962 bis 1988 Gemeindeleiter, sein Bruder Reinhard Neeb ist ein aktives Mitglied. Einmal im Jahr besucht man sich gegenseitig. „Wir haben den Kontakt immer gehalten“, erzählt Reinhard Neeb.

Martin Neeb hat in Haan sein Abitur gemacht und anschließend eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert. 1988 verließ er Deutschland Richtung Israel. „Er hat bereits als Jugendlicher oft an Israel, seine Kultur und seine Bevölkerung gedacht“, sagt Reinhard Neeb, der sich noch gut an seinen Bruder erinnert. Eine gemeinsame Leidenschaft sei die Musik gewesen. Schon immer seien die Brüder mit Musik in Kontakt gewesen. Heute zählt Martin Neebs Repertoire bereits vier CDs. Seine Musik ist eine sehr spezielle und besondere. Er vertont Psalme und Bibelstellen, meist auf hebräisch. „Ich texte sehr wenig selbst. Ich möchte neue, als auch Jahrhunderte alte traditionelle Musik folkloristisch miteinander verbinden“, erzählt der 55-Jährige Musiker. Warum hat er sich in Israel niedergelassen? „Es ist das Land selbst gewesen“, erzählt Martin Neeb: „Ich habe mich dort sofort zu Hause gefühlt. Israel ist geographisch und kulturell sehr abwechslungsreich. Dazu auch noch sehr geschichtsträchtig.“ Zugleich sei das Land voller politischer und sozialer Spannungen. „Für mich ist das eine Herausforderung.“

Martin Neeb arbeitet als Physiotherapeut: „Ich habe eine ganz normale Arbeitswoche wie in Deutschland auch. Da gibt es keinen Unterschied.“ Er verlässt das Haus möglichst früh, um zur Arbeit zu fahren. „Wie auch hier in der Region gibt es rund um Jerusalem jeden Morgen viele Staus.“ Die Freie Evangelische Gemeinde begeht in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. „Dafür haben wir ganz besondere, orginelle Veranstaltungen überlegt“, sagt Reinhard Neeb. Am 7. Juli wird im Gemeindegarten Sommerfest gefeiert. Am 16. September lädt Liedermacher Peter Strauch zu einer musikalischen Zeitreise ein — im Gottesdienst um 10.30 Uhr. Von 26. bis 28. Oktober veranstaltet die Gemeinde „Bibel-Action-Tage“ für Kinder von sechs bis 14 Jahre.

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