Gartenamtschefin bekommt Goldenen Ginko

Interview : Krefelderin bekommt Ginkgo-Preis

Interview Doris Törkel, frühere Leiterin des Grünflächenamtes, ist für ihre Arbeit in Düsseldorf ausgezeichnet worden.

Doris Törkel ist in Krefeld keine Unbekannte. Von 2005 bis Ende 2012 leitete sie das Krefelder Grünflächenamt. Seit 2013 ist die 56-Jährige ehemals freiberufliche Landschaftsarchitektin für das Grün in Düsseldorf verantwortlich. In ihrer Zeit in Krefeld hatte sie die Politik um Solidarität mit den Grünanlagen und Bäumen in der Stadt gebeten. Sie stand vor der schwierigen Aufgabe, allein in der Pflege der insgesamt rund 198 Hektar großen Grünflächen an Straßen und Gebäuden zwischen 2010 und 2012 über eine halbe Million Euro einsparen zu müssen.

Ihr Name ist auch verknüft mit dem „halben Willy“, dem Willy-Göldenbachs-Platz. Ihr Entwurf in Höhe des „Bröckske“ sah eine komplette Grünfläche mit „Catwalk“ zum Flanieren, Bänken und Pflanzinseln vor. Letztendlich wurde laut Intervention von Politik und Einzelhandel nur der halbe Platz begrünt, die andere Hälfte ist weiterhin Parkplatz.

Törkel ist am Montag, 5. November, mit dem Goldenen Ginkgo ausgezeichnet worden. Diesen Preis, eine goldene Brosche und ein echter Ginkgobaum, der im Hofgarten gepflanzt werden soll, verleiht die Deutsche Gartenbaugesellschaft 1822. Der Verband ehrt damit besonderes Engagement und herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Entwicklung und Gestaltung des öffentlichen Raumes. Was Törkel zu der Auszeichnung sagt und was sie sonst noch bewegt, erzählt sie im Interview.

Frau Törkel, welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie?

Doris Törkel: Als ich die Nachricht bekam, habe ich mich riesig darüber gefreut. Das ist eine Auszeichnung für meine Arbeit für das Düsseldorfer Grün. Dieser Preis geht gleichzeitig an die Stadt Düsseldorf und an alle meine Kollegen im Gartenamt. Mir ist es bis heute wichtig, Grün- und Stadtplanung zusammenzudenken.

Hatten Sie sich bestimmte Themen gesetzt, als Sie im April 2013 als Gartenamtschefin nach Düsseldorf kamen?

Törkel: Damals war das große Thema, einen gesamtstädtischen Freiflächenplan aufzustellen. Der musste in die Endphase gebracht werden. Es war eine Riesenchance für mich, darüber die Stadtstrukturen kennenzulernen.

Doch dann kam — nur gut ein Jahr später— Pfingststurm Ela . . .

Törkel: Ja, und der Sturm hat wirklich alles durcheinander gewirbelt. Sofort war klar, dass wir Alltägliches zurückstellen mussten. Krisenarbeit war gefordert und die hat mich dann mit dem Amt und der Stadt verschweißt.

Wie sah es im Wald und bei den Straßenbäumen aus?

Törkel: Im Wald haben wir auf die Naturverjüngung gesetzt, hier arbeitet die Natur selbst. Durch den Sturm hatten wir insgesamt in der Stadt rund 30 000 Bäume verloren, allein 2800 Straßenbäume. Hier sind schon 2200 Bäume neu gepflanzt. Aber nicht jeder wird ersetzt. Wir haben auch hier die Standorte überprüft. Manche Bäume standen zu dicht aneinander, anderswo ist der Abstand zu den Leitungstrassen unter der Erde zu gering.

Spielt der Klimawandel bei der Grünplanung eine Rolle?

Törkel: Die Anpassung des Grünbestandes an den Klimawandel und klimabedingte Stressfaktoren sind unsere großen Zukunftsaufgaben. Bereits vor Ela hatten wir angefangen, eine Liste so genannter Zukunftsbäume aufzustellen. Sie steht auch im Internet, ist für Planer wichtig. Sie wird gespeist aus den Fachkenntnissen unserer Meister.

Welche Bäume gelten als stabil?

Törkel: Leider hat inzwischen fast jede Baumart ihre Krankheit, die holzzersetzenden Pilze nehmen zu. Wir pflanzen in Düsseldorf beispielsweise keine Kastanien mehr. Dafür favorisieren wir unter anderem den Amberbaum, die Linde, den Tulpenbaum und eben auch den Ginkgo. Wir tauschen unsere Erfahrungen mit anderen Städten im bundesweiten Arbeitskreis Stadtbäume aus. Es finden Testpflanzungen bei uns, und weiteren 13 Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. Regionale Unterschiede werden dann ausgewertet.

Wie geht es denn dem Grün nach dem heißen Sommer?

Törkel: Es war ja noch bis Ende Oktober viel zu trocken. Im Sommer haben wir versucht, die Spitzen abzufangen, indem wir die Jungbäume und die Bäume auf Tunneln bewässert haben. Aber auch die Altbäume hatten heftigen Trockenstress. Dann verlieren sie an Vitalität und es gibt Folgeschäden. Wie es den Bäumen wirklich nach dem heißen und trockenen Jahr geht, können wir erst nach dem Blattaustrieb im Frühjahr sagen.

Sie leben in Krefeld und arbeiten in Düsseldorf. Wo sind Ihre Lieblingsplätze im Grünen?

Törkel: In Düsseldorf ist es das Rheingärtchen, das ist so introvertiert. Da kann man so schön abtauchen. Weil sich Gartenamt direkt am Nordpark befindet, ist es täglich ein großes Geschenk für mich, auf die Wasserachse zu schauen. Im Schlosspark Benrath liebe ich den Parterregarten. Und in Krefeld ist es der Schönwasserpark mit seinem Platanendach und dem schönen Blick von dort auf das Wiesental, der mir so gefällt.

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