Krefeld: Neue Debatte über Nachfolger des Seidenweberhauses

Krefeld : Neue Debatte über Nachfolger des Seidenweberhauses

Der Theaterplatz ist als Standort wieder im Gespräch, ein Gutachten sieht eine andere Variante im Vorteil.

Die jüngst vorgelegte weitere Variante einer Veranstaltungshalle auf dem Dr.-Hirschfelder-Platz heizt die Diskussion über den Ersatz fürs Seidenweberhaus und den richtigen Ort wieder an. Ende 2022 muss das Seidenweberhaus auf dem Theaterplatz aus betriebstechnischen Gründen schließen. Spätestens im Herbst 2023 soll eine neue Stätte in Betrieb gehen. Ob die neu gebaut wird oder ein Bestandsgebäude wie beispielsweise das Kesselhaus im Mies-van-der-Rohe-Business-Park dazu saniert wird, soll das Vergabeverfahren zeigen. In der kommenden Ratssitzung am 28. November wird die Politik über das weitere Vorgehen entscheiden. Kurz zuvor ruft Christoph Borgmann von der Werbegemeinschaft dazu auf, trotz der bereits gefassten Ratsbeschlüsse noch einmal genauer den Standort Theaterplatz zu betrachten und die Möglichkeit zu prüfen, den Vorschlag des Krefelder Investors Ulrich Schmitter nicht auf dem Dr.-Hirschfelder-Platz, sondern auf dem Theaterplatz umzusetzen.

Schmitter hält den Platz südlich des Kaufhofs für ideal

Schmitter hatte sein Konzept bereits vor einigen Monaten im Stillen den Fraktionen, der Stadt und der Werbegemeinschaft vorgestellt. „Mit vielen guten Argumenten wie der Belebung der Innenstadt, einem dazugehörigen Hotel für Kongresse, einem hochmodernen großen und kleinen Saal; chic und schön“, urteilt Borgmann. Nur nicht unbedingt am richtigen Ort in seinen Augen. „Das wäre dort innerhalb der Bebauung zu gequetscht.“ Im Gegensatz zu Schmitter hält er den Theaterplatz ideal dafür. Dort sei aber das Hochziehen eines Neubaus neben dem Seidenweberhaus in dem Zeitrahmen nicht möglich. Borgmann schlägt deshalb vor, vor der Entscheidung im Rat noch zu prüfen, ob das Seidenweberhaus zuerst abgerissen werden könnte, um Platz für den Neubau von Ulrich Schmitter zu schaffen.

Um die Übergangsphase so kurz wie möglich zu halten, hatten Verwaltung und Politik entschieden, erst nach einem Umzug das alte Seidenweberhaus abzureißen. Beschlossen ist auch, auf dem Theaterplatz den Ersatz für das leer gezogene Stadthaus zu bauen.

Und was sagt die Verwaltung dazu? „Obwohl der gefasste Ratsbeschluss die Herrichtung eines Bestandsgebäudes oder den Neubau einer Veranstaltungshalle ausschließlich auf privatem Grundstück vorsieht, hat das beauftragte Gutachterbüro die neue Variante auf städtischer Fläche geprüft und in den Vergleich mit einarbeiten lassen“, sagt Krefelds neuer Baudezernent Marcus Beyer, der das Bauvorhaben von seinem Vorgänger Martin Linne übernommen hat. Ausschlaggebendes Argument gegen die Einbeziehung einer städtischen Fläche in das Vergabeverfahren sei das fehlende Planungsrecht (B-Plan), gleichbedeutend mit einer um etwa 24 bis 30 Monate längeren Realisierungsphase sowie damit verbundenen erheblichen Mehrkosten. Dazu führt auch die dann notwendige längere Aufrechterhaltung des Spielbetriebs im Seidenweberhaus. Alleine 1,7 Millionen Euro muss die Stadt investieren, um bis 2022 überhaupt den Betrieb im Seidenweberhaus aufrechterhalten zu können.

Ist eine Veranstaltungshalle auf dem Dr.-Hirschfelder-Platz eine denkbare Alternative zum Seidenweberhaus? Für Innvestor Ulrich Schmitter auf jeden Fall. „Dass Konzept lebt davon, die Innenstadt zu beleben und mit dem passenden Hotelbetreiber, mit dem wir einen möglichen Mietvertrag schon weit ausgehandelt haben, allein 90 Kongresse pro Jahr dort abhalten zu können“, erklärte Schmitter unserer Redaktion. Eine Belebung der Innenstadt wünscht sich auch die Werbegemeinschaft.

Kesselhaus bietet laut Gutachten die meisten Vorzüge

„Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie und die Prüfung aller vier Varianten besagt, dass die Ansiedlung im Kesselhaus die meisten Vorzüge mit sich bringt“– so fasst Dezernent Beyer den 49-seitigen Bericht der „Integrated Consulting Group“ zusammen. Für die Variante Hirschfelder-Platz spricht, dass die Halle sehr gut erreichbar wäre, eine interessante Eingangs- und Foyersituation habe, multifunktionale, verbindbare Säle und einen unabhängigen Tagungsbereich. Minuspunkte: Das Kernfoyer ist zu knapp, Backstage und Logistik verteilen sich über drei Etagen, Anlieferung der Säle im ersten Obergeschoss schränkt die Flexibilität ein, es gibt keine eigene Cateringfläche.

Für die Variante Kesselhaus spreche ein spektakuläres, eigenständig nutzbares Foyer, ebenerdige, multifunktionäle Säle, unabhängiger Tagungsbereich auf drei Stockwerken, Anlieferung, Backstage und Logistik günstig. Minuspunkte: Das Platzangebot für Bestuhlung im Karneval reiche ohne eine noch zu bauende Empore nicht aus.

Auch wirtschaftlich präferiert das Gutachten das Kesselhaus: Für das sind Projektkosten in Höhe von 51,7 Millionen und für den Hirschfelder-Platz 72,6 Millionen Euro zugrunde gelegt. Die jährliche Belastung für die Stadt würde beim Kesselhaus 4,2 Millionen, beim Hirschfelder-Platz bei 5,8 Millionen Euro betragen. Jetzt ist die Politik gefragt.

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