Radstation am Krefelder Hauptbahnhof bleibt erhalten und will wachsen

MOBILITÄT: Die Radstation am Hauptbahnhof bleibt

Weil die Stadt ihren Zuschuss erhöht, geht es am Hauptbahnhof weiter. Die Nachfrage ist groß.

Zuletzt gab es Unruhe um die Radstation der Diakonie Krefeld-Viersen am Hauptbahnhof. „Jetzt läuft aber alles wieder rund“, sagt Karsten Ludwig, zuständig für Presse und Öffentlichkeitsarbeit des sozialen Dienstes. „Aus finanziellen Gründen wären wir gezwungen gewesen, zu schließen und hatten unseren Vertrag schon zum 30. September gekündigt. Aber die Stadt hat ihren Zuschuss für uns erhöht. Nun geht es nach kurzfristigen Einschränkungen nahtlos und in gewohntem Umfang weiter.“

Darüber sind vor allem die rund 350 Berufspendler froh, die täglich mit dem Zug aus der Umgebung kommen und das Rad in der Station deponiert haben, oder diejenigen, die mit dem Drahtesel kommen, ihn sicher unterstellen und dann die Bahn für den Weg zur Arbeitsstelle nutzen. 80 bis 90 Prozent der Kunden sind Berufspendler.

„Es kommen sogar immer mehr Menschen, die das Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombinieren“, erklärt Ludwig. Charles Pooth, der Leiter der Einrichtung, ergänzt: „Morgens und abends herrscht hier der große Betrieb. Wer zu uns kommt, braucht sein Rad nicht im Regen stehen zu lassen. Unsere Radstation bietet witterungsgeschützte und bewachte Parkplätze.“

Zum Service gehört, die Räder am Eingang in Empfang zu nehmen und später dort auch wieder zurückzugeben. „Wir kennen unsere Kunden und ihre Fahrzeuge. Und: Falls alles belegt sein sollte, kein Problem: Wir finden immer noch ein Eckchen“, sagt Pooth. Die meisten der Fahrrad-Stellplätze befinden sich in einem Gewölbe unter den Gleisen. Hier stehen die Drahtesel Seite an Seite.

Die Unterbringung ist ein Angebot von mehreren. Pooth, der vom ersten Tag im September 2000 an dabei ist, sagt: „Bei Bedarf können interessierte Bürger bei uns auch neue und gebrauchte Fahrräder sowie Fahrradzubehör kaufen oder das Rad in der stationseigenen Werkstatt reparieren lassen.“ Sollte die Reparatur wegen eines fehlenden Ersatzteils länger dauern, werde ein Ersatzrad zur Verfügung gestellt.

Zehn Langzeitarbeitslose
bekommen eine Chance

Zehn langzeitarbeitslose Menschen arbeiten in der Radstation. „Wir bieten ihnen die Chance, sich durch die Arbeit in den Bereichen Service, Verkauf und Kundenberatung zu qualifizieren, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken und dadurch ihre Perspektive auf Vermittlung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu verbessern“, sagt der Stationsleiter, neben ihm sind zwei weitere Hauptamtliche hier beschäftigt: ein Teamleiter, der für die Kassenführung zuständig ist, und ein Fahrradmechaniker. Eine Sozialpädagogin schaut von Zeit zu Zeit vorbei.

Was die Fahrradwerkstatt angeht, erklärt Pooth: „Es gibt nichts, was wir nicht machen. Egal, ob die Gangschaltung hakt, ein Reifen platt ist oder das Rücklicht nicht funktioniert – unsere gut ausgebaute Werkstatt schafft alles. Nur bei E-Bikes gibt es Probleme, da die Palette des Reparaturmaterials sehr groß ist. Fast jedes Fabrikat hat ein eigenes System, eigene Geräte wie beispielsweise Messgeräte, um die Akkus zu testen.“

Daniel Adolphy, Student der Hochschule Niederrhein aus Erkrath, hat sich gerade ein Rad ausgeliehen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Service hier, das klappt gut“, erklärt er. „Alle sind hilfsbereit und freundlich.“ Acht Euro kostet eine Ausleihe pro Tag. „Wir haben Damen-, Herren-, Kinderräder, Kindersitze und einen Anhänger für die Kleinen“, sagt Pooth. Besonders im Sommer sei das Geschäft gut gelaufen. „Eine Familie kam sogar aus London und hat Räder gemietet.“

Weil das Geschäft gut läuft, haben die Verantwortlichen an Vergrößerung gedacht. Ludwig: „Dazu müsste das anschließende brachliegende Gewölbe hergerichtet werden. Da müssten Stadt und Bahn miteinander reden. Es wurde auch schon über einen Neubau am Südausgang gesprochen.“ Die Beteiligten wünschen sich auch eine zeitliche Ausdehnung – aufs Wochenende. „Aber das ist personell und finanziell derzeit nicht möglich.“