Zungenorgeln erzeugen beschauliche Töne

Zungenorgeln erzeugen beschauliche Töne

Vier historische Instrumente gehen als Schenkung an das Museum Burg Linn.

Krefeld. Gleich vier Neuzugänge für die Sammlung mechanischer Musikinstrumente kann Christoph Reichmann, Leiter des Museums Burg Linn, verbuchen. Der Düsseldorfer Unternehmer Friedrich-Wilhelm Hempel schenkt dem Museum drei Handorgeln aus seiner Sammlung, zusätzlich geht seine Limonaire Orgel, bislang eine Dauerleihgabe, in den Besitz des Museums über.

„Früher war Musik ein kostbares Gut“, sagt Rainer Scharl, Experte auf dem Gebiet der historischen Musikinstrumente. Er betreut die Privatsammlung Jacobi in Köln und ist Mitglied im Verein Freunde der Museen Burg Linn. „Bei den beiden kleineren Orgeln handelt es sich um Zungenorgeln, die etwa um 1910 in Böhmen gebaut wurden“, erklärt Scharl. Im Gegensatz zu Pfeifenorgeln haben sie den Vorteil, klein und leicht zu sein. „Heliodor Altmann, Reichenberg“, steht auf dem glänzenden Holz des historischen Instruments.

„Damals gab es in Nordböhmen 16 Betriebe, die solche Einzelanfertigungen herstellten“, erklärt der Fachmann. Beschauliche 21 Töne kann die kleine Orgel produzieren. Das reicht für einen Marsch genauso wie für einen gefühlvollen Walzer. Acht Stücke gehören zum Repertoire.

„Es gab kein Radio und kein Fernsehen, da brachten die Drehorgelspieler etwas Abwechslung ins Leben“, erklärt Scharl. Komische Kauze vom Rand der Gesellschaft seien das oft gewesen, die mit ihren Instrumenten durch die Straßen zogen. Aber auch Kriegsinvaliden, die mit den kleinen Orgeln durch die Gaststätten tingelten und sich ihren Lebensunterhalt erbettelten.

Die automatische Harmonika „Tanzbär“ ist ein Patent der Leipziger Firma Zuleger. „Mechanische Konzertina mit einlegbaren langen Noten. Sofort ohne Notenkenntnis spielbar“, lockt die damalige Werbung. „35 Mark kostete der Tanzbär, billig war das nicht“, sagt Rainer Scharl. Alle Instrumente sind „unverbastelt“ und in ihrem Originalzustand.

Die reich verzierte Limonaire Frères Orgel hat schon etwas länger ihren Platz im Jagdschloss. 1890 bauten die Pariser Brüder Limonaire diese Vorstufe der Kirmesorgel. Die von der Orgelbaufirma Gavioli entwickelten Faltkartennoten waren flexibler als die bisherige Walzenmethode. „Französische Innovation und deutsche Handwerkskunst“, schwärmt Scharl.

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