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Krefelder Firma will klimafreundlichen Kaffee verkaufen

Ernährung : Krefelder produziert klimafreundlichen Kaffee

Senol Halfar hat mit seiner Firma die Marke „Don Roberto Coffee“ entworfen. Die Bohnen kommen aus dem Hochland Costa Ricas.

Früher trank Senol Halfar über den Arbeitstag verteilt mal gut und gerne zwischen zehn und 15 Tassen Kaffee. Er ist ein Liebhaber des Aufgusses. Das war er schon, als er vor vier Jahren die Idee hatte, eine eigene Marke zu entwickeln und diese hierzulande zu verkaufen. Einen Kaffee, der anders ist als die herkömmlichen und auch irgendwie zum Zeitgeist passt. Der Krefelder rief mit seinem Unternehmen den „Don Roberto Coffee“ ins Leben, den „ersten 100-prozentig klimafreundlichen Kaffee“ in Deutschland. Seit drei Monaten ist die Firma mit dem Getränk auf dem Markt. In Krefeld gibt es drei der bisher fünf Verkaufsstellen im ganzen Land. Die Stadt ist sozusagen der Mittelpunkt des Vertriebs. Weitere Lokalitäten sollen im Laufe der Zeit am Niederrhein dazukommen. Es ist eine Nische, in die er mit seinem Vier-Mann-Betrieb hinein will.

Als sich die Industriestaaten in 2015 bereit erklärten, das Klima in Zukunft nachhaltig zu schützen, rief das auch Halfar auf den Plan. Der Weg führte ihn nach Costa Rica. Mit Fördergeldern aus Deutschland und Großbritannien, so erzählt es der 46-Jährige, sollte vor Ort geholfen werden, klimafreundlichen Kaffee zu produzieren, also die CO2-Emissionen bei Anbau, Produktion und Versand zu minimieren. „Costa Rica stellt mit den besten Kaffee der Welt her“, sagt Geschäftsführer Senol Halfar. Die Höhe, die Lage, das Vulkangebiet machten viel her. Dort aus dem Hochland bezieht er mit seiner Firma auch die Arabica-Bohnen. Der Name „Don Roberto Coffee“ ist angelehnt an einen Costa Ricaner, der als Erster die Idee formulierte, klimafreundlichen Kaffee herzustellen.

Der ehemalige Moltke-Schüler lebt seit vier Jahren in Costa Rica

Der frühere Moltke-Schüler Senol Halfar aus Krefeld lebt seit vier Jahren in Costa Rica. Er ist nah dran an den Prozessen. Drei Säulen sind seiner Philosophie nach ausschlaggebend für seine Idee: Klimaschutz, die eigene Gesundheit und die Unterstützung der Bauern in Costa Rica, denen er mit verbesserten Methoden auch unter die Arme greifen will. Stichwort Nachhaltigkeit. „Was bedeutet uns Klimaschutz im Alltagsleben?“ fragt Halfar. „Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Noch vor Bier.“ Ziel sei es, beim Anbau schon 82 Prozent weniger Pestizide zu verwenden. Das käme schließlich auch dem Verbraucher zugute. „Kaffee ist ein organischer Stoff. Er nimmt die Chemie in sich auf“, sagt Halfar.

Die Krefelder Firma mit Sitz an der Moerser Straße wolle nur mit Bauern zusammenarbeiten, die ihre Produktion nachweislich zertifiziert emissionsarm gestalten, schreibt das Unternehmen. Überhaupt sollen die Ausstöße von Kohlenstoff in der gesamten Herstellungs- und Transportkette reduziert werden. Senol Halfar will wachrütteln. „Darüber, dass der Status Quo unsere Welt dauerhaft beschädigt“, heißt es in einem Bulletin. Klimaschutz und Nachhaltigkeit fange bei jedem Einzelnen an. Das Problem: Der Kaffeesektor trage massiv zum Klimawandel bei.

Noch hat dieses Vorhaben wenig Aufmerksamkeit erzeugt. Halfar sieht sich und sein Unternehmen in einer „Robin-Hood-Rolle.“ Ein Außenseiter, der aber am Establishment rüttelt. Der Klimawandel lässt die Menschen aufhorchen. Da sieht er eine Marktchance. Halfar denkt auch an Bioläden als Verkaufsstellen. Vertrieben wird in Krefeld neben dem Bücherladen Kleines Antiquariat Esther & Isabelle in Linn auch bei Natürlich Bettinger an der Friedrich-Ebert-Straße und bei seinem Vater im KFZ-Meisterbetrieb Halfar auf der Moerser Straße.

Klimaneutral allerdings ist auch der neue Kaffee noch nicht, das muss Senol Halfar einräumen. Der Transport nach Hamburg, wo die Bohnen gelagert werden und dann nach Hannover, wo geröstet wird und anschließend in die Verkaufsstellen passiere noch auf dem herkömmlichen Weg. „Das ist noch eine kleine Schwachstelle.“

Halfar genießt derweil den Arabica-Kaffee in seiner Wahlheimat Costa Rica. Er ist ein bisschen verwöhnt davon, wie er sagt. Ehe er auf Reisen nun zu anderen Sorten greift, steigt er lieber um: Er trinkt dann lieber Tee.