Bethaus erinnert an den Krefelder Mennoniten Isaak de Greiff

Krefelder Historie : Ein Bethaus mit langer Geschichte

Isaak de Greiff hat die Kapelle vor über 200 Jahren gebaut. Schützen bewahren sein Andenken.

Klein, weiß und ein wenig verwunschen liegt das Bethaus unter den kahlen Bäumen im Greiffenhorst-Park. Sein Erbauer war der dem mennonitischen Glauben angehörende Isaak de Greiff. Er hat es zwischen 1795 und 1797 errichten lassen. In der Neuzeit drohte es zu zerfallen. Die Linner Schützen verhinderten dies. Sie machten sich für das rund 20 Quadratmeter kleine Haus neben dem Hausenhof stark und bauten es teilweise neu auf.

Vor 15 Jahren, im Mai 2004, wurde es mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Seither kümmern sich vornehmlich vier Männer darum.

Es sind dies Heinrich Thyssen, Karl-Heinz Foncken, August Venhorst und der frühere Museumsleiter Christoph Reichmann. Es gibt dort immer etwas zu tun: Beispielsweise hat sich jetzt über Winter ein grüner Belag auf den weißen Mauern gebildet. Dem geht es im Frühjahr mit Bürste und Wasser zu Leibe.

Linner Schützenbrüder haben Kapelle grundlegend saniert

Die grundlegende Sanierung haben die Linner Schützenbrüder zwischen 2001 und 2004 durchgeführt. Für die Helfer gab es viel zu tun: „Das Mauerwerk musste gereinigt und geschlämmt, ein komplett neuer Dachstuhl errichtet werden. Dachpfannen waren nötig, die Eichentür musste restauriert werden und der Fußboden bekam einen Belag mit Tonplatten“, erzählt Foncken. „Außerdem wurde das Rosenspalier am Eingang wieder hergestellt.“ Für die Gestaltung der Kapellenfenster hatten die fleißigen Männer eine besondere Idee: „Im Sinne der multikulturellen Familie de Greiff wollten wir diese Fenster mit den Abbildungen der verschiedenen Linner Religionsgemeinschaften und Kirchen darstellen.“

In die vier Fenster der Kapelle wurden Bleiverglasungen von Glasermeister Hans Büter aus Wankum mit Motiven der Linner Pfarrkirchen, der ehemaligen Linner Synagoge und des Eingangstores der Mennonitenkirche in Krefeld als Erinnerung eingelassen. „Die Vorlagen hatte der Linner Künstler und Designer Karl-Hermann Horster gezeichnet.“

Anders als die Katholiken bezeichneten die Mennoniten dieses kleine Gebäude als Gebethaus und nicht als Kapelle. An seiner Südseite befindet sich eine fünfstufige nach unten gerichtete Treppe, die zu einer Krypta führt. Vermutlich war sie als Ruhestätte für die Familie de Greiff gedacht. „Zu einer Grablegung kam es jedoch nicht. Da Isaak de Greiff seinen Geschäftssitz in Krefeld hatte, wurde er in der Familiengruft beigesetzt. Die Krypta im Greiffenhorst-Park ist im Laufe der Zeit mit Schutt verfüllt worden.“

Bis zu ihrer Komplett-Sanierung wurde das kleine Haus zweckentfremdet. Foncken: „Zu Anfang des 20. Jahrhunderts nutzte es ein Landwirt als Abstellschuppen, der Linner Golfclub richtete eine Werkstatt dort ein und schließlich diente es den Jägern als Zuchtstation.“ Der Verfall der total mit Buschwerk und Grün überwucherten Kapelle war nicht mehr aufzuhalten. Aber 2001 kam die Rettung in Person der Schützen.

Nach der Einweihung wurde das restaurierte kleine Bethaus beim Tag des offenen Denkmals den Bürgern präsentiert. Es dient heute als Ort für Fahnenweihen, sieht im Sommer stets einen ökumenischen Gottesdienst – und vor Weihnachten fand dort eine Lichterandacht statt.

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