Bürgerbüros geschlossen, Personal überlastet

Rathaus : Personal in Bürgerbüros überlastet

Drei von zehn Verwaltungsstellen in den Stadtteilen waren am Montag geschlossen. Die Stadt stellt neue Mitarbeiter ein, um Ausfallzeiten zu minimieren und setzt auf Digitalisierung.

Ausweise beantragen, Anträge einreichen oder Bescheinigungen abholen: Die Bürgerbüros in den Stadtteilen sind als Kontaktstellen für die Verwaltung unverzichtbar. Wöchentlich haben die Mitarbeiter in den Ämtern von Hüls bis Fischeln hunderte Aufgaben zu bewältigen. Die Anforderungen sind hoch, die Personaldecke ist dünn. Allein am Montag sind drei der zehn Bürgerbüros aus personellen Gründen geschlossen, wie die Stadt auf ihrer Homepage mitteilt. Betroffen sind die Verwaltungsstellen in Oppum, Traar und Nord. Zusätzlich ist das Bürgerbüro in Bockum zur Zeit nur vormittags zwischen 8 und 12.30 Uhr besetzt.

Zwar verweist die Stadt darauf, dass Bürger sich unabhängig vom Wohnort bei Anliegen an jedes Bürgerbüro der Stadt wenden könnten, in manchen Stadtteilen wird der Weg dafür aber ein weiter. Wer in Traar am dortigen Rathaus an der Kemmerhofstraße vor verschlossenen Türen steht, für den ist das nächstgelegene Bürgerbüro an der Uerdinger Straße in Bockum  4,4 Kilometer entfernt.

Unterbesetzung und Krankheit führen zu Schließungen

Ein unhaltbarer Zustand, den die Stadt, die die Ämter als Behörde und Servicestelle zugleich bezeichnet, in Zukunft durch mehr Personalstellen vermeiden will. Stadtdirektorin Beate Zielke erklärt dazu im Verwaltungsausschuss, dass zukünftig zwei weitere Springer eingestellt werden sollen. Mitarbeiter, die flexibel in den zehn Büros der Stadtteile eingesetzt werden, wenn es dort zu personellen Engpässen kommt.

Gründe, die zu Sprechzeitenausfällen und zur Schließung von Bezirksverwaltungsstellen führen, seien vielschichtig. Unbesetzte Stellen, wenig Bewerber, umfangreiche und zeitintensive Einarbeitungszeiten, aber auch lange Krankheits- und Abwesenheitszeiten zählten zu den Hauptgründen. Derzeit besteht das Team des Bürgerservices in den Stadtteilen aus sechs Teamkoordinatoren, 21,5 Vollzeit- und drei Springerkräften.

Servicestelle Nord kommt auf 639 Minusstunden

Dass eine Aufstockung um zwei weitere Springer notwendig und sinnvoll ist, bekräftigen nahezu alle Mitglieder des Verwaltungsausschusses in dieser Sitzung. „Man kann gar nicht genug betonen, wie wertvoll der Service in den Verwaltungsstellen ist und was für ein großer Haufen an Arbeit da weggeschafft wird“, betont beispielsweise Hans Butzen.

Laut einem Stundennachweis der Stadt hätten die Ausfallzeiten im Durchschnitt im vergangenen Jahr nur sechs Prozent der Sollstunden betragen. Das Jahr 2018 fällt in dieser Statistik aber bereits jetzt aus dem Rahmen. So kommt das Bürgerbüro Nord in diesem Jahr bereits auf 639 Minusstunden (Soll: 1579). Grund sei laut Zielke die benachbarte Baustelle an Haus Sieburg am Moritzplatz, die die Nutzung der Räumlichkeiten des Bürgerbüros in Nord verhindere.

Bürgerbüro Mitte soll
ins Rathaus umziehen

Besonders hoch frequentiert wird das Bürgerbüro Mitte im den Räumlichkeiten des Seidenweberhaus. Im Rahmen der Diskussion wird derzeit laut Zielke geprüft, ob die Verwaltungsstelle wieder ins Rathaus verlagert werden könne. Ein möglicher neuer Standort soll die ehemalige Meldehalle des Rathauses sein. Zudem soll das Angebot des Bürgerservices in den kommenden fünf Jahren soweit ausgebaut werden, dass viele Dienstleistungen digital angeboten werden können.

Parallel soll zukünftig ein Ausbau von zwei zentralen, verkehrstechnisch gut erreichbaren Hauptstandorten angestrebt und Öffnungszeiten angepasst werden.

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