Die Krefelder Projekte im Bauhaus-Jahr 2019

Bauhaus : Die Krefelder Projekte im Bauhaus-Jahr 2019

Virtuelle Welten, neu erbaute Pavillons - alle fertigen Pläne im Netz abrufbar.

Nordrhein-Westfalen feiert 100 Jahre Bauhaus – jene bedeutende Hochschule für Gestaltung, gegründet am 1. April 1919 in Weimar von Walter Gropius, 1925 umgezogen nach Dessau, 1933 von den Nazis in Berlin geschlossen. In Krefeld wurde die Bauhauskunst vorangetrieben, erforscht, revolutioniert, mit der Seidenkultur verbunden. „Bauhaus 100 im Westen“ ist ein Fest für Krefeld. Eine Chance für die graue Maus zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet, das wissen sie in der Seidenstadt sehr genau. Marketing, Kulturschaffende und Stadtspitze lassen beim offiziellen Startschuss keinen Zweifel daran, sie nutzen zu wollen. Angekündigt für das Jubiläumsjahr 2019 werden bemerkenswerte Projekte.

„Wir bringen Krefeld auf die Landkarte“, sagt Oberbürgermeister Frank Meyer daher. Unterstützung erhält er von Joachim Henneke. Der ist Beauftragter des Landes NRW für das Bauhausjubiläum, hat sich im Auftrag des Kultusministeriums gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe bereits im April 2017 auf den Weg gemacht, das Jubiläum zu koordinieren. Ziel sei es, „nicht nur die Ikonen der Bauhaus-Geschichte in die Öffentlichkeit zu tragen, sondern die ganze Breite darzustellen. Bauhaus ist ein Mythos, die Symbiose von bildender Kunst, Politik, Pädagogik, Bildung und Architektur.“ Man feiere schließlich auch 100 Jahre Weimarer Republik. „Der politische und kulturelle Aufbruch bedingen sich.“ Es sei kein Zufall, dass beides 1933 gemeinsam beendet wurde. Und der Weg führt nach NRW. Bauhaus im Westen, das sind mehr als 40 Projekte im Bauhausjahr. Rheinland und Ruhrgebiet waren seinerzeit Nährboden der Moderne. Bundesweit wurden von einer hochkarätig besetzten Jury für die sogenannte „Grand Tour der Moderne“ 100 Plätze ausgesucht, die Bauhaus verkörpern. 24 davon sind in Nordrhein-Westfalen, natürlich gibt es Hochburgen.

Neben Krefeld sind zum Beispiel auch Hagen und Essen durch ihre Kulturgeschichte eng mit der Bauhauszeit verbunden. Die Städte bilden im Jubiläumsjahr den „Dreiklang im Westen“. Der Hagener Impuls (1900 bis 1921) etwa bezeichnet die Zeit, in der Hagen ein bedeutendes Zentrum einer künstlerischen Reformbewegung war, an dem die Architekten-Avantgarde ihre Bauten vom Jugendstil zu sachlicheren Gestaltungsformen weiterentwickelte. Zu den Protagonisten zählen Baukünstler wie Henry van de Velde oder Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus. Den Dreiklang vervollständigen die Krefelder Perspektiven. Große Namen der Bauhauskunst wie Ludwig Mies van der Rohe, Johannes Itten, Lilly Reich oder Georg Muche legten einst den Grundstein, die enge Verknüpfung mit der Seidenkultur ist einzigartig. In Krefeld wirkten mehr als 25 Bauhaus-Künstler, schufen Architekturen, prägten Textildesign, veränderten die Ausbildung der Gestalter. Die von Mies van der Rohe entworfenen Häuser Esters und Lange gehören seit Jahrzehnten zu den Kunstmuseen Krefeld, die ehemalige Verseidag ist Zeugin ästhetischer Industriekultur nach der Handschrift des Architekten.

Die Initiative Projekt MIK will die Atmosphäre im Jubiläumsjahr gemeinsam mit den Krefelder Kunstmuseen, dem Mies van der Rohe Businesspark und dem Stadtmarketing erlebbar machen. Leuchtturm-Projekt ist sicher der vollständige Nachbau eines Pavillon-Modells des Düsseldorfer Künstlers Thomas Schütte im Kaiserpark, um an einem neu erschaffenen Ort die Ergebnisse einer besonderen Studie multimedial zu präsentieren. Ein Team aus Wirtschafts-, Kunst- und Architekturhistorikern hat das einst komplexe Krefelder Netzwerk von Bauhäuslern, der Kunstszene und der Seidenkultur untersucht, ökonomische und künstlerische Interessen fanden zusammen. Beim Projekt „map 2019 – Bauhaus – Netzwerk – Krefeld“ ist die Initiave MIK federführend, der Pavillion soll 400 000 Euro kosten und spätestens im März stehen. „Es wird ein digitaler Architekturguide zur Geschichte der Moderne in Krefeld“, freut sich Kuratorin Christiane Lange.

Krefeld ist 2019 im Bauhaus-Fieber. Die Stadt hat bereits eine ganze 36-seitige Broschüre mit Projekten aufgelegt, die, so Marketing-Chef Uli Cloos, „bereits Ende des Jahres deutlich ergänzt werden muss“. Dabei überzeugten die Krefelder mit bemerkenswerten Ideen. Das Projekt „Gelebte Wohnungen“ etwa gibt Einblicke in Krefelder Wohnräume mit erkennbaren Wurzeln im Bauhaus. Es ist ein virtuelles Erlebnis. Genauso wie „Anders Wohnen“, initiiert von den Krefelder Kunstmuseen. Chefin Katia Baudin lässt die Besucher hier, ebenfalls via „Virtual Reality“, Mäuschen spielen im Leben der Familie Lange in Haus Lange. Die Ausstellung „Mies im Westen“ beschäftigt sich auf dem Gelände des Mies van der Rohe Businessparks mit dem Lebenswerk des Namensgebers. Mehr Infos unter bauhaus100-im-westen.de oder speziell für Krefeld bauhaus-100-in-krefeld.de

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