bei dem Ballettabend „Souvenirs aus West und Ost“ verarbeitet Robert Norh persönliche Erinnerungen an Kuba, Russland und New York.

Ballettabend : Eine tänzerische Reise durch Erinnerungen

Bei dem Ballettabend „Souvenirs aus West und Ost“ verarbeitet Robert North persönliche Eindrücke aus seiner Zeit in Kuba, Russland und New York. Premiere ist am Samstag.

Das Kuba vor dem Kommunismus und Fidel Castro, New York, Russland – Robert North ist in der Welt herum gekommen. Von seinen Reisen hat der Choreograf „Souvenirs aus West und Ost“ mitgebracht und daraus ein Ballettstück geschrieben. Es feiert am Samstaabend unter diesem Titel auf der Bühne des Theaters Krefeld Premiere.

Persönliche Erinnerungen und Erlebnisse wie den ersten Flirt mit Ehefrau Sheri Cook verarbeitet North in drei Teilen: Stadtlandschaften der Megacity zeigen das New York der 50er und 60er Jahre, „etwas abstrakter“, mit einem Postkartenformat eines weißen Traumstrandes, geht’s im zweiten Themen-Teil des Ballettabends nach Kuba, erzählt Bühnenausstatter Udo Hesse. Den dritten Teil dominiert ein Abriss der russischen Geschichte – von der Oktoberrevolution bis heute – „auf der Bühne schaffen wir einen zweiten Theaterraum, in der zeitspezifische Abrisse auftauchen“. Auch die typisch russischen stämmigen Babuschkas haben in dem Stück einen tänzerischen Auftritt, zu dem Pianist Dmitri Schostakowitsch nicht nur die Musik liefert.

Er, der sich als junger Mann in der düsteren Zeit des Stalinismus als Kinopianist durchschlug, wird auch als Charakter eine Rolle in dem Stück spielen. „Es geht um seine dramatische Lebensgeschichte innerhalb des stalinistischen Systems, den Ansatz, den Künstler in der Diktatur darzulegen“, sagt Choreograf North. „Unter welchen Bedingungen und Todesangst er komponiert haben muss, er war ein Star, einer der ganz Großen – das schon erstaunlich“, schwärmt  Ballettdramaturgin Regina Härtling. Ja, Schostakowitsch Stücke seine dramatisch, bestimmt von „forwärtsdrängenden Rhythmen, Klänge, die manchmal auch grotesk, skurril wirken“. Der Pianist habe aber auch überraschend heitere Stücke komponiert, die die hoffnungsvolle Aufbruchstimmung, die North transportieren will, unterstreichen.

Mit acht Jahren lernte
North Kuba kennen

Diese Stimmung und eine offene, bunte Gesellschaft, erlebte der Choreograf in den 1990er Jahren selbst in St. Petersburg. Im Alter von acht Jahren lernte North ein westliches Kuba vor Castro kennen. Mit der Musik von George Gershwin verbindet er die kubanische Lebensfreude und Farbenpracht, auch die Geschäftigkeit der Großstadt New York. Gershwin, der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, prägte einen unverkennbar amerikanischen Sound aus Jazz und Sinfonik, mit dem auch die Niederrheinischen Sinfoniker ihr Publikum mitreissen wollen. „Die Musikauswahl zu diesem Ballettabend wird hoffentlich nicht nur den Zuhörern gefallen, sie macht auch uns Musikern im Orchestergraben viel Freude. Denn Musik zu der unsere Kompanie gut tanzen kann, ist meist eine sehr rhythmische, energetische Musik“, sagt der musikalische Leiter, Andreas Fellner. Daneben tanzen die Darsteller zu Musik von Leonard Bernstein und der Hymne „Respect“ der verstorbenen Soul-Ikone Aretha Franklin.

Auch im dritten, ausschließlich von Schostakowitschs Musik bestimmten Teil, habe das Orchester „gut zu tun und spielt in verschiedenen Besetzungen Musik aus seinem Schaffensbogen“, sagt Fellner. „In den ausgewählten Werken ist diese Zerrissenheit zwischen Fröhlichkeit und Depression, Leichtigkeit und Bedrückung, Witz und Tod immer zu hören. Vor allem die konkrete Bedrohung, von Stalins Regime vernichtet zu werden hat zu einer Veränderung seiner Musiksprache geführt. Diese Entwicklung wird auch im Ballett, sowohl getanzt auf der Bühne, als auch durch die Musik die wir spielen werden, zu erleben sein.“