Haus der Seidenkultur zeigt Werke von Bauhaus-Künstlern

Bauhaus : Eigene Wege gehen – Emanzipation im Bauhaus

Das Haus der Seidenkultur zeigt Werke von Bauhaus-Künstlerinnen.

Mit der Gleichberechtigung war es im „Staatlichen Bauhaus“ in Weimar nicht ganz so weit, wie es das geduldige Papier festhält. Das Interesse an einer künstlerischen Ausbildung bei den jungen Frauen in den 1920er Jahren war den Herren des Bauhauses zu groß. Da schob Mann die Studentinnen gerne in die Weberei-Klassen ab, um in diesem Bereich ihre Ambitionen zu entfalten.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass zwei ehemalige Schülerinnen des Bauhauses in der Hochburg der Seidenweberei Krefeld landeten und wirkten. Die neue Sonderausstellung mit dem Titel „Pioniere der Textilgestaltung“ im Haus der Seidenkultur (HdS) erinnert an Elisabeth Kadow (1906-1979) und Immeke Mitscherlich (1899-1985).

Die beiden Frauen lehrten an der Textilingenieurschule Krefeld (TIS) und verbreiteten somit die gestalterischen Prinzipien des Bauhauses auch am Niederrhein. Mitscherlich arbeitete Anfang der 40er Jahre auch als Musterentwerferin bei der Krefelder Firma Marwa (später Marna) Seidenwaren GmbH.

Einen kleinen Einblick in die Arbeiten der beiden Bauhäuslerinnen gibt die Ausstellung, die Dr. Ulrike Denter kuratiert hat. “Es ist schwer, etwas von Immeke Mitscherlich zu finden, denn sie hat auf einer Odyssee viele ihrer Kunstwerke verloren,“ bedauert sie.

Viele Zeitzeugnisse
wurden einfach weggeworfen

Den wenig wertschätzenden Umgang mit textilen Materialien und Arbeiten bedauert auch Dieter Brenner, Pressesprecher des HdS. „Vieles wurde in Krefeld weggeworfen. Es gab keine Wertschätzung. Da sind auch Musterbücher und anderes schnell auf dem Müll gelandet. Da konnten wir nicht schnell genug sein!“ Die größte Arbeit von Mitscherlich hätte aber auch im Haus der Seidenkultur gar keinen Platz gehabt; von dem Großauftrag hängen zwei Fotografien an der Wand. Mitscherlich gestaltete im Auftrag des jungen Landes NRW einen Wandbehang von etwa fünf mal sechs Meter für den Plenarsaal im Ständehaus in Düsseldorf. Er zeigt natürlich unverkennbar das Wappen von Nordrhein-Westfalen.

Elisabeth Kadow ist dagegen mit einem originalen Wandbehang vertreten. Zwei glückliche Umstände haben dafür gesorgt: Zum einen ist die Webarbeit von optimaler Größe für den kleinen Raum, zum anderen ist es eine Stiftung des Ehepaars Wissing, das eine enge Freundschaft mit dem Ehepaar Kadow verband, an das Haus der Seidenkultur.

Dieser Wandbehang besteht aus einem Ripsgewebe aus Wolle, bei dem die waagerecht verlaufenden Schussfäden die senkrechten Kettfäden vollständig bedecken. Darein hat die Weberin aus dickerem Naturseidengarn in der Technik des Teppichküpfens kurze Fäden eingeknotet, die dem bunten und gestreiften Untergrund mit den Büscheln ein buchstäblich herausragendes, reliefartiges Muster geben.

Fotos von Arbeitsproben veranschaulichen die wichtigsten Schaffensphasen von Elisabeth Kadow. Wenn Kadow eine Technik bis zum Letzten ausprobiert und umgesetzt hatte – penible Vorarbeiten gehörten bei ihr dazu – stellte sie sich neuen gestalterischen Herausforderungen.

Wie die Pädagoginnen der TIS auf ihre Studierenden wirkten, wird in der Ausstellung an einigen Werkbeispielen gezeigt, aber auch in Form von Zitaten. „Frau Kadow legte Wert darauf, dass wir uns der freien, nicht zweckgebundenen Auseinandersetzung mit Material und Farbe stellten. Sie forderte uns heraus und bestärkte uns in unseren Fähigkeiten, sie ermutigte uns, eigene Wege zu gehen“, so Annette Pöllmann, aus der Klasse „Druckgestaltung“ von 1948 bis 1950.

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