Pegel - Rhein nähert sich Rekord-Tiefstand

Pegel : Rhein nähert sich Rekord-Tiefstand

Der bisher niedrigste gemessene Wert lag bei 1,43 Metern und wird voraussichtlich in den nächsten Tagen unterschritten. Das verschärft die Folgen für den Hafen.

Peter Plarre verwendet inzwischen Zahlen, die er beruflich noch nie benötigt hat. Der Krefelder Hafenmeister gibt täglich den aktuellen Pegelstand an die Schiffer weiter und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Tagen einen Wert übermitteln, den es so in Krefeld noch nicht gab. Der bisherige Rekord-Tiefstand aus dem Jahr 2003 lag bei 143 Zentimeter, am Donnerstagmittag hat Plarre 146 Zentimeter gemeldet. Für den Rest der Woche ist kein Regen vorhergesagt, deshalb sinkt der Pegel in den Prognosen weiter. „Damit wächst die Gefahr, dass sich Schiffe festfahren, die Unternehmen reizen natürlich alle Möglichkeiten aus, denn jeder Zentimeter ist Geld“, sagt Jan Böhme, Meteorologe beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Rhein.

Krefeld muss mit Pegel um 130 Zentimeter rechnen

Die Rechnung für den Krefelder Hafenmeister ist einfach. Er nimmt den Pegelstand für Duisburg-Ruhrort und zieht davon 20 Zentimeter ab. Die Werte aus der Nachbarstadt haben sich in den vergangenen Tagen noch einmal deutlich nach unten entwickelt. Vor einer Woche lagen sie noch bei 186 Zentimetern, am Mittwoch fielen sie unter 170. In der Prognose kreuzt die Kurve die Marke von 160 Zentimetern und berührt schon Werte, die noch zehn Zentimeter tiefer liegen. Für Krefeld würde das einen Pegel um 130 Zentimeter bedeuten.

Eine Grenzmarke gibt es laut WSA nicht, die Schiffer müssen selbst entscheiden, wie sie auf die Angaben aus Duisburg und Krefeld reagieren. Für den hiesigen Hafen bedeutet das, dass ein wirtschaftlich schwieriger Zustand nun schon ein gutes halbes Jahr anhält. Seit dem Frühjahr hat Hafenmeister Plarre mit Niedrigwasser zu tun. „Über so einen langen Zeitraum hatten wir das noch nie“, sagt er.

Die Folgen sieht Plarre jeden Tag: Es kommen große Schiffe rein, aber sie sind auch schnell wieder weg. Das Löschen der Ladung dauert bei weitem nicht so lange, wie bei normalem Rheinpegel. „Ein Schiff, das sonst 3000 Tonnen transportieren kann, hat im Moment nur 600 oder 700 Tonnen an Bord“, sagt Plarre.

Das senkt die hiesigen Umsätze. Der Hafen verdient durch so genanntes Ufergeld und das wird nach Tonnage berechnet. Solange die Unternehmen auf Züge umsteigen, hält sich der Ärger des Hafens noch in Grenzen, weil ihm auch die Bahn gehört. Allerdings schaffen Züge nicht dieselben Mengen wie Schiffe. Steigen die Unternehmen auf Laster um, sind die Einbußen des Hafens noch höher.

Diese Kette setzt sich fort. Auch die Unternehmen müssen anders kalkulieren – und haben dabei die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder entscheiden sie sich, die Produktion runterzufahren, weil sie übers Wasser weniger Material bekommen. Oder sie bleiben bei den geplanten Mengen und müssen dafür auf die teureren Transportmittel umsteigen, so dass die erhofften Gewinne geringer ausfallen.

Eine Besserung ist für Krefeld vorerst nicht in Sicht. „Es sieht nicht rosig aus. Es müsste im Süden mal wieder richtig schütten. Das saugt der zwar erstmal der trockene Boden auf, aber irgendwann kommt das auch wieder bei uns an“, sagt Hafenmeister Plarre.

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