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Krefelderin (78) soll Strafe zahlen für Motörhead-Strick-Puppe

Krefelderin (78) soll Strafe zahlen für Motörhead-Strick-Puppe

Mit einer Nachahmung von Lemmy Kilmister und Strick-Puppen von anderen Prominenten wollte Ingrid Krieger ihre Rente aufbessern. Was sie jedoch erhält, ist eine Mahnung.

Krefeld. Ingrid Krieger ist 78 Jahre, im Krefelder Nordbezirk geboren und hat ihr Leben lang hart gearbeitet. 45 Jahre im Textilforschungszentrum, Kinder groß gezogen. Ein guter Teil der 1000 Euro Rente geht für die Wohnung in Bockum drauf, es gibt Enkelkinder, Krieger muss scharf rechnen. Seit ein paar Jahren bessert sie mit einem ungewöhnlichen Hobby ihre Kasse auf: Sie fertigt für kleines Geld Strickpuppen an, für Bekannte oder Verwandte. Eine Puppe, die Lemmy Kilmister, dem 2015 verstorbenen Frontmann der Heavy-Metal-Band Motörhead, ähnelt, hat sie für 45 Euro bei Ebay eingestellt. Ein Unikat. Jetzt soll sie mindestens 2242,40 Euro Strafe zahlen, der Wert des Unterlassungsanspruchs liegt laut Anwaltskanzlei bei 50 000 Euro.

Zehn Tage ist her, dass sie dem Rat von begeisterten Freunden folgte, den 25 Zentimeter großen, markanten Hutträger im Internet anzubieten. Kaum 48 Stunden später findet sie Post aus Hamburg im Briefkasten. Die Anwaltskanzlei Gutsch Schlegel tritt als Wahrnehmer der Interessen der „Global Merchandising Services Limited“, die offensichtlich die Rechte am Vertrieb von Merchandising-Artikeln in Bezug auf die Marken „Motörhead“ und „Lemmy“ innehat. Ingrid Krieger wird abrupt schlecht und sie nimmt die Strickpuppe aus dem Netz.

Seit ein paar Jahren bessert die Rentnerin mit ihrem ungewöhnlichen Hobby ihre Kasse auf. Doch das soll nun ein Ende haben. Im Bild die Rockband "Kiss". Foto: Dirk Jochmann

Trotzdem beharren die Hamburger auf Schadenersatz. Ihre Tochter übernimmt das Krisenmanagement für ihre überforderte Mutter, die schlecht hört und mit den Nerven runter ist. „Ich kann kaum was essen seitdem.“ Sie versteht die Welt nicht mehr, es war ja nicht mal ihre eigene Idee, die Puppe auf Ebay anzubieten. „Ich habe mir noch nie etwas zu Schulden kommen lassen“, beteuert Ingrid Krieger. Das interessiert die Abmahner nicht. Ihre Tochter „Pe“, die in Krefeld als Sängerin der Comedy-Pop-Gruppe Territoritas bekannt ist, telefoniert mit Hamburg, erklärt die Situation und zeichnet das Bild einer aufgelösten älteren Dame mit knapper Rente. „Das solle ich erstmal beweisen, hieß es. Meine Mutter könne ja auch eine Millionärin sein. Und wenn überhaupt Nachsicht, dann nicht komplett. Ich solle mal sagen, wie viel wir denn zahlen wollten.“ Das kommt „Pe“ Krieger komisch vor, aber die Kanzlei ist real, ihr Vorgehen im Internet dokumentiert. „Pe“ Krieger nimmt für ihre Mama einen Anwalt. „Selbst wenn sich die Sache irgendwie erledigt, den müssen wir auf jeden zahlen, denn für solche Fälle greift kein Rechtsschutz.“

In ihrem Wohnzimmer wohnen jede Menge Prominente. Foto: Dirk Jochmann

Spontane Hilfe ist aus der Krefelder Musik- und Künstlerszene angekündigt, „Pe“ hat ein großes Netzwerk. Von Charity-Aktionen ist die Rede. Doch die Aufregung bleibt, vor allem für Ingrid Krieger. Sie ist eingeschüchtert, will sich aber das Puppenstricken nicht verbieten lassen. Nicht wegen des Geldes. Bei drei Fertigungstagen pro Einzelstück für die paar Kröten bleibt es ein kleines Zubrot im privaten Rahmen. Eher wegen der Puppen selbst. Es wäre auch eine Schande. Die Beatles, Kiss, Chuck Berry und Amy Whinehouse stehen in ihrem Wohnzimmer. Ingrid Krieger hat ein tolles Händchen. Und einen guten Humor. Donald Trump ist die einzige Puppe, deren Hirn sich herausnehmen lässt.