IHK Niederrhein zieht Bilanz zum Ausbildungsjahr

Wirtschaft: Wirtschaft am Niederrhein stellt noch Auszubildende ein

Die Zahl der Lehrverträge hat zugenommen. Unternehmen bieten mehr Stellen an.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, betont es gleich mehrfach: „Ausgesprochen erfreuliche Zahlen“ gebe es vom lokalen Ausbildungsmarkt zu berichten. Die Zahl der vermittelten Lehrstellen im IHK-Bezirk ist gestiegen – und die Wirtschaft am Niederrhein stellt nach wie vor Auszubildende ein. Dies ist das Fazit der Vorstellung der Zahlen durch die IHK, Vertreter der Arbeitsagenturen Krefeld und Mönchengladbach sowie der Kreishandwerkerschaften beider Städte.

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bei der IHK Mittlerer Niederrhein lag zum Stichtag 30. September mit 4446 über dem Vorjahresniveau (4340). Das ist ein Plus von 2,4 Prozent. „Damit liegen wir deutlich über dem Landestrend von 1,6 Prozent“, sagt Steinmetz.

Flexibilisierung auf
beiden Seiten notwendig

Der Hauptgeschäftsführer hebt hervor, dass die IHK den Prozess der Berufsorientierung intensiv unterstütze, so etwa durch Projekte wie „Check-in-Berufswelt“. Das sei auch notwendig, denn der Fachkräftemangel als „Konjunkturrisiko Nr. 1“ sei bei den Betrieben deutlich spürbar angekommen. Flexibilisierung auf beiden Seiten sei hier der Schlüssel zur Fachkräftesicherung: Unternehmen müssten junge Leute ausbilden, die nicht zu 100 Prozent den Anforderungen entsprechen – und junge Leute auch eine Ausbildung machen, die nicht ihrem ersten Wunsch entspreche oder lange Anfahrtzeiten notwendig mache.

Die duale Ausbildung ist nach Ansicht von Angela Schoofs (Arbeitsagentur Mönchengladbach) eine „Karrieremaschine“. Wie ihre Krefelder Kollegin Bettina Rademacher-Bensing erläuterte, haben das viele Jugendliche erkannt: Es gab in Krefeld/Kreis Viersen 4500 Bewerber und damit 143 mehr als im Vorjahr. Dem standen aber auch 3582 erfasste Ausbildungsstellen gegenüber. Das ist eine Steigerung um 567 Stellen (plus 18,8 Prozent). Rein rechnerisch gab es demnach 80 freie Stellen auf 100 Bewerber.

Unversorgt sind derzeit 493 junge Leute. Das sind 29 mehr als im Vorjahr. Ihnen stehen 342 offene Stellen gegenüber. „Wer jetzt noch nichts hat, sollte sich für Ausbildungs-Alternativen öffnen“, sagt Rademacher-Bensing.

Besonders beliebt sind Ausbildungen in gewerblich-technischen Berufen. Im Handwerk bieten Eletroniker, Kfz-Mechatroniker oder Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimabau sichere Arbeitsplätze und „hervorragende Zukunftsperspektiven“, wie Klaus Koralewski (Kreishandwerkerschaft Niederrhein) hervorhebt.

Handwerksbetriebe
suchen dringend Bewerber

Starken Zulauf hatten in diesem Jahr auch Zimmerer (plus 66,6 Prozent), Karosseriebauer plus 47 Prozent), Straßenbauer (plus 41) und Fahrzeuglackierer (plus 29,1). Hoch bleibt die Zahl der Ausbildungsbewerber in den Sparten Dachdecker, Maler- und Lackierer sowie Metallbauer. „Dringend“, so Klaus Koralewski, werden in den Handwerksbetrieben aber noch weitere Bewerber gesucht. Diese fehlten aufgrund der rückläufigen Zahl der Schulabgänger durch den demografischen Wandel sowie des zunehmenden „Akademisierungswahns“.

Mit Blick auf die vorgelegten Zahlen zieht Jürgen Steinmetz das Gesamtfazit: „Unsere Anstrengungen zahlen sich aus.“ Man könne nur hoffen, dass dieser Trend gehalten werden könne.

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