Junge Retter üben im Wasser

Das Deutsche Rote Kreuz bildet sechs- bis 16-Jährige aus, damit sie im Notfall helfen können.

Krefeld. Patrick Wollenberg weiß, was zu tun ist, wenn eine Person bewusstlos auf dem Boden liegt. Zunächst überstreckt er den Kopf, damit die Zunge nicht die Luftröhre versperrt. Dann kontrolliert er die Atmung. Sehen, Hören und Fühlen sind dabei die Stichworte. „Er atmet“, stellt Wollenberg fest. Jetzt wird ein Arm im rechten Winkel nach oben gelegt und der andere Arm auf die Backe der bewusstlosen Person. Danach wird ein Bein in aufrechter Position angewinkelt.

Der 16-Jährige kann nun mit zwei schnellen Handgriffen die Person in die stabile Seitenlage bringen. „Es bestünde sonst die Gefahr, dass Magensaft hochkommt und die Person erstickt. Durch die Seitenlage läuft dieser automatisch aus dem Mund heraus“, erklärt der junge Helfer. Patrick Wollenberg und Wolfger Duhr sind bei der Jugendgruppe der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes aktiv. Erst kürzlich haben sie eine erweiterte Erste-Hilfe-Prüfung innerhalb der Helfergrundausbildung des DRK bestanden.

Kein Wunder also, dass bei der Übung jeder Handgriff gesessen hat. „Als Kind habe ich immer die Rettungsflieger im Fernsehen geguckt“, sagt Duhr. Als Neunjähriger ist er auf die Jugendgruppe der Wasserwacht aufmerksam geworden und war sofort begeistert. „Am Anfang haben wir den Knochenbau kennengelernt und geübt, wie man Verbände anlegt.“ Heute darf der 15-Jährige auch mal als Unterstützung mit einem Bootsführer und einem Sanitäter auf den Elfrather See. Dort ist die Wasserwacht samstags und sonntags mit einem Motor-Rettungsboot unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen.

Duhr hat gelernt, wie man das Boot einsatzbereit macht und zu Wasser lässt. Auch Schiffsknoten sind ihm nicht fremd. Bei seinen Einsätzen hat er zum Beispiel umgekippten Ruderern geholfen, wieder hochzukommen. Einen wirklich ernsthaften Notfall hat er bisher noch nicht miterlebt. „Ich weiß aber, dass ich helfen könnte“, sagt der 15-Jährige.

Ein Wissen, dass er auf spielerische Art und Weise erlernt hat. Einmal die Woche trifft sich die Jugendgruppe der DRK-Wasserwacht zur Gruppenstunde. „Dort basteln wir zum Beispiel auch Spiele, in denen die Baderegeln verankert sind“, erklärt die stellvertretende Gruppenleiterin Birgit Duhr.

Alle zwei Wochen findet ein Schwimmtraining im Bockumer Badezentrum statt. Während die Älteren dort spezielle Techniken, wie Startsprünge oder das schnelle Tauchen üben, wird den jüngeren Teilnehmern die Angst vorm Wasser genommen. „Es herrscht ein großer Zusammenhalt. Jeder hilft jedem und man fühlt sich wie in einer großen Familie“, sagt Patrick Wollenberg. Auch Wolfger Duhr hat in der Jugendgruppe Freundschaften geschlossen. Später möchte er Medizin studieren und Arzt werden.

Schon jetzt ist er täglich im Einsatz. Denn auch in der Schule ist der 15-Jährige immer für den Notfall gewappnet. „Ich habe an meinem Schulranzen einen Beutel mit Verbandszeug und einem kleinem Beatmungsgerät“, sagt Duhr. Bisher kam nur ein Taschentuch zum Einsatz, als ein Mitschüler Nasenbluten hatte. Der motivierte Nachwuchssanitäter weiß aber: „Ein guter Dienst ist, wenn nichts passiert.“