Krefeld: Darum gewinnt die Krefelder Feuerwache den Architekturpreis

Krefeld : Darum gewinnt die Krefelder Feuerwache den Architekturpreis

Die Hauptfeuer- und Rettungswache hat die Jury beim Krefelder Architekturpreis überzeugt. Ein Experte erklärt die Besonderheiten.

Krefeld. Der Krefelder Architekturpreis 2018 ist am Dienstag an die Planungsgemeinschaft Feuerwache, die Planungsgemeinschaft Gestering, Knipping und de Vries sowie die Architekten Gatermann und Schossig für den Bau der Hauptfeuer- und Rettungswache Krefeld gegangen. Eine Urkunde erhielt außerdem der niederländische Architekt Thijs Asselbergs für den Neubau der Mehrfamilienhäuser an der Pappelstraße in Gartenstadt.

Warum die Krefelder Feuerwehrwache für diesen Preis nominiert und sogar zum Gewinner gekürt wurde? Das erkennt Architekt Klaus Bürger auf den ersten Blick. Er war noch nie in dem Gebäude und lässt in einem Rundgang vor der Preisverleihung seine Begeisterung für sich sprechen. Das Foyer beschreibt er durch seinen geschulten Blick als „eine ansprechende Halle im Stil der Industriekultur, die eine sehr hohe optische Qualität bietet“. Sein Begleiter und Mitarbeiter Marcel Franken setzt die Kunst an der Wand des Foyers auf Anhieb in Verbindung mit dem Bauwerk. „Man sieht vor allem im Sonnenlicht, wie das Kunstwerk zur Geltung kommt. Das Feuer brennt, könnte man sagen“, sagt er und lacht.

Bürger fällt auch ein ganz besonderes Detail auf: Die Fallrohre an der Außenfassade der Wache sind bündig in die Wand integriert. Das verschaffe der Fassade noch mehr Ästhetik, so Bürger. Er respektiert „die Leistung, die die Architekten an den Tag gelegt haben. Die gesamte Verwaltungsstruktur wurde schlicht in einen Rahmen gebracht. Es muss eine irrsinnige Arbeit gewesen sein, die Gesamtstruktur so intelligent zu gestalten.“ Auch Franken betont, dass „in dem Bauwerk ganz viel Logistik und individuelle Erfahrung der Feuerwehr steckt“.

Das kann Johannes Gestering nur bestätigen. Der Diplom-Ingenieur und Architekt war an der Planung der Feuerwehrwache beteiligt. „Das Spannendste an der Planung war, alles so zu konstruieren, dass man von jedem Ort des Gebäudes innerhalb von 30 Sekunden in die Fahrzeughalle gelangt.“ Besonders gelungen findet er die Fahrzeughalle und den Betriebsraum der Leitstelle, an den alle Notrufe geleitet werden und von dem aus Einsätze gesteuert werden. Diese beiden Orte seien schließlich die Seele und das Herz der Feuerwehr.

Johannes Gestering, Architekt

Die Verleihung der Preise startete schließlich um 17 Uhr im Foyer der Hauptfeuer- und Rettungswache. Krefelds Planungsdezernent Martin Linne überreichte die Urkunden nach einer Ansprache an die Sieger der Auszeichnung. Ursprünglich war Oberbürgermeister Frank Meyer für diesen Akt eingeplant, aber aufgrund einer Erkrankung vertrat ihn Linne. In seiner Ansprache erklärte er, dass der Architekturpreis zum achten Mal verliehen wird. Unter anderem erläuterte er, dass „das Gebäude der Feuerwehr zeigt, wie Form, Funktion und Ökonomie zu einem guten Ergebnis gebracht werden können“. Auch am Ende seiner Ansprache griff er diesen Aspekt wieder auf, denn die Feuerwehrwache und der Gewinn des Architekturpreises seien ein Beweis dafür, dass es sich lohne, nach dem Besten zu streben.

In der Laudatio von Jochen Usinger, Jurymitglied des Krefelder Architekturpreises, verdeutlicht er, wieso sich die Jury einstimmig für die Feuerwehrwache als Sieger des Preises entschieden hat. Er lobte zahlreiche architektonische Besonderheiten, wie den freistehenden rot-orangen Brand- und Übungsturm und die Kunst am Bau. Usinger deutet die Glasfront des Gebäudes als Zeichen der Großzügigkeit und die dunklen Ziegelsteine im Stile Mies van der Rohes an der Außenfassade als Solidität.

Auch interpretiert er die freistehende Brücke im Foyer als Transparenz und Verbundenheit der Feuerwehr. Besonders betont er, dass die Wache ein Zweckgebäude ist. Allein deswegen bezeichnet er den Gewinn des Architekturpreises als einen „unglaublichen Glücksgriff für die Stadt Krefeld“. Die Mehrfamilienhäuser in Gartenstadt wurden ebenfalls einstimmig ausgewählt, erklärte Antje Thelen, ebenfalls Jurymitglied des Krefelder Architekturpreises. Das Besondere an diesen Gebäuden ist die helle, leichte Architektur und eine hochwertige Ausstattung. Außerdem wird der Müll in Unterflurcontainern entsorgt.

Die gesamte Veranstaltung wurde begleitet von dem Saxophonquartett der Krefelder Musikschule. Mit insgesamt drei Musikstücken sorgten Lewin Losemann, Constantin Cremer, Justus Hünicke und Tim Kanik für die musikalische Begleitung.

Zum Ende der Veranstaltung sprachen Josef Knipping vom Bund Deutscher Architekten und Thomas Siegert, Geschäftsführer der Wohnstätte Krefeld, einen Dank für die professionelle Zusammenarbeit aus und ließen den frühen Abend damit ausklingen.

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