Hitze: Rheinpegel sinkt - Gefahr für Schwimmer besonders groß

Hitze: Rheinpegel sinkt - Gefahr für Schwimmer besonders groß

Der Rheinpegel bei Krefeld steht derzeit bei 1,93 Meter. Was für die Schifffahrt kein großes Problem darstellt, ist für Badegäste besonders riskant.

Krefeld. Vater Rhein hat derzeit ein ziemlich schmales Bett. Wegen des fehlenden Regens und des daraus folgenden Niedrigwassers hat der Fluss sich in seine Mitte zurückgezogen. „Das Wasser steht niedrig, sehr niedrig“, erklärt Hafenmeister Peter Plarre. „1,93 Meter beträgt der Wasserstand. Die Schiffe können fahren, aber nur mit halber Ladung.“ Knapp vier Meter beträgt der Normalstand. Eingestellt werden muss die Schifffahrt aber nicht. „Das habe ich noch nie erlebt, das gibt es nur bei Hochwasser“, sagt der Hafenmeister.

Foto: Andreas Bischof

Viel brisanter sei die Situation für diejenigen, die den Rhein bei dem Sommerwetter immer noch als Schwimmbadersatz nutzen wollen. „Gerade weil der Wasserstand jetzt so niedrig ist, reicht es aus, wenn eins der Güterschiffe mal kurz Gas gibt — und man ist weg“, warnt Plarre. Einmal vom Sog des Schiffs gefangen, sei es meist schwierig, sich im Rhein auf den Beinen zu halten. „Die Kräfte, die da wirken, sind außerordentlich stark. Der Schlick im Uferbereich lässt einen kaum Halt finden“, sagt Plarre.

Auch Rolf Kemmler von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) bittet die Krefelder, auf das Baden im Rhein zu verzichten. „Es ist nicht ohne Grund verboten, in Bundeswasserstraßen, wie es der Rhein eine ist, zu schwimmen“, betont Kemmler. Wer im Rhein in Not gerate, soll laut dem DLRG-Wachtleiter vor allem eins beachten: nicht gegen die Strömung schwimmen. „Besser ist es, sich von der Strömung treiben zu lassen und dabei irgendwie zu versuchen, ans Ufer zu kommen“, rät Kemmler. Sein Urteil: Der Rhein ist derzeit noch gefährlich als sonst.

Zum Glück sieht Hafenmeister Plarre dieser Tagen nur wenige Leichtsinnige, die sich im Rhein erfrischen wollen. „Es war schon mal deutlich mehr los“, resümiert er. Sein Tag beginnt um 7 Uhr. Erste Aufgabe ist die Überprüfung der Wasserstände von Konstanz bis Ijsselkop. „Sie werden uns per Mail vom Wasserschifffahrtsamt übermittelt“, berichtet Plarre und witzelt: „Den Zollstock nehmen wir auch bei unserer eigenen Messung nicht, das geht elektronisch. Wir können sehen, wie die Welle naht, wenn das Wasser am Bodensee hochgeht. Wir sehen jetzt genauso gut, dass nur wenig ankommt.“

Plarre klickt jetzt regelmäßig Elwis an, den Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice. „Ich sehe in Koblenz einen Meter Wasserhöhe, der auf geschätzte 80 Zentimeter am Montag fällt. Da kommt aus Süddeutschland hier auch nichts an.“

Bei niedrigen Pegelständen wird die Schifffahrt erfahrungsgemäß nicht eingestellt. Die Schiffe fahren bis zur technischen Unmöglichkeit. Sie können nur nicht voll beladen werden, sonst haben sie zu viel Tiefgang. Für die Kunden, sprich die Firmen, die auf Ladung warten, wird der Transport teurer: „Bei Niedrigwasser müssen sie einen sogenannten ,Kleinwasserzuschlag‘ zahlen, da die Ladung auf mehrere Schiffe verteilt werden muss.“ Deshalb entscheiden auch die Firmen, wie lange die Schiffe fahren. Die Inhaber brauchen ihre Ladung zumeist, falls nichts gebunkert wurde.

Eine Lösung sei es, auf Bahn oder Lkw umzuladen. Die Laster seien aber meistens zu klein, weiß der Hafenmeister. Zu Verkehrsstaus an der Drehbrücke, liebevoll Oma genannt, kommt es derzeit nicht. Denn sie muss nicht gedreht werden. „Es kommt jetzt kein Küstenmotorschiff herein.“

Plarre nimmt den Wasserstand mit Fassung: Er erinnert sich, dass der Rhein 2003 noch niedriger stand und dass in den 1950er Jahren der Rhein fußläufig durchquert werden konnte. Menschen sieht er jetzt am Ufer nicht. „Denen ist es wohl zu heiß“, vermutet er.

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