Hilden ist ein gutes Pflaster für Ladendiebe

Hilden ist ein gutes Pflaster für Ladendiebe

Detektiv Aydin beobachtet Banden-Diebstähle. Die Polizei-Statistik bestätigt das jedoch nicht.

Hilden. Genau besehen ist die Innenstadt ein einziges großes Einkaufscenter — nur ohne Dach. Alle 340 Hildener Einzelhändler erwirtschaften einen Umsatz von knapp 456 Millionen Euro im Jahr. Davon stammen 40 Prozent mit Kunden von außerhalb. Dieser hohe Wert beschert Hilden eine Ausnahmestellung in der Region. Dazu passt auch, dass Kunden einer repräsentativen IHF-Umfrage im vergangenen Jahr Hilden zur attraktivsten City für Städte dieser Größenordnung gewählt haben.

Das zieht aber nicht nur Besucher, sondern auch Diebe an. Ali Aydin ist schon seit 15 Jahren in Hilden als Privatdetektiv für Einzelhändler tätig. „Es gibt immer mehr Banden-Diebstähle“, beobachtet der 49-Jährige. Profis arbeiteten zu zweit oder dritt. „Einer sucht sich mehrere teure Kleidungsstücke aus und geht damit in eine Umkleide. Dann geht er wieder raus, die Sachen bleiben in der Kabine“, beschreibt er die Klau-Tricks. Ein zweiter Täter mit nur einem Teil zum Anprobieren gehe in die Kabine. „Er hat eine präparierte Tasche dabei. Darin verstaut er die deponierten Sachen“, berichtet der Detektiv.

„Dann verlässt er die Umkleide und hängt sein Teil wieder an einen Ständer. Er verlässt den Laden. Wegen der präparierten Tasche schlägt die Waren-Sicherungsanlage nicht an. Oder ein Komplize steht am Ausgang mit einem Störsender in der Tasche — den kann man über das Internet in Polen bestellen.“ Zwei solcher Profis habe er kürzlich in Hilden beschattet: „Sie haben was gemerkt und liefen weg. Ich hatte Glück. Ein Passant hielt ihre Tasche fest. So haben wir die Ware gerettet. Wert: 500 Euro.“

Andere Ladendiebe seien drogensüchtig. „So einer läuft mir in Hilden häufig über den Weg.“ Beim letzten Mal verfolgte Aydin seine Klau-Tour durch mehrere Läden und rief dann die Polizei. Die Beamten fanden sechs Kilo Kaffeebohnen, eine Hose mit Preis-Etikett und Parfüm für 300 Euro in seiner Tasche. Obwohl der Mann einschlägig bekannt sei, habe ihn die Staatsanwaltschaft nicht in Untersuchungshaft geschickt. Er sei wenig später wieder auf freiem Fuß gewesen, weil er einen festen Wohnsitz habe.

„Warendiebstahl ist in erster Linie ein Bagatell-Delikt“, sagt Kriminaldirektor Hans-Joachim Spröde von der Kreispolizei. Die Polizei tue, was sie könne: „Was geht, wird auch gemacht. Die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft läuft gut.“ Wenn die Polizei professionelle Diebe erwische, würden die mittels beschleunigter Verfahren auch verurteilt. Die Polizei-Statistik decke sich nicht mit der Beobachtung des Privatdetektivs. Kreisweit wurden 2014 1706 Ladendiebstähle gezählt, 2017 waren es 1414.

Spröde hat auch die Zahlen für Hilden recherchiert. 2014 wurden hier 227 Ladendiebstähle angezeigt, 2015: 200, 2016: 183 und 2017: 234. Der Kriminaldirektor hat sich auch die aktuellen Zahlen besorgt. Von Januar bis einschließlich März dieses Jahres wurden in Hilden 54 Ladendiebstähle registriert. Die Vorjahreszeiträume zum Vergleich: 2017: 62, 2016:56, 2015: 26, 2014: 85. „Der Ladendiebstahl schwankt auf niedrigem Niveau“, sagt Kriminaldirektor Hans-Joachim Spröde.

„Nur 20 Prozent der Ladendiebe werden überhaupt erwischt“, glaubt Privatdetektiv Ali Aydin. Viele Einzelhändler setzten nur gelegentlich Ladendetektive ein: „Überall wird gespart. Häufig ist auch zu wenig Personal auf der Fläche. Profi-Diebe beobachten die Situation ganz genau und schlagen im für sie günstigsten Moment zu.“ Der ehrliche Kunde zahle den Schwund wahrscheinlich mit. „Ladendiebstahl ist in Hilden ein Problem“, glaubt auch Stadtmarketing-Geschäftsführer Volker Hillebrand. Er hat Privatdetektiv Aydin, Händler und Polizei für 8. Mai zum Erfahrungsaustausch eingeladen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung